Chemnitzer Tötungsfall Generalstaatsanwalt fahndet nach drittem Tatverdächtigen

Zwei Männer wurden schon kurz nach der Tat festgenommen. Nun aber suchen die Behörden im Tötungsfall von Chemnitz nach einem weiteren Mann. Die Herkunft der Personen in U-Haft ist zudem plötzlich unklar.

Tatort in Chemnitz
DPA

Tatort in Chemnitz


Mehr als eine Woche nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz ist ein dritter Mann der Mittäterschaft dringend tatverdächtig. "Das Amtsgericht Chemnitz hat heute Vormittag diesen Haftbefehl erlassen", sagte der sächsische Generalstaatsanwalt Hans Strobl.

Das Amtsgericht habe eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Mann angeordnet. Der Gesuchte sei ein 22-jähriger Asylbewerber aus dem Irak. Die Hinweise auf den nun Gesuchten hätten sich durch Aussagen von Zeugen und eines der anderen Verdächtigen ergeben.

Das Fahndungsfoto der sächsischen Behörden
DPA/ Polizei Sachsen

Das Fahndungsfoto der sächsischen Behörden

Zunächst habe der Name des dritten Tatverdächtigen überprüft werden müssen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Auch hätten die Ermittler versucht, den Aufenthaltsort des Mannes zu ermitteln, hätten ihn aber nicht ausfindig machen können. Deshalb werde nun nach ihm gefahndet. Wo er Mann zuletzt gemeldet war, konnte die Sprecherin nicht sagen. Sie bat um Hinweise zum Aufenthaltsort und rief zur Vorsicht auf, da er bewaffnet sein könnte.

Zuvor waren bereits zwei Männer festgenommen worden. Sie werden genauso wie nun der dritte Mann verdächtigt, am 26. August einen 35 Jahre alten Deutschen erstochen zu haben. Wegen des Tötungsdelikts sitzen beide in Untersuchungshaft. Nach der Tat kam es in der sächsischen Stadt mehrfach zu Krawallen und Demonstrationen auch rechter Gruppierungen, es soll dabei auch zu Angriffen auf Ausländer gekommen sein.

Rechtsextreme Ausschreitungen in Chemnitz (SPIEGEL TV vom 27.08.2018)

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Herkunft der Festgenommenen bis heute ungeklärt

Bisher hatten die Behörden die beiden festgenommenen Männer als Iraker und Syrer bezeichnet. Tatsächlich ist die Herkunft der beiden aber bis heute ungeklärt. Das Bundesinnenministerium teilte mit, dem mutmaßlichen Syrer sei im September 2015 "im schriftlichen Verfahren die Anerkennung als Flüchtling gewährt" worden. Seine Angaben zur Identität beruhten auf einer Selbstauskunft. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sei aktuell dabei, diese Angaben von Alaa S. "im Rahmen des laufenden Widerrufsverfahrens" zu verifizieren.

Stimmenfang #63 - Rechte Krawalle in Chemnitz: Warum immer wieder Sachsen?

Der Tatverdächtige Yousif A. habe bei der Anhörung im Asylverfahren im November 2017 einen irakischen Personalausweis sowie weitere Dokumente vorgelegt, die sich später als "Totalfälschungen" entpuppt hätten. Das Ergebnis der dokumententechnischen Überprüfung durch das Bamf lag den Angaben zufolge allerdings erst im Juni 2018 vor. Sein Asylantrag wurde inzwischen abgelehnt. Die Ablehnung ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Wie bereits zuvor bekannt geworden war, war Yousif A. bereits im November 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Eine Rücküberstellung nach Bulgarien, wo er zuvor registriert worden war, wäre grundsätzlich möglich gewesen. Dass dies nicht geschah, ist nach bisherigen Informationen auf Versäumnisse der Ausländerbehörde zurückzuführen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, er habe seit Beginn seiner Amtszeit im März "die Weichen für einen glaubwürdigen Neuanfang im Bereich der Asylverfahren und des Bamf gestellt". Im Fall eines Tatverdächtigen von Chemnitz räumte er aber Behördenfehler ein.

Im Video: Die Hintermänner der Chemnitz-Krawalle

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aev/dop/dpa/AFP



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