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Chiffren und Decknamen Die geheimen Codes der RAF-Terroristen

RAF: Fahndungsplakat aus dem Jahr 1980Zur Großansicht
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RAF: Fahndungsplakat aus dem Jahr 1980

2. Teil: Melvilles "Moby Dick" als Stichwortgeber für Pseudonyme

Wie auch bei Geheimdiensten sind bei konspirativ arbeitenden Gruppen Decknamen unerlässlich. Sie sollen die Identifizierung der Mitglieder und das Entschlüsseln der Kommunikation verhindern oder zumindest erschweren. Bereits die Gründer der RAF hatten sich deshalb Decknamen gegeben. Andreas Baader war "Hans", Gudrun Ensslin "Grete", Ulrike Meinhof "Anna", Horst Mahler "James", Manfred Grashof "Carlos", seine Freundin Petra Schelm "Prinz" und Astrid Proll "Rosi". Nachdem die erste RAF-Generation verhaftet worden war, verteilte Gudrun Ensslin im Gefängnis neue Decknamen, die sie vorzugsweise aus Herman Melvilles Roman "Moby Dick" entlehnte. Baader war "Ahab", Holger Meins "Starbuck", sie selbst "Smutje".

Die Decknamen der RAF-Gefangenen waren für die Ermittler nicht so wichtig. Aber hätten sie Ende 1976 die Namen der Illegalen entschlüsselt, hätten sie wichtige Erkenntnisse über deren Arbeitsteilung und Aktivitäten gewinnen können. Zum Beispiel, dass für "Pappen basteln", das heißt Dokumente fälschen, Boock zuständig war; und dass "Paula" alias Verena Becker zusammen mit "Olga", das heißt Sieglinde Hofmann, die "Depot Zentrale" aufsuchte - oder aber auch, dass Rolf Klemens Wagner dafür kritisiert wurde, dass er mit einer "legalen" Frau geschlafen hatte, die nicht zur RAF gehörte: "Kritik Anton (vögeln mit leg. Braut)."

Ende April 2007 klärte Boock die Bundesanwaltschaft auch darüber auf, dass der Begriff "Topf" in dem Arbeitsplan für eine Haftmine stand, die mittels Magneten am Auto des Generalbundesanwalts Siegfried Buback angebracht werden sollte. Christian Klar und Günter Sonnenberg sollen dann den Sprengsatz geprüft haben, doch er fiel vom Autodach. Man zog daraufhin eine Schusswaffe vor.

In den Papieren fanden sich drei Codeworte für geplante Aktionen: "Margarine", "Big Money" und "Big Raushole". Zunächst kamen die Ermittler nicht darauf, dass "Margarine" der Deckname für ein Attentat auf den Generalbundesanwalt Siegfried Buback war; seine Initialen entsprachen dem Namen der populären Margarinemarke "SB".

"Big Money" sollte, so glaubten die Bundesanwälte später, der Deckname für die Entführung des Bankiers Jürgen Ponto sein. In Wirklichkeit stand das Codewort für das Kidnappen eines Industriellen, um mit einem hohen Lösegeld die Kriegskasse zu füllen. Geld für das kostenträchtige Leben im Untergrund wurde aber dann mit Banküberfällen beschafft.

Die Decknamen der dritten RAF-Generation geben weiter Rätsel auf

Mit "Big Raushole", das war leicht zu erraten, war das entscheidende Ziel der RAF in den Jahren 1972 bis 1977 gemeint, die Befreiung von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und anderen RAF-Mitgliedern aus dem Gefängnis. Das Kürzel "H. M." entzifferte die Bundesanwaltschaft später als Hanns Martin Schleyer. Auch zahlreiche Journalisten übernahmen diese Deutung. Doch sie ist nach Angaben ehemaliger RAF-Mitglieder falsch, da die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten im November 1976 noch nicht geplant war. "Die waren mit ihren Bürokratenhirnen einfach zu blöd", sagt ein Ex-RAF-Mann, "sich in unsere Assoziationen hineinzudenken."

Brigitte Mohnhaupt, die seit ihrer Entlasung aus dem Gefängnis im März 2007 wieder unter einem falschen Namen lebt, hieß seit März 1977 im Untergrund "Nora". Dies hatte den Bundesanwälten schon im Sommer 1990 Susanne Albrecht verraten, nachdem sie in der DDR verhaftet worden war.

Nach Albrechts Aussage trugen die Illegalen der RAF ab dem Sommer 1977 folgende Decknamen:

Henning Beer: Mini
Peter-Jürgen Boock: Charly
Knut Folkerts: Tender
Ralf Friedrich: Panther
Rolf Heißler: Felix
Monika Helbing: Martina
Sieglinde Hofmann: Caro
Christian Klar: Dago
Werner Lotze: Beamter
Brigitte Mohnhaupt: Nora
Gert Schneider: Hasi
Adelheid Schulz: Iris
Ekkehard v. Seckendorff: Waldi oder Baron
Angelika Speitel: Etna
Willy Peter Stoll: Marlon
Christof Wackernagel: Sepp
Rolf Klemens Wagner: Artur

Die Decknamen der ersten und zweiten RAF-Generation sind nun bekannt, ganz anderes sieht es mit der dritten Generation aus, die von 1984 bis 1991 sechs Top-Manager und Politiker ermordete.

Niemand weiß, wer sie sind; niemand kennt ihre Namen.

