Grünen-Chef Özdemir "Wer ein Problem mit Frauen hat, kann gleich wieder gehen"

Der Grünen-Chef fordert Konsequenzen aus der Silvesternacht von Köln: Cem Özdemir teilt ungewöhnlich scharf aus gegen Zuwanderer, die sich frauenfeindlich verhalten.

Grünen-Chef Özdemir: "Haben wir vielleicht irgendwo weggeschaut?"
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Grünen-Chef Özdemir: "Haben wir vielleicht irgendwo weggeschaut?"


Die Grünen haben eine Weile damit gehadert, wie sie mit den Ereignissen der Kölner Silvesternacht öffentlich umgehen wollen. Jetzt findet Parteichef Cem Özdemir sehr deutliche Worte im Zusammenhang mit den sexuellen Massenübergriffen: "Wir müssen uns fragen: Haben wir etwas übersehen, haben wir vielleicht irgendwo weggeschaut?", sagte er den Zeitungen der Dumont-Mediengruppe am Mittwoch.

Der Grünen-Vorsitzende zitierte einen Spruch eines Kölner Karnevalsvereins: "Wer ein Problem mit Frauen hat, der kann gleich wieder gehen - und alle anderen sind herzlich willkommen."

Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit seien unumstößliche Prinzipien. "Dazu gehört das Recht, seine Religion anders zu interpretieren: kein Kopftuch zu tragen, den zu heiraten, den ich möchte - oder einen Minirock zu tragen."

Koalition macht es sich zu einfach

Viele Zeugen beschrieben die Täter, die Frauen in der Silvesternacht bedrängt, begrapscht und beklaut hatten, als aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum stammend. Derartige Taten könnten durchaus etwas "mit patriarchaler Kultur oder einer sexistischen Auslegung des Islam zu tun haben", sagte Özdemir weiter.

Offensichtlich gebe es Probleme mit patriarchalischen Rollenmustern. "Dass manche islamische Funktionäre dagegen nicht vorgehen, sondern das Problem durch Tabus und Sprechverbote noch verschärfen, kommt dann noch dazu", kritisierte der Parteichef.

Özdemir forderte, sexuelle Toleranz zum festen Bestandteil von Integrationskursen für Zuwanderer zu machen. "Das Verhältnis zu Sexualität und das Verhältnis zu Geschlechterfragen muss auf die Tagesordnung", sagte Özdemir.

Gleichzeitig warf er der schwarz-roten Koalition in dem Interview vor, eine Lösung der Probleme nur einseitig anzugehen. Es sei ein "Irrglaube", dass man kriminelle Männer mit Migrationshintergrund "alle einfach abschieben kann". Menschen mit Duldungsstatus "nicht arbeiten zu lassen, ihnen keine Chance auf Integration zu geben, ist geradezu eine Förderung krimineller Milieus".


amz/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
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OskarVernon 03.02.2016
1. Wahlkampfgetöse
Bis Silvester hat den Grünen und auch Herrn Özdemir selbst weitaus weniger gereicht, um Leute in die rechte zu stellen - wer, bitte, soll dem denn angesichts bevorstehender Wahlen so einen tiefgreifenden Sinneswandel abnehmen...?
clearglass 03.02.2016
2. Was denn - der Cem...
zitiert nen Narren und steigt in die Bütt. Umsetzen, machen, formen und nicht formulieren. Eine Regierungspartei in vielen Bundesländern
omop 03.02.2016
3. Nicht nur Frauen..
wer generell die freiheitliche demokratische Werteordnung nicht akzeptiert, kann wieder gehen.
schmutzighans 03.02.2016
4.
Er hat ja schon recht, indem was er sagt ABER, sind es vlt. doch nicht die Umfragewerte oder die Angst vor der AFD, wieso er jetzt plötzlich nach rechts!? schwenkt? Solche Töne hätte ich mir von den Grünen vor Jahren öfter mal gewünscht
scratchpatch 03.02.2016
5.
Das hätte ich nicht gedacht, dass Özdemir so deutlich wird. Überhaupt geben die Grünen bisher ein gutes Bild ab, was die Flüchtlingspolitik betrifft. Sie haben ein klare Linie, unterstützen sogar Merkel, wo es ihrer Meinung nach sein muss, keine Wahlkampfspielchen in einer Krise. Nun sogar noch das: Migranten können nicht nur Opfer von Diskriminierung sein (der ewige Opferstatus schien quasi garantiert zu sein), sie können auch Täter sein und der kulturelle Hintergrund kann ein entscheidender Faktor dabei sein. Das schafft sehr viel Klarheit. Beim Doppelkopf sagt man sinnigerweise "Genscher", wenn man zur anderen Seite überwechseln will, jetzt könnte Merkel so eine Ansage auch machen, denn die Grünen sind anscheinend der Partner mit dem klareren Denken als die SPD.
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