SPD-Chef in der Babypause: CDU und FDP lästern über Gabriels Arbeitszeitpläne

Nach seiner Babypause wolle er in der Politik zeitlich kürzer treten, kündigte Sigmar Gabriel an. Politiker von CDU und FDP lästern über das Vorhaben des SPD-Chefs.

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MARCO-URBAN.DE

SPD-Chef Gabriel: Aktiv in der Babypause

Hamburg - "Nicht mehr zwölf bis 16 Stunden am Tag verfügbar und unterwegs sein": Das kündigte SPD-Chef Sigmar Gabriel für die Zeit nach seiner Babypause in einem Interview an . "Das wird nicht mehr gehen", hatte er dem Magazin "Stern" gesagt. Als Vater einer kleinen Tochter könne er natürlich nicht mehr jede Veranstaltung mitmachen, "das wird nicht jeder verstehen".

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe will Gabriel nun beim Wort nehmen. "Man darf gespannt sein, wie viel die neueste Ankündigung des Dampfplauderers Gabriel tatsächlich wert ist. Bislang war von seiner groß angekündigten Babypause nicht viel zu spüren", sagte Gröhe der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich kann ihm nur raten, seinen Worten endlich Taten folgen zu lassen - das wird nicht nur seiner Tochter gut tun", fügte Gröhe hinzu.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles nannte die Äußerung Gröhes "einer christlichen Partei unwürdig". "Selbst im heraufziehenden Wahlkampf geht so etwas nicht", sagte sie.

In der FDP-Führung wurden Gabriels Äußerungen mit Blick auf die ungelöste Kanzlerkandidatenfrage der SPD mit Interesse registriert. Gabriel ziehe sich auf diese Art und Weise aus der ersten Reihe zurück, hieß es aus dem Thomas-Dehler-Haus. "Gabriel tut sich und seiner Partei damit nur einen Gefallen", sagte Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki. Die Umfragewerte bewiesen, dass er im direkten Vergleich zu Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück weit hinten liege.

Wenn es zu einer Befragung der SPD-Mitglieder über ihren künftigen Kanzlerkandidaten kommen sollte, würde Gabriel vermutlich ein schlechtes Ergebnis erhalten, vermutete der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef. "Deshalb ist es klug, den Kritikern mit dieser Ankündigung zuvorzukommen", sagte Kubicki weiter.

als/Reuters

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Hochzeit in Goslar: SPD-Chef Gabriel im Glück

Kurzporträts der SPD-Spitze
Parteivorsitzender: Sigmar Gabriel
REUTERS
Mit 51 Jahren wurde Gabriel, Jahrgang 1959, jüngster Parteichef seit Willy Brandt. In der Großen Koalition war er bis Herbst 2009 Umweltminister und profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen die Atomkraft. Nach dem Wahldesaster der Sozialdemokraten griff er entschlossen nach dem Parteivorsitz. Nach einem starken Start hat seine Autorität zuletzt im Streit um Thilo Sarrazin und die Migrantenquote Schaden genommen. Als natürlicher Kanzlerkandidat gilt er inzwischen nicht mehr.

Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist mit einer Zahnärztin verheiratet.
Parteivize: Manuela Schwesig
Getty Images
Manuela Schwesig schaffte in nur sechs Jahren den Aufstieg von der Finanzbeamtin zur SPD-Vizechefin. Frank-Walter Steinmeier pries die 1974 geborene Schwesig einst als "strahlenden Nordstern der SPD". Im Präsidium ist sie für Familienpolitik zuständig und katapultierte sich vor allem während der Verhandlungen um die Hartz-IV-Reform in die Schlagzeilen.

Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann nach Schwerin. Dort engagierte sie sich zunächst in der Kommunalpolitik, bevor sie im Oktober 2008 ins Schweriner Kabinett eintrat - als bundesweit jüngste Landesministerin. Sie ist Mutter eines Sohnes.
Parteivize: Hannelore Kraft
DPA
Kraft, 1961 geboren, ist SPD-Landeschefin und Ministerpäsidentin von Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte Juli 2010 führt sie eine rot-grüne Regierung in Düsseldorf - die ersten beiden Jahre als Minderheitsregierung, seit der Landtagswahl im März 2012 mit einer deutlichen Mehrheit.

Die gelernte Bankkauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin sieht sich selbst als Pragmatikerin, die keinem SPD-Flügel angehört. Auch ohne den typischen Stallgeruch und die übliche Ochsentour machte sie im größten SPD-Landesverband schnell Karriere - zunächst als Europa- und dann bis Mai 2005 als Wissenschaftsministerin. Später wurde sie Fraktionschefin in Düsseldorf. Kraft ist verheiratet und hat einen Sohn.
Parteivize: Klaus Wowereit
DPA
Regierender Bürgermeister von Berlin und schon seit neun Jahren an der Spitze einer rot-roten Koalition. Gilt deshalb - für nicht wenige in der SPD irrtümlich - als Linker sowie als Wegbereiter einer bundesweiten Öffnung zur Linkspartei.

Wowereit, Jahrgang 1953, ist der Senior innerhalb der SPD-Spitze. Gelernter Jurist, passionierter Partygänger, Skat- und Golfspieler. Lebt mit einem Arzt zusammen. Bekanntester Satz, immer noch: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so."
Parteivize: Olaf Scholz
AP
Bis Herbst 2009 war Scholz, geboren 1958, Bundesarbeitsminister. Aber auch jetzt ist er wieder gut beschäftigt: Im Februar 2011 holte er bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg die absolute Mehrheit und ist seitdem Erster Bürgermeister in der Hansestadt.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht hat in der SPD schon viele Karrierestationen hinter sich: Innensenator in Hamburg, SPD-Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Scholz ist verheiratet mit einer Hamburger SPD-Politikerin.
Parteivize: Aydan Özoguz
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Die Hamburgerin, Jahrgang 1967, mit türkischen Wurzeln hat einen steilen Aufstieg in der SPD hinter sich. Seit 2009 sitzt sie im Bundestag, im Dezember 2011 übernahm sie einen der Posten als Bundes-Vize. Vorher arbeitete sie unter anderem als Intergrationsbeauftragte der SPD-Fraktion. Für Aufsehen sorgte sie 2010 mit dem Appell, die Is­lam­kon­fe­renz von Bun­desin­nen­mi­nis­ter Hans-Pe­ter Friedrich (CSU) zu boy­kot­tie­ren. Sie hatte dem Minister vorgeworfen, einen pauschalen Terrorverdacht gegen Muslime zu unterstellen. Özoguz ist mit einem Hamburger SPD-Politiker verheiratet und lebt in Oldenfelde sowie einer Berliner Dienstwohnung.
Generalsekretärin: Andrea Nahles
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Nahles, geb. 1970, ist schon lange bei der SPD aktiv. Vor ihrer Wahl zur Generalsekretärin war Nahles stellvertretende SPD-Vorsitzende. Einst war sie Chefin der Nachwuchsorganisation Jusos und für kurze Zeit schon einmal als Generalsekretärin vorgesehen: 2005, gegen den Willen von Franz Müntefering, der deshalb nicht mehr Parteichef sein wollte.

Nahles stammt aus Rheinland-Pfalz, sie ist Germanistin und bekennende Katholikin. Liiert ist sie mit einem Bonner Kunsthistoriker.