Edathy-Affäre Politiker wollen Geschäfte mit Kinder-Nacktfotos verbieten

Als Konsequenz aus der Edathy-Affäre fordern Politiker der Union Strafen für das Verbreiten von Nacktbildern von Kindern. Auch Kinderschützer wollen Gesetze gegen die Geschäfte mit solchen Fotos, warnen aber davor, Alltagsbilder zu kriminalisieren.

Pädophilen-Lockangebot mit Avatar "Sweetie": Debatte um "Posing"
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Berlin - Nach dem Skandal um SPD-Politiker Sebastian Edathy fordern Politiker, Kinderschützer und Kriminalbeamte schärfere Gesetze gegen Kinderpornografie. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, plädierte dafür, den Kauf und Verkauf von Fotos mit nackten Kindern, generell unter Strafe zu stellen.

Es handle sich um einen schweren Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn mit solchen Bildern Geschäfte gemacht würden, sagte Hilgers dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Schließlich würden die Opfer nicht nach ihrem Einverständnis gefragt.

Man müsse aber darauf achten, dass die Politik nicht Dinge kriminalisiere, die zum alltäglichen Leben gehörten - etwa wenn Eltern im Urlaub ihre Kinder am Strand fotografierten.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Edathy wegen Vorwürfen "im Grenzbereich" zur Kinderpornografie. Offiziell ist ein strafbares Verhalten bislang nicht nachgewiesen worden. Bei der Strafverfolgung wird bei Kinderpornografie zwischen Kategorie eins und Kategorie zwei unterschieden. Bei Kategorie zwei sind nackte Kinder, aber nicht explizit ihre Genitalien im Fokus. Solche Aufnahmen sind nach derzeitiger Gesetzeslage nicht strafbar - wegen Bildern wie diesen wurden auch die Ermittlungen gegen Edathy aufgenommen. Bei Kategorie eins handelt es sich um strafbares kinderpornografisches Material.

"Problematische Grauzone"

Auch in der CDU gibt es offenbar Überlegungen zu einem generellen Verbot von käuflichen Nacktfotos von Kindern. Zumindest die gewerbliche Verbreitung derartiger Bilder sollte verboten werden, sagte der Staatssekretär im Innenministerium Günter Krings (CDU) der "Rheinischen Post". Auch nicht als Pornografie eingestufte "bloße" Nacktaufnahmen könnten Kinderseelen verletzen, besonders wenn sie weltweit verbreitet würden.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte der Zeitung, wenn sich der "Rauch" in der Edathy-Affäre gelegt habe, "werden wir über die problematische Grauzone reden müssen, dass käuflich erworbene Nacktfotos von Kindern strafrechtlich nicht relevant sind". Am Montag hatte bereits der CSU-Politiker Peter Gauweiler eine Verschärfung der Gesetze gefordert. Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter sprach davon, dass die Strafen in diesem Bereich derzeit zu gering seien.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sprach sich ebenfalls für neue Regeln aus. "Der Fall Edathy zeigt klar, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt", sagte Rörig der "Welt". Diese Lücke müsse geschlossen werden: "Wenn Darstellungen von Kindern erzeugt werden, um sexuelle Interessen von Erwachsenen zu befriedigen, muss dies im Sinne eines besseren Kinderschutzes strafrechtlich sanktioniert werden."

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels hieß es, "Posing"-Bilder seien auch bei Sebastian Edathy gefunden worden. Das ist falsch. Richtig ist, dass gegen Edathy ermittelt wird, weil er Nacktbilder von Kindern bestellt haben soll. Ob diese bei Edathy auch gefunden wurden, ist noch unklar. Wir haben den Artikel korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

fab/dpa/Reuters

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insgesamt 145 Beiträge
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Seite 1
impatience 18.02.2014
1. früh
Na, das fällt denen aber früh ein. Warum bedarf es da erst eines Skandals, bis die mal auf diese Idee können?
laurelnetz 18.02.2014
2. Ich dachte
das wäre längst verboten. Bin fassungslos, dass es tatsächlich hier (noch) möglich ist, solche Bilder legal zu besitzen. Was geht in Juristen und Politikern vor, die bewusst Gesetzte wie das momentan geltende verabschieden, in denen solche "Grauzonen" eingebaut sind? In wessen Interesse kann es liegen, solch ein Gesetz zu verabschieden? Müssen wir am Ende Edathy dankbar sein für das Aufdecken der Grauzone?...fassungslos.
MeinPoMei 18.02.2014
3.
Wenn sich der Rauch gelegt hat???? Also einfach abwarten und die Affäre für beendet klären. #Edathy hätte schon längst gesucht werden müssen! Welcher Normalbürger darf schon abtauchen im Ausland bei Straftechtliche Untersuchungen und vorher Unterlagen verschwinden lassen - Ne ist klar, die wurden ihm gestohlen, was für ein Zufall.
mat_1972 18.02.2014
4.
Zitat von sysopAPAls Konsequenz aus der Edathy-Affäre fordern Politiker der Union Strafen für das Verbreiten sogenannter "Posing"-Bilder. Auch Kinderschützer fordern Gesetze gegen das Verbreiten solcher Nacktfotos, warnen aber davor, Alltagsbilder zu kriminalisieren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-und-kinderschutzbund-wollen-posing-bilder-verbieten-lassen-a-954087.html
Mal ganz davon ab dass ich das unglaublich albern weil masslos aktionistisch finde..... Sollte man in diesem Zuge auch die Ausbeutung von Kindern in der Werbung/Reklame verbieten. Ist bei vorurteilsfreier Betrachtung ähnlich gelagert! Zudem noch etwas zum Nachdenken: Es sterben pro Jahr unglaublich viele Kinder an Hunger oder Kinderarbeit oder werden sonstwie misshandelt oder instruentalisiert.... Dort hält sich die Empörung aber merkwürdigerweise in Grenzen. "Man kann ja nichts dagegen tun". Komische Welt in der ich lebe.... Oder kann es dann doch sein, dass das ganze Kinderpornogelaber doch gepusht und hochgespielt wird um die Bevölkerung dafür zu Gewinnen das Internet komplett überwachen zu lassen? Verschwörungstheroie? Mag sein. Für mich jedoch mehr als nachvollziehbar. Vor allen DIngen wenn man dich mit der ganzen Thematik mal eingehender befasst.
Wirbelwind 18.02.2014
5. Jetzt wird wieder das StGB verschlimmbessert
Jetzt wird wieder das StGB verschlimmbessert, und am Ende kommt dann irgendein Blödsinn dabei heraus: 1. Entweder wir enden in einer gesetzgeberischen Prüderie wie man sie aus den USA kennt, wo sich Menschen wegen Dingen strafbar machen, die bei uns bislang niemand anstößig findet. 2. Oder aber wir enden bei einer Gesinnungsgesetzgebung, wo die Strafbarkeit einer bildlichen Darstellung plötzlich davon abhängt, WER sie besitzt. Beides fände ich höchst problematisch. Das Problem bei Punkt 1 erklärt sich von selbst. Und bzgl. Punkt 2 bin ich der Ansicht, dass es keine Rolle spielen darf, aus welchen Motiven jemand etwas besitzt. Entweder ein Bild ist strafbar oder es nicht strafbar. Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch Verkauf fremder Bilder ist eine ganz andere Sache, die zivilrechtlich geahndet werden kann.
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