Morde bei "Charlie Hebdo" Pegida sieht sich durch Attentat bestätigt

Nach dem Angriff auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" versucht Pegida, Kapital aus der Bluttat zu schlagen. AfD und NPD springen dem populistischen Bündnis bei.

Pegida-Proteste: "Muss eine solche Tragödie etwa erst in Deutschland passieren?"
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Pegida-Proteste: "Muss eine solche Tragödie etwa erst in Deutschland passieren?"


Hamburg - Der Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" erschüttert Frankreich. Noch sind die Täter nicht gefasst - doch schon versuchen rechtsnationale und rechtsradikale Parteien den Anschlag in Paris als Begründung für die Proteste des Pegida-Bündnisses zu nutzen.

Das rechtspopulistische Bündnis Pegida sieht sich durch das Massaker bestätigt. Auf der Facebook-Seite heißt es: "Die Islamisten, vor denen Pegida seit nunmehr zwölf Wochen warnt, haben heute in Frankreich gezeigt, dass sie eben nicht demokratiefähig sind, sondern auf Gewalt und Tod als Lösung setzen! Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen. Muss eine solche Tragödie etwa erst in Deutschland passieren?"

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, sieht den Anschlag auf die Redaktion als Rechtfertigung für die Anti-Islam-Bewegung Pegida. "All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft", sagte Gauland. Der tödliche Angriff sei ein Anschlag auf Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit.

"Vor diesem Hintergrund erhalten die Forderungen von Pegida besondere Aktualität und Gewicht", sagte Gauland. Die etablierten Parteien sollten sich deshalb gut überlegen, ob sie bei ihrer Haltung bleiben wollten, "die Anhänger von Pegida weiter zu diffamieren".

"Muss eine solche Tragödie etwa erst in Deutschland passieren?"

Auch die NPD nahm auf Facebook Bezug auf den Anschlag und erklärte, Bewegungen wie Pegida seien vor diesem Hintergrund kein Wunder. Eine schleichende Islamisierung Deutschlands finde statt. Der NPD-Parteivorsitzende Frank Franz sagte, es sei wichtig, sich weiterhin an den Pegida-Protesten zu beteiligen.

Die Pegida-Bewegung rief für den kommenden Montag zu einer weiteren Demonstration in Dresden auf. Die Teilnehmer des "zwölften großen Abendspaziergangs" sollten mit Trauerflor für die Terroropfer von Paris erscheinen. Am vergangenen Montag hatten sich 18.000 Menschen an der Dresdner Pegida-Kundgebung beteiligt.

Das Bündnis "Dresden für alle", das regelmäßig Gegendemonstrationen gegen Pegida organisiert, schrieb auf seiner Facebook-Seite: "Wir verurteilen den Terror, genauso wie wir das würdelose Ausschlachten des Pariser Anschlags durch "Islamisierungsgegner" verurteilen, welche versuchen, auf dem Rücken von Toten Fremdenfeindlichkeit zu schüren."

mka/dpa/Reuters



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