Wahlkampfabschluss der CDU Merkel wehrt sich gegen Euro-Gegner

Schafft die Alternative für Deutschland die Fünfprozenthürde, war's das wohl mit Schwarz-Gelb: Bei der Abschlusskundgebung der CDU distanziert sich Kanzlerin Merkel deshalb klar von den Euro-Gegnern - mit einer Lobeshymne auf Europa und die gemeinsame Währung.


Berlin - Bei ihrer Abschlusskundgebung hat Angela Merkel am Samstag ein für ihre Verhältnisse geradezu schwärmerisches Europa-Plädoyer gewagt, offensichtlich auch, um sich von Euro-kritischen Parteien abzuheben: "Die Stabilisierung des Euro ist nicht nur eine gute Sache für Europa, sondern im elementaren Interesse für Deutschland", sagte die Kanzlerin bei der Veranstaltung der Bundes-CDU in Berlin. "Sie sichert unseren Wohlstand, und sie sichert unsere Arbeitsplätze."

Deutschland, so die CDU-Vorsitzende weiter, könne es auf Dauer nur gutgehen, wenn es Europa gutgehe. Deshalb müsse Deutschland auch solidarisch mit Partnern in Not sein. Merkel lobte die überragende Bedeutung der europäischen Integration für den Kontinent. In der EU gälten nicht nur gleiche Werte für 500 Millionen Menschen, sondern sie sei auch die Grundlage für einen dauerhaften Frieden.

Mit ihrer Lobeshymne auf die Europäische Union und den Euro setzte sich Merkel zum Ende des Wahlkampfes deutlicher als in vorherigen Reden von Euro-Gegnern ab, speziell von der Partei Alternative für Deutschland (AfD), die sie allerdings nicht direkt nannte. Die AfD schreibt in ihrem Wahlprogramm unter anderem, dass Deutschland den Euro nicht braucht.

Die AfD hat letzten Umfragen zufolge Chancen, erstmals in den Bundestag einzuziehen, und könnte damit das Ende der schwarz-gelben Regierung besiegeln. Daher bekräftigte Merkel, sie wolle die Koalition mit der FDP fortsetzen. Zwar seien auch im schwarz-roten Bündnis mit der SPD von 2005 bis 2009 viele Probleme gelöst worden. "Aber wir waren erfolgreicher in der christlich-liberalen Koalition."

Rote Linien für Koalitionsverhandlungen mit der SPD

Bei der Veranstaltung in Berlin warb Merkel gezielt um Unentschlossene. "Ich persönlich bitte die Menschen in Deutschland, mich mit einem starken Mandat auszustatten, damit ich weitere vier Jahre Deutschland dienen kann."

Zugleich zog die Bundeskanzlerin indirekt rote Linien für möglicherweise nötig werdende Koalitionsverhandlungen mit der SPD oder den Grünen. Die jetzige Rettungspolitik in der EU, die auf Leistung und Gegenleistung der Länder beruhe, müsse unbedingt fortgesetzt werden. Sie seien für Reformen verantwortlich, wenn sie finanzielle Hilfe erhalten wollten. Die Krise sei noch nicht überwunden.

Zugleich lehnte Merkel die Vergemeinschaftung der Schulden im Euro-Raum ab. "Deshalb wird es mit der CDU keine gemeinsame Schuldentilgungsfonds und keine Euro-Bonds geben", sagte sie. Auch die von SPD und Grünen geforderten Steuererhöhungen lehnte Merkel ab: "Diesen Weg wird die Union nicht gehen."

Auch Peer Steinbrück und Thorsten Schäfer-Gümbel hatten ihren letzten großen Wahlkampfauftritt. Auf dem Frankfurter Römerberg warben der SPD-Kanzlerkandidat und der hessische Spitzenkandidat der SPD gemeinsam um Stimmen für einen Politikwechsel.

"Noch 28 Stunden, dann können Sie die los sein", sagte Steinbrück über die schwarz-gelbe Regierung in Bund und Land. In Berlin könne dann "die tatenloseste, rückwärtsgewandteste, zerstrittenste, aber trotzdem vollmundigste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung" der Vergangenheit angehören.

