Rechte in Chemnitz Journalisten als Zielscheibe

Der Hass gegen die Presse war bei der Demonstration am Samstag in Chemnitz beispiellos, berichten Reporter. Journalisten wurden bepöbelt, am Filmen gehindert und mitunter sogar verletzt.

Angriff auf Journalisten in Chemnitz
REUTERS

Angriff auf Journalisten in Chemnitz


Die Stimmung war auch beim Aufmarsch von AfD, dem ausländerfeindlichen Pegida-Bündnis und der rechtsextremen Gruppierung Pro Chemnitz wieder aufgeheizt. Nicht nur zwischen der Polizei und den Rechtsextremen gab es in Chemnitz aggressive Wortwechsel und die Polizei hatte mitunter Mühe, die Demonstrierenden zurückzuhalten.

Auch Journalisten wurden wiederholt beschimpft, an ihrer Arbeit gehindert und angegriffen. "Immer wieder skandierte die Menge 'Lügenpresse'", berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Max Holscher. "Manche riefen 'Journalistenschwuchtel'."

Besonders schwierig und mitunter gefährlich war es für jene Journalisten, die mit Kameras unterwegs waren. Ein Mitschnitt des MDR etwa zeigt, wie die Reporter verdrängt und am Filmen gehindert werden.

Auch gegenüber einem T-Online-Reporter wurden die Demonstranten handgreiflich, Chefredakteur Florian Harms twittert:

Ein MDR-Team geriet nach Angaben eines Mitarbeiters sogar in einen Hinterhalt: Die Reporter wollten demnach die Demonstration von einem Mehrfamilienhaus aus filmen und klingelten bei den Bewohnern. Einer gab schließlich vor, kein Problem mit den Aufnahmen zu haben und ließ sie herein. Als die Journalisten einige Szenen vom Balkon aus aufgenommen hatten, ging nach MDR-Angaben plötzlich ein Mann auf das Team los, zerstörte die Kamera und schubste einen der Mitarbeiter die Treppe hinunter. Er verletzte sich die Hand.

Auch der Redaktionsleiter der ARD-Sendung "Monitor", Georg Restle, twitterte:

Der ZDF-Reporter Michael Bewerunge spricht ebenfalls von einer "sehr, sehr aggressiven Atmosphäre gegenüber der Presse", wie er sie "noch nicht erlebt" habe. Diskussionen mit den Demonstrierenden seien kaum noch möglich gewesen.

Im Video: Rechter Aufmarsch in Chemnitz

SPIEGEL ONLINE

Das bestätigt SPIEGEL-ONLINE-Videoreporter Martin Jäschke: "Wenn man mit Menschen sprechen möchte, winken die meistens ab, lachen einen aus oder man bekommt blöde Sprüche zu hören. Auch uns wurde an diesem Abend mehrfach gegen die Kamera geschlagen." Solange er als Journalist erkennbar gewesen sei, habe er sich als Zielscheibe für offene Häme und Anfeindungen empfunden und sicher nur dort gefühlt, wo die Polizei in der Nähe gewesen sei.

Fotostrecke

13  Bilder
Chemnitz: Chronologie der Ausschreitungen

Der Deutsche Journalistenverband forderte alle betroffenen Journalisten auf, Anzeige zu erstatten. Und die Polizei bat die Vertreter der Medien, die bei der Arbeit behindert werden, sich zu melden.

hei



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.