SPON-Wahltrend Linke wäre drittstärkste Kraft

Die Großen verlieren, die Kleinen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Hier finden Sie die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage von SPIEGEL ONLINE - und können erneut abstimmen.

Linken-Bundesvorsitzende Katja Kipping und Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht
DPA

Linken-Bundesvorsitzende Katja Kipping und Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht


Regierungsverantwortung oder doch lieber Opposition? Über die Frage, welche Rolle sie künftig im Bund spielen möchte, streitet die Linke in diesem Wahljahr besonders intensiv. Bei den Wählern kommt die Partei trotzdem oder deswegen an: Wäre am Sonntag Bundestagswahl, würde die Linke drittstärkste Kraft.

Das zeigt der aktuelle SPON-Wahltrend, der in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben wird. Für den SPON-Wahltrend befragen wir Sie zu Ihrer Parteipräferenz - und regelmäßig auch zu aktuellen politischen Debatten.

Beim SPON-Wahltrend und anderen Civey-Umfragen kann jeder Nutzer mitmachen, die Ergebnisse sind für ganz Deutschland repräsentativ. Am Ende dieses Artikels erfahren Sie mehr zur Methodik. Dort können Sie die Sonntagsfrage auch selbst beantworten.

Wir wollten wissen: Welche Partei würden Sie wählen? So haben Sie abgestimmt.

1. Linke wäre drittstärkste Partei

Im Rennen um den dritten Platz liegen die kleineren Parteien weitestgehend gleichauf. In dieser Woche mit leichten Vorteilen für die Linke: Sie legt 0,8 Prozentpunkte auf 9,3 Prozent zu. Ob und wie sich das Wahlprogramm, das die Partei am vergangenen Wochenende vorgestellt hat, auf die Umfrage auswirkt, zeigt sich allerdings erst in der kommenden Woche.

Platz vier geht mit 8,7 Prozent an die FDP. Die Liberalen können die Verluste aus der Vorwoche wettmachen. Die AfD verliert leicht und steht bei 8,6 Prozent. Die Grünen legen zwar leicht zu, liegen mit 7,7 Prozent aber weiterhin auf dem letzten Platz.

2. Große Parteien verlieren

Größter Verlierer ist mit 1,2 Prozentpunkten in dieser Woche die Union - allerdings ist sie mit 36,5 Prozent auch weiterhin stärkste Kraft. Im Zeitverlauf bleibt die Union in der Gunst der Wähler stabil: In den vergangenen Wochen kamen CDU/CSU durchgehend auf 36 bis 38 Prozent und lagen damit deutlich vor der SPD. Die Sozialdemokraten schaffen es auch in dieser Woche nicht aus ihrem Tief, sie verlieren erneut leicht und stehen bei 24,2 Prozent.

3. Deutsche bewerten Mays Niederlage positiv für Europa

Eigentlich wollte Theresa May mit der vorgezogenen Neuwahl in Großbritannien ihre Regierungsmehrheit ausbauen - und sich so eine stärkere Position für die Verhandlungen mit der EU über den Austritt ihres Landes verschaffen. Der Plan ist nicht aufgegangen - und davon könnte Europa profitieren - so bewerten das zumindest 44,8 Prozent der Deutschen. Weniger als ein Drittel (30,9 Prozent) halten den Wahlausgang hingegen für negativ für Europa - und immerhin ein Viertel (24,3 Prozent) traut sich gar kein Urteil in dieser Frage zu.

Deutliche Unterschiede gibt es in den politischen Lagern: Während mehr als die Hälfte der Anhänger von SPD, Grünen und Linken den Wahlausgang positiv bewerten, sind es bei der Union 42,4 Prozent, bei den Liberalen 36,9 Prozent und bei der AfD nur 28,7 Prozent. 38,2 Prozent der Anhänger der Rechtspopulisten trauen sich allerdings gar kein Urteil in der Frage zu.


Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 6. Juni bis zum 13. Juni 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 10.076 Befragte. Für die zweite Umfrage wurden zwischen dem 9. und 13. Juni 2017 insgesamt 5074 Menschen befragt. D er statistische Fehler lag bei beiden Ergebnissen bei 2,5 Prozent.

Im Wahljahr befragen SPIEGEL ONLINE und Civey regelmäßig Leserinnen und Leser zu aktuellen politischen Themen. Stimmen Sie hier ab - den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben.



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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 5000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 5000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

brk

insgesamt 96 Beiträge
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oidahund 13.06.2017
1.
Was mich immer wieder irritiert ist, dass hier eine Wahlprognose (!) auf die erste Kommastelle genau angegeben wird. Die meisten Prognosen haben eine Schwankungsbreite von deutlich über +/-1 %-Punkte (teilweise bis zu +/- 3%-Punkte). Ich halte eine Aussage bei diesen Umfrageergebnissen, dass die Linke 3-stärkste Partei sei, für äußert gewagt. Die 4 aussichtsreichen "kleinen" Parteien liegen zu nahe zusammen. Tendenziell liegt die CDU/CSU deutlich vor der SPD, die Kleinen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
cdbee 13.06.2017
2. Ich wünsch mir eine Partei
die das Sozialprogramm der Linken hat (Grundeinkommen), Drogen legalisieren will, aber gleichzeitig den Vielverdienern ihr verdientes Geld lässt und gegen zuviel Zuwanderung ist. Wird sie kommen? Ich hoffe irgendwann.
Cyberfeld 13.06.2017
3.
Nun es zeichnet sich mal wieder ab das hier entweder Kroko oder ein 3 Bündnis her muss sollte die SPD noch weiter absagen könnte es sein das ein 3er Bündnis die einzige Option überhaupt ist. .. Wie ihn der Weimarer Republik
CommonSense2006 13.06.2017
4. Das Dumme ist
Das Dumme an so einem Wahlergebnis ist: Es würde die GroKo zementieren, selbst wenn eine der beiden großen Volksparteien wollte, könnte sie keine Mehrheit bilden, weil die AfD etwa 8 oder 9 % der Sitze hält. Also kann man nur alle Bürger aufrufen, auch wirklich zur Wahl zu gehen und irgendwas zu wählen, was nicht AfD oder "Sonsitiges" ist, meinetwegen uach Linke (mein Feindbild No.1) oder Grüne (No 2.), lieber natürlich FDP, aber es muss mal ein bisschen Bewegung in die Sache kommen.
ihawk 13.06.2017
5. Medien abhängig
Ich habe mir die Mühe gemacht und die Medien Berichtserstattung mit Bewertung auf eine Zeitachse gelegt. Daraus geht eindeutig hervor, dass die Schmutz-Kampagne der CDU/CSU Erfolg hat, unterstützt von den hemmungslosen Halbwahrheiten die als Erfolge der Merkel Regierung verkauft werden.
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