Eklat bei Münchner Sicherheitskonferenz "Terrorist" Özdemir unter Polizeischutz

Cem Özdemir ist bei der Münchner Sicherheitskonferenz im selben Hotel untergebracht wie die türkische Delegation - ausgerechnet. Die Polizei fürchtet laut einem Medienbericht um die Sicherheit des Grünen-Politikers.

Cem Özdemir
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Bei der Münchner Sicherheitskonferenz wohnt Cem Özdemir ausgerechnet im selben Hotel wie die türkische Delegation. Der Grünen-Politiker soll deshalb unter Polizeischutz stehen, berichtet die "Welt" unter Berufung auf einen Polizeisprecher.

Die Münchner Polizei konnte das auf Anfrage des SPIEGEL zunächst nicht bestätigen. Özdemir hat den Artikel der "Welt" allerdings auf seinem Twitter-Account geteilt.

Der frühere Grünen-Vorsitzende übt immer wieder scharfe Kritik an der Menschenrechtslage in der Türkei.

Laut dem Bericht sollen sich die türkischen Delegierten beschwert haben, in ihrem Hotel sei ein "Terrorist" untergebracht. Gemeint war offenbar Özdemir. Nach massiven Interventionen der türkischen Delegation soll Özdemir nun ständig von mehreren Sicherheitsbeamten begleitet werden.

Kaffee und Croissant auf dem Zimmer

Laut "Welt" sollen ihm die Polizisten sogar abgeraten haben, im Hotel zu frühstücken. Stattdessen sei er gebeten worden, seinen Kaffee und ein Croissant auf dem Zimmer einzunehmen. Özdemir soll das ausgeschlagen und direkt zur Konferenz gefahren sein.

Drei bayerische Beamte begleiten den ehemaligen Chef der Grünen nun offenbar über das Wochenende. Sie sollen von der Delegation eines nicht genannten Nato-Partners abgezogen worden sein. Zu Terminen werde Özdemir in einem Polizeifahrzeug gebracht. Zum Hintergrund und zum Umfang der Schutzmaßnahme wollte die Polizei keine Angaben machen.

"In Deutschland nichts verloren"

Özdemir sagte der "Welt", er sei der türkischen Delegation am Freitag zufällig in der Hotellobby begegnet. "An ihrem Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, dass sie nicht erfreut waren, mich zu sehen."

Özdemir sagte, der Vorgang bestätige seine Einschätzung "über die Natur des Regimes in Ankara". Man bekomme "einen Eindruck, welche Aggressivität von diesem Unsicherheitspersonal wohl in der Türkei ausgeht, wenn sie sich bei uns schon so aufführen".

Es sei "schlimm genug, dass Recep Tayyip Erdogans Schergen unter Andersdenkenden Angst und Schrecken verbreiten", fügte Özdemir hinzu. "Aber in Deutschland hat es nichts verloren."

koe/dpa



insgesamt 87 Beiträge
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thermo_pyle 17.02.2018
1. Wer ?
Wer hat denn da bei der Planung gepennt ? Oder war dieser Fauxpax etwa geplant ? Schon merkwürdig dass keinem aufgefallen sein soll dass die türkische Delegation und Herr Özdemir im selben Hause residieren sollen. Naja, zum Glück ist nichts passiert ;-)
SPONU 17.02.2018
2. Die Polizei fürchtet?
So ein Quatsch. Als ob eine offizielle türkische Delegation einem deutschen Politiker in Deutschland am Kittel flicken würde. Da hat jemand aus Oezdemirs Stab wohl Paranoia und möchte ein bischen Presseaufmerksamkeit.
territrades 17.02.2018
3. Cem Özdemir
Ich mag weder seine Person und erst recht nicht seine Politik. Aber gegen die Türkei muss ich ihn verteidigen, so eine Drohkulisse während einer Konferenz aufzubauen geht gar nicht. Wann tut unsere Regierung endlich mal was sie immer predigt, nämlich aus der Geschichte zu lernen? Die Türkei gehört sanktioniert wie Nordkorea und der Iran.
mens 18.02.2018
4. Landesverbot
Starkes Stück: ein deutscher Politiker muss sich vor Gästen aus dem Ausland vorsehen und lieber auf dem Hotelzimmer bleiben? Ich komm nicht mehr mit. Die Selbstbehauptungs-Kultur der EU ist armselig und beschämend! Wer sich hier so aufführt, darf nicht einreisen - egal wer.
klaus.blum 18.02.2018
5. Cem Özdemir
....war, ist und wird als deutscher Politiker mit türkischen Wurzeln, niemals ein Terrorist sein. Die religiös stark geprägte türkische Politik und deren Führung möchte uns dass aber all zu gerne suggerieren. Die Haltung unserer Politiker gegenüber eines "entfremdeten" Natopartners irritiert die Wähler, egal welcher Partei hier in Deutschland.
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