Steinbrück bedankte sich bei Schäfer-Gümbel für einen "freundschaftlichen" Wahlkampf: "Du hast mir sehr geholfen, und ich hoffe, ich konnte das auch für Dich tun." Der Mann, der Volker Bouffier (CDU) in Wiesbaden ablösen möchte, habe "in den vergangenen vier Jahren bewiesen, dass er alle Qualitäten hat, um der Ministerpräsident dieses Landes zu werden".

yes/Reuters/AFP

insgesamt 225 Beiträge
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Bundesbanker 21.09.2013
1. Mutti und Co.
haben uns während der akuten Phase der Krise belogen und sie belügen uns auch jetzt noch. Unschwer zu erraten, wie es nach der Wahl weiter ginge...
EvilGenius 21.09.2013
2. Ein Grund mehr
---Zitat--- Schafft die Alternative für Deutschland die Fünfprozenthürde, war's das wohl mit Schwarz-Gelb ---Zitatende--- Gut, dann wähle ich die mal. Auf den Rausflug der FDP ist ja leider kein verlass aber dann sind sie zumindest nicht mehr in der Regierung.
woanders 21.09.2013
3.
Zitat von sysopAPSchafft die Alternative für Deutschland die Fünfprozenthürde, war's das wohl mit Schwarz-Gelb: Bei der Abschlusskundgebung der CDU distanziert sich Kanzlerin Merkel deshalb klar von den Euro-Gegnern - mit einer Lobeshymne auf Europa und die gemeinsame Währung. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-wahlkampf-merkel-distanziert-sich-von-afd-a-923656.html
ALLES GELD ist Schuld. Das Problem geht viel tiefer und offensichtlich erkennt /oder will-darf- das nicht erkennen: weder die bisherige Laienspielgruppe im Bundestag, und auch von der neu angetretene Gruppe vermisse ich ehrliche Aufklärung des Michels. Offensichtlich tut das Not, wenn ich mir diverse Internetforen anschaue und die entsprechenden Posts zum Thema lese, kann ich noch nichtmal ansatzweise erkennen, dass die wirklichen Probleme angesprochen werden, bzw der Anteil der Foristen, die diese im makroökonomischen Zusammenhang erkennen ist leider verschwindend gering. Ich kann auch nicht sehen, dass eine AfD in irgendeiner Weise makroökonomisch sinnvoll argumentiert (ebenso wie alle anderen Laienspieltruppen auch), über das grundsätzliche Problem des weltweiten Finanzsystems wird kein Wort verloren. Ein Schuldgeldsystem wie wir es nach wie vor haben ist (historisch immer wieder bewiesen, mathematisch unausweichlich) nur kurzzeitig und bedingt lebensfähig. Dann bricht es unweigerlich zusammen. Es ist nicht die Frage Euro ja oder nein, Nord/ Süd Euro oder diverse andere Kinkerlitzchen, das komplette Finanzsystem gehört auf den Prüfstand und wesentliche Stellschrauben müssen geändert werden sonst wird das relativ schnell ganz BÖSE enden! Eine der ganz wichtigen Stellschrauben, die ohne grosse Verwerfungen noch in diesem System ohne dessen unkontrollierten Zusammenbruch auszulösen von heute auf morgen geändert werden könnte, ist die Wiedereinführung des Trennbankensystems (Glass- Steagall). Hier würde die ganze Zockerei der Banken auf ihre real existierende virtuelle Schiene geleitet, niemand, ausser die Verursacher selbst, müsste mehr für die maroden Zocker bürgen. Aber auch von der angeblich wirtschaftskompetenten Partei AfD habe ich dazu nicht einen Ton gehört. Ich gehe davon aus, dass hier ein Sammelbecken für frustrierte Konservative geschaffen wurde, die aber trotz diverser Profesorentitel ihrer "Elite" offensichtlich keine wirkliche Aufklärung betreiben (kann mir nicht vorstellen, dass die alle keine Ahnung von der Funktion des Schuldgeldsystem haben, bzw. auch noch nichts von Glass Steagall gehört haben), sogesehen verdächtige ich diese Partei, Notfallsteigbügelhalter der allseits bis zur Überdrüssigkeit bekannten etablierten Parteien zu fungieren. Also das übliche Spiel, wirf dem Hund einen Knochen hin, dann hört er auf zu bellen. Was für ein perfide abgekartetes Spiel und kaum einer merkt's!
walter_schlauer 21.09.2013
4. auch so könnte ein Wahlergebnis aussehen...
Prozent Anteil Sitze CDU 36 42 % FDP 4,5 SPD 31,1 36,1 % Grüne 12 14 % Linke 7 8 % AfD 4 Piraten 2 andere 3,5 Summe 100,0 dann hätte Rot-Grün eine Mehrheit...
warkeinnickmehrfrei 21.09.2013
5. Prost Wahlzeit titelt Springers Bild
in einer Sonderausgabe die ich gerade ungewollt in meinem Briefkasten fand. Darin erklären mir Kohl und Schröder warum die morgige Wahl so wichtig ist. Ganz klar wieso: Wir Deutschen sind aufgerufen den von der Regierung in den vergangenen Jahren begangenen Hochverrat an unseren Interessen demokratisch zu legitimieren. Nichts anderes. Hatten wir doch keine Chance auf die "Eurorettungskurs" Einfluss zu nehmen.
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