CDU-Wahlkampf Orange in der Arena

Vor dem Wahlkampfauftakt gehen die Parteien in Stellung: Heute stellten die Christdemokraten ihre Wahlkampfzentrale vor. Mit der "Arena 05" soll der CDU gelingen, was die "Kampa" 1998 für die SPD erreichte.

Von Sebastian Christ


CDU-Generalsekretär Kauder: Wahlkampf in orange
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CDU-Generalsekretär Kauder: Wahlkampf in orange

Berlin - Hier soll sich also alles entscheiden. Ein Raum im Hirn einer großen Volkspartei: Ockerfarbene Wände, haustürgroße Schreibtische, ein gutes Dutzend fröhlich blinkender Flachbildschirme. Davor einige junge Männer und noch mehr junge Frauen - telegen und telefonierend. In der Ecke steht ein unwirklich breiter Plasmafernseher, auf dem n-tv läuft, ohne dass jemand hinsehen würde.

Glaubt man CDU-Generalsekretär Volker Kauder, dann werden hier künftig Nachrichten gemacht - und nicht empfangen. Die erste Nachricht produziert er heute selbst. Stolz führt der Wahlkampfmanager am Morgen eine ganze Horde von Fernsehteams durch die neue Wahlkampfzentrale der CDU.

"Arena 05" heißen die Räume, doch auch der großspurige Name kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um die zweite Etage des Berliner Konrad-Adenauer-Hauses handelt. Wie die SPD verzichtet die CDU auf ein externes Wahlkampfquartier.

"Arena" kontra "Rotes Telefon"

Auf der Etage riecht es förmlich nach Optimismus. Kauder kann es kaum erwarten, den Journalisten die schwarze Schaltzentrale vorzustellen. Die "Arena" ist seit Wochen in Betrieb: Seit fast zwei Monaten sind die Christdemokraten schon dabei, den Sturm aufs Kanzleramt vorzubereiten. Wahlplakate wurden entworfen, Wahlhelfer engagiert und Strukturen aufgebaut. Doch nach außen hin konnte man das nicht so deutlich sagen, schließlich wartete die Union offiziell noch die Entscheidung des Bundespräsidenten ab.

In der Öffentlichkeit wirkten die Christdemokraten daher träge, während die SPD einen sehr viel agileren Eindruck machte. Die Genossen stellten mehrere Wahlkampfseiten ins Netz, richteten die Wahlkampfzentrale "Rotes Telefon" ein und änderten sogar die Farbe ihrer Wahlkampfmaterialien in den Ockerton "Umbra".

Die öffentliche Führung ist Kauders Versuch, das Heft wieder in die Hand zu bekommen. Die Farbe Orange taucht überall in der "Arena 05" auf. Das ist seit einigen Jahren die Parteifarbe der CDU und nicht - wie man glauben könnte - auf die orangefarbene Revolution in der Ukraine zurückzuführen. Orange sei eine "optimistische Farbe", betont Kauder. Orange stehe für "Perspektive, Aufbruch und Zuversicht".

Kauder mit Merkel-Plakat: "Angie, wir kämpfen für Dich!"
DDP

Kauder mit Merkel-Plakat: "Angie, wir kämpfen für Dich!"

Für die Presse werden Bilder von Männern und Frauen in orangefarbenen Polohemden gezeigt, die rhythmisch zuckend über Großbildwände jagen. Der Kaffeeverkäufer im Foyer hat orangefarbene Becher und verteilt dazu die farblich passenden Zuckersäckchen. Daneben stehen junge Hostessen, die, was wohl, orangefarbene Kostüme tragen. Auch Angela Merkel trägt die christdemokratische Modefarbe. Auf den Plakaten, strahlend, lächelnd, zuversichtlich eben, in unifarbener Jacke. Dazu eine dezente Holzperlenkette.

Die Räume der "Arena" gehen von einem ringförmigen Gang ab, der sich um das Atrium des Parteihauses legt. An den Geländern flimmern Neonröhren, die wohl signalisieren sollen, dass hier etwas passiert.

Die jungen Wahlhelfer jedenfalls sind begeistert. "Ich war schon in Nordrhein-Westfalen dabei. Jetzt möchte ich auch den Wechsel im Bund", sagt Matthias Sauer, 20 Jahre alt, aus dem rheinischen Königswinter. Er ist Mitglied der Jungen Union und sitzt in dem Raum mit den vielen Flachbildschirmen.

Kämpfen bis zum Testbild

Sauer ist einer von 6000, die sich freiwillig gemeldet haben, um der Union zum Sieg zu verhelfen. Die meisten dürften aus den Reihen der Jungen Union kommen. Im Unterschied zu der Mehrheit ist Sauer nicht Student, sondern arbeitslos. "Bewerbungen kann ich auch von Berlin aus schreiben", sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann. Kauder wird es gerne hören.

Hinter Sauer hängen die Wahlkampfplakate. Daneben, fast von einer Säule verdeckt, haben die jungen Wahlkampfhelfer eine kleine Merkel-Collage gebastelt. Bilder aus "FAZ", "Welt" und "Bild", so bunt montiert, dass der Raum an dieser Stelle etwas von einem Kinderzimmer hat. Frau Merkel als Popstar.

Die Kanzlerkandidatin ist omnipräsent. Treu schaut sie von einem weißen Plakat herab, und ebenso treu der Schwur ihrer Helfer, der handschriftlich daneben steht: "Angie, wir kämpfen für Dich!" Die jungen Wahlkämpfer nennen sich "teAM Zukunft". Das "AM" soll für "Angela Merkel" stehen.

Ein paar Türen weiter liegt ein Zimmer, "das ich eigentlich nicht zeigen sollte", sagt Kauder kokett. Er tut es natürlich doch. Hier werden die Medien ausgewertet. Ein Häuflein Freiwilliger sichtet hier jeden Tag die Nachrichten der großen Fernsehkanäle. "Wir bleiben hier nachts bis zum Testbild", tönt einer der Männer. Ein anderer sagt, dass die Öffentlich-Rechtlichen "sehr ausgewogen berichten würden". Welcher Sender für die CDU ist, möchte er nicht sagen.

Kauder steht wieder auf dem Flur, diesmal vor Wahlplakaten aus den vergangenen 56 Jahren. "Wir sind ein Volk", das war Lothar de Maiziére, 1990. "Politik ohne Bart", das war Helmut Kohl, 1994. Irgendwo haben sie auch noch Rainer Barzel versteckt. Aber der hatte seine Wahl ja verloren, 1972, lang ist es her.

"Das gibt uns jeden Tag Motivation, wenn wir hier vorbei gehen", sagt Kauder. "Das sind unsere großen Siege." Und schiebt nach, als er plötzlich doch noch auf Barzel stößt: "Aber auch unsere Niederlagen kann man daraus ablesen." Ein paar Schritte weiter, um die Ecke, hängt der wohl treffendste Slogan für den Wahlkampf, den Merkel und Kauder führen wollen. "Unsere Stimme führt zu Arbeit und Aufbau." Konrad Adenauer, 1949. Zurück zu den Wurzeln.



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