Innenminister zur Gewalt in Chemnitz "Neue Dimension der Eskalation"

Am Abend soll es zwei weitere Demos in Chemnitz geben - eine linke und eine rechte. Sachsens CDU-Innenminister verurteilt die Gewalt vom Vortag und betont: "Wir werden die Stadt nicht Chaoten überlassen."

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Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) bezeichnet die jüngsten Ereignisse in Chemnitz als "neue Dimension der Eskalation". Es könne nicht sein, dass Bürger meinen, "Polizei spielen zu müssen", sagte er auf einer Pressekonferenz, nachdem es am Sonntag in Folge eines Tötungsdelikts zu gewaltsamen Demonstrationen rechter Gruppierungen gekommen war.

Klar sei auch, dass die Behörden die Stadt nicht erneut "Chaoten" überlassen werden. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) ergänzte, sie hoffe nun "auf die Besonnenheit, derer, die trauern, und derer, denen die Stadt wichtig ist".

Im Fall des Tötungsdelikts nach dem Chemnitzer Stadtfest ist ein erster Haftbefehl erlassen worden. Das Amtsgericht Chemnitz verhängte am Montagnachmittag Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Totschlags gegen einen 23-jährigen Syrer und einen 22-jährigen Iraker.

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Chemnitz: Eskalation in der Innenstadt

In der Nacht zum Sonntag war nach dem Chemnitzer Stadtfest ein 35-Jähriger mit Messerstichen getötet worden. Am Sonntag zogen mehrere Hundert Menschen durch die Stadt, einige skandierten fremdenfeindliche Parolen und griffen Personen an, die sie für Ausländer hielten. (Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier.)

Am Vormittag hatte die Bundesregierung die Vorfälle vom Sonntag in Chemnitz "aufs Schärfste" verurteilt. "Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Den Tod des 35-Jährigen nannte Seibert "schrecklich".

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Die sächsische Polizei bereitete sich für den Montag auf zwei neue Demonstrationen vor, die für den frühen Abend angemeldet wurden. Mittlerweile hat sich auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) geäußert. Er nannte es "widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen. Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird."

dop/dpa

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