Nach Todesfall auf Stadtfest Höcke plant AfD-Trauermarsch in Chemnitz

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke will am Wochenende einen "Schweigemarsch" durch Chemnitz anführen. Vorsorglich werden den Teilnehmern Verhaltensregeln mitgegeben - auch zur Kleidung.

Björn Höcke
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Chemnitz stehen in den kommenden Tagen weitere Demonstrationen bevor, darunter am Samstag ein sogenannter Schweigemarsch der AfD. Dazu aufgerufen haben drei Politiker des rechten Flügels in der Partei - der umstrittene Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sowie die Landesvorsitzenden von Brandenburg und Sachsen, Andreas Kalbitz und Jörg Urban.

Mit dem Marsch wollen Höcke und seine Mitstreiter an den Tod des 35-jährigen Daniel H. erinnern, der am vergangenen Sonntag nach einem Stadtfest getötet wurde, der Tat verdächtigt werden ein Syrer und ein Iraker. Es gehe um Daniel H. und "alle Toten der Zwangsmultikulturalisierung Deutschlands", heißt es im typischen Jargon der AfD-Rechten um Höcke.

Für den Trauerzug haben die drei AfD-Politiker konkrete Vorgaben gemacht. Offenbar befürchten sie, dass Teilnehmer des Zuges ausfällig werden könnten.

So heißt es unter anderem, die Teilnehmer sollten "gedeckte, am besten schwarze Kleidung" tragen, es dürfe keinen "Konsum von Nahrungsmitteln und Getränken während des Schweigemarsches" geben.

Ebenso habe "das Rauchen zu unterbleiben". Jede Art von Meinungsaufdruck auf Kleidungsstücken wollen die Landeschefs untersagen, auch solle es keine politische Botschaften der AfD geben, ebenso keine Plakate und andere Werbung. Lediglich schwarz-rot-goldene Fahnen und die weiße Rose als Zeichen der Trauer seien gestattet. Man wolle keine Extremisten und Gewalttäter "in unseren Reihen", heißt es weiter.

Kritisiert wird - ein fast durchgängiger Ton in vielen AfD-Stellungnahmen der vergangenen Tage - die Berichterstattung vieler Medien zu Chemnitz. Die "Kartellmedien" hätten versucht, aus der Stadt der Opfer eine Stadt der Täter zu machen, schreiben die drei AfD-Landeschefs.

Und sie warnen die Teilnehmer des Trauerzugs: Die Medien würden nichts unversucht lassen, um den friedlichen Protest zu diskreditieren. "Liefern Sie den Pressevertretern nicht die Bilder, auf die sie warten", so Höcke, Kalbitz und Urban.

Zudem warnen sie vor der Einschleusung von Provokateuren, "von wem auch immer". Ordnern des Trauerzugs sollten daher Provokationen gemeldet werden. Und: "Filmen Sie wenn möglich Störaktionen, um Beweismaterial für eine anschließende Strafverfolgung zu sammeln."

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