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insgesamt 6 Beiträge
Sapientia 14.06.2010
Situation in unserem Lande wirklich unverzichtbar, weil es noch so viel erhellt für die Gegenwart, Bravo! Erzählen sie mal lieber, daß die Merkel nichts weiter kann, als als Kindergärtnerin zu agieren, zu hohl, um einen code zu [...]
Zitat von sysopChristian Klar trat als "Ede" auf, Gudrun Ensslin als "Grete", und Ulrike Meinhof war "Anna" - die Terroristen der RAF arbeiteten mit Decknamen und Codeworten. Wenn es den Fahndern gelungen wäre, den Code zu entschlüsseln, hätten sie wohl einige tödliche Aktionen verhindern können. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699694,00.html
Situation in unserem Lande wirklich unverzichtbar, weil es noch so viel erhellt für die Gegenwart, Bravo! Erzählen sie mal lieber, daß die Merkel nichts weiter kann, als als Kindergärtnerin zu agieren, zu hohl, um einen code zu benötigen.
PeteLustig 14.06.2010
Ich denke, die sympathisierende Minderheit konstruiert sich mit diesem regelmäßig vorgebrachten Mythos seit Jahren selbst den letzten und einzigen Triumph gegenüber den Behörden. Googlen hilft. Der angeblich unbekannte Kreis [...]
Zitat von sysopDie Decknamen der ersten und zweiten RAF-Generation sind nun bekannt, ganz anderes sieht es mit der dritten Generation aus, die von 1984 bis 1991 sechs Top-Manager und Politiker ermordete. Niemand weiß, wer sie sind; niemand kennt ihre Namen.
Ich denke, die sympathisierende Minderheit konstruiert sich mit diesem regelmäßig vorgebrachten Mythos seit Jahren selbst den letzten und einzigen Triumph gegenüber den Behörden. Googlen hilft. Der angeblich unbekannte Kreis wird sich wohl aus den Personen zusammensetzen, die 1999 in Wien und 1993 in Bad Kleinen erschossen bzw. festgenommen worden sind. Auch der Rest scheint namentlich bekannt: nach drei Personen wird laut BKA-Fahndungsliste noch immer gefahndet.
coriolanus 14.06.2010
Triebkräfte der RAF waren Hass und Verblendung. Hass auf das "Schweinesystem" und paranoider "Antiimperialismus". Das Umfeld an Sympatisanten war - auch heute noch überraschend - gross. Oft trennte nur das [...]
Zitat von sysopChristian Klar trat als "Ede" auf, Gudrun Ensslin als "Grete", und Ulrike Meinhof war "Anna" - die Terroristen der RAF arbeiteten mit Decknamen und Codeworten. Wenn es den Fahndern gelungen wäre, den Code zu entschlüsseln, hätten sie wohl einige tödliche Aktionen verhindern können. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699694,00.html
Triebkräfte der RAF waren Hass und Verblendung. Hass auf das "Schweinesystem" und paranoider "Antiimperialismus". Das Umfeld an Sympatisanten war - auch heute noch überraschend - gross. Oft trennte nur das taktische Kalkül. Dutschkes Grabrede mit geballter Faust: Holger, der Kampf geht weiter! kennzeichnete die Stimmungslage. Tarnnahmen, getarnte Existenzen hier und klammheimliche Freude bis zu verdeckter Unterstützung dort - das speiste sich aus Maos Wort: Die Partisanen sind wie die Fische im Wasser.
Koda 14.06.2010
Viel schlimmer ist doch, dass sie es tatsächlich tun muss, da die anderen Herren und Frauen Politiker sich als eben das aufführen.
Zitat von SapientiaErzählen sie mal lieber, daß die Merkel nichts weiter kann, als als Kindergärtnerin zu agieren, zu hohl, um einen code zu benötigen.
Viel schlimmer ist doch, dass sie es tatsächlich tun muss, da die anderen Herren und Frauen Politiker sich als eben das aufführen.
PeteLustig 15.06.2010
Sie meinen den völkerrechtswidrigen Angriff der Nord-Vietnamesischen Armee, die mit gravierender Unterstützung Chinas/UDSSR einen Stellvertreterkrieg gegen Südvietnam führte, dessen Truppen (ebenfalls völkerrechtswidrig) [...]
Zitat von plastikjuteTriebkraft der RAF war unter anderem der Holocaust in Indochina
Sie meinen den völkerrechtswidrigen Angriff der Nord-Vietnamesischen Armee, die mit gravierender Unterstützung Chinas/UDSSR einen Stellvertreterkrieg gegen Südvietnam führte, dessen Truppen (ebenfalls völkerrechtswidrig) Landesgrenzen von Laos und Kambodscha ignorierten - entsprechende Luftschläge des Gegners provozierend, die sich medial ausschlachten ließen, in Südvietnam eingesickert, sich hinter der Zivilbevölkerung versteckend keine regulären Uniformen trug, sich also nicht auf den Kombattantenstatus berufen konnten, Massenexekutionen vermeintlicher Kollaborateure durchführte und Dorfbewohnern, die kein Proviant liefern wollten oder nicht liefern konnten, die Kehle durchschnitt? Wusste gar nicht, dass die RAF derart mehrdimensional eingestellt und informiert war...
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Hintergrund
AP
Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader galten als führende Köpfe der Roten Armee Fraktion (RAF).

Baader und Ensslin legten 1968 Brände in zwei Kaufhäusern in Frankfurt am Main, mit dieser Aktion begann der RAF-Terror in Deutschland.

Nach Mord- und Bombenanschlägen wurden Baader, Ensslin, Raspe und zwei weitere RAF-Mitglieder im Juni 1972 gefasst. Ihre Gesinnungsgenossen machten weiter und ließen sich von palästinensischen Freischärlern ