Ausschreitungen in Chemnitz Polizei räumt Personalmangel ein

In Chemnitz sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen, es gab mehrere Verletzte. Nur mit Mühe konnten Anhänger rechter und linker Gruppen auseinandergehalten werden. Laut Polizei waren zu wenig Kräfte im Einsatz.

Demonstrationen in Chemnitz
AFP

Demonstrationen in Chemnitz


Nach Zusammenstößen von rechten Demonstranten und Gegendemonstranten in Chemnitz hat die Polizei Personalmangel in den eigenen Reihen eingeräumt. Man habe mit einigen Hundert Teilnehmern gerechnet und sich entsprechend vorbereitet, aber nicht mit einer solchen Teilnehmerzahl, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. "Der Einsatz verlief nicht störungsfrei."

An der rechten Demonstration "Pro Chemnitz" sollen mehrere Tausend Menschen teilgenommen haben, der linke Gegenprotest des Bündnisses "Chemnitz nazifrei" zählte rund tausend Teilnehmer.

Noch am Nachmittag hatte Polizeipräsidentin Sonja Penzel versichert, ausreichend Kräfte angefordert zu haben. Man werde nicht zulassen, dass Chaoten die Stadt vereinnahmen, sagte sie.

Video: Rechte und linke Demos in der Innenstadt

Nach Einschätzung der Polizei am Montagabend konnte eine Eskalation und ein Aufeinandertreffen der beiden Lager nur mit Mühe verhindert werden. Die Polizei hatte auch Wasserwerfer aufgeboten, die jedoch nicht eingesetzt werden mussten.

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Krawalle in Chemnitz: Feuer und Fahnen

Teilnehmer berichteten in sozialen Medien, dass es immer wieder Versuche gab, die Polizeikette zu durchbrechen. Auch von Vermummten wurde berichtet. Am Abend seien beide Kundgebungen beendet worden - Beobachter gehen aber davon aus, dass die Situation in der Stadt zunächst angespannt bleiben wird. Die Polizei wollte auch in der Nacht präsent bleiben.

Auslöser der Ausschreitungen waren Streitigkeiten in der Nacht zum Sonntag, bei denen ein 35 Jahre alter Deutsche erstochen und andere Deutsche schwer verletzt wurden. Ein zunächst verbal geführter Konflikt eskalierte nach Angaben der Staatsanwaltschaft. Ein Richter erließ Haftbefehl gegen einen Syrer und einen Iraker. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftlich begangenen Totschlag vor.

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Chemnitz: Eskalation in der Innenstadt

Am Sonntag kam es deshalb bereits zu Protesten rechter Gruppen; Videos zeigen, wie dabei Migranten und Polizisten angegriffen werden. Gegen das Vorgehen dieser Demonstranten gingen am Montag die linksgerichteten Protestierenden auf die Straße.

ans/dpa



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