Wahlpleite der Liberalen: CDU-Vize Klöckner will FDP-Mitglieder abwerben
Die Beitrittspapiere können "sofort" ausgefüllt werden: CDU-Vizechefin Julia Klöckner fordert enttäuschte FDP-Mitglieder auf, zur Union zu wechseln. Der Vorstoß sorgt für Irritationen - auch in der eigenen Partei.
Berlin - Ein Vorschlag von CDU-Vizechefin Julia Klöckner hat innerhalb und außerhalb ihrer Partei Protest ausgelöst. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" hatte Klöckner über die Rolle der Union nach der Bundestagswahl gesprochen. Die CDU müsse in einer neuen Regierungskoalition "auch Funktionen der FDP mit übernehmen", sagte sie in dem Gespräch. Die Liberalen waren am vergangenen Sonntag an der Fünfprozenthürde gescheitert und aus dem Bundestag geflogen.
Nun soll die Lücke, die die Liberalen hinterlassen, von der CDU aufgefüllt werden - so sieht es jedenfalls die 40-jährige CDU-Landesvorsitzende von Rheinland-Pfalz. Zwar betonte sie: "Die Union soll keine zweite FDP werden." Doch bräuchten die ehemaligen Wähler der FDP "eine institutionalisierte Heimat", stellte Klöckner fest und warnte: "Es wäre nicht gut, würde die AfD an die Stelle der FDP treten."
Klöckner rief zugleich FDP-Politiker auf, der Union beizutreten. "Ich freue mich über jeden, der unsere Inhalte teilt und sagt: Da will ich Mitglied werden", sagte Klöckner auf die Frage, ob die Union nur um FDP-Wähler oder auch um FDP-Politiker werbe. "An den Beitrittserklärungen soll es jedenfalls nicht liegen, von denen haben wir genug." Sie seien "sofort ausfüllbar".
"Keine bessere FDP"
In dem Interview rief Klöckner ihre Partei allgemein zu einem wirtschaftsfreundlicheren Kurs auf. "Wir müssen unseren Wirtschaftsflügel weiter stärken", sagte sie. Dazu gehöre, dass die Wirtschaftspolitiker der Union "Raum bekommen".
Innerparteiliche Kritiker werfen Klöckner nun vor, eine unnötige Diskussion anzustoßen. "Die CDU ist glänzend aufgestellt. Wir brauchen keine Richtungsdebatte", sagte der Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels der Union, Karl-Josef Laumann, der "Welt".
Mit Verweis auf eine aktuelle Umfrage, die die FDP bei nur noch drei Prozent sieht, meinte Laumann weiter: "Wir müssen aufpassen, dass wir mit dem Versuch, die verbleibenden drei Prozent Wähler der FDP zu bekommen, nicht jene wieder verlieren, die uns am vergangenen Sonntag mehr als 40 Prozent gegeben haben." Die CDU könne keine bessere FDP werden.
Christlich-sozial und liberal, das widerspreche sich auch teilweise, ist Laumann überzeugt. Als Beispiel nennt der Sozialpolitiker den Mindestlohn. Hier hatte die FDP sich einer Regelung mit der Union bis zuletzt verweigert. "Hätte die FDP beim Mindestlohn eine zustimmende Position eingenommen, so bin ich sicher, wäre sie heute noch im Bundestag."
In der FDP selbst reagierte man alles andere als geschmeichelt. Der designierte Vorsitzende der Liberalen, Christian Lindner, äußerte sich verärgert über den Abwerbeversuch Klöckners. "Wer für die Soziale Marktwirtschaft und eine tolerante Bürgergesellschaft steht, der sollte jetzt am Neuaufbau der FDP mitwirken", sagte Lindner der Zeitung. Zugleich kritisierte er die "Beliebigkeit" der CDU. Er zumindest sieht in der Partei also definitiv keine neue Heimat.
amz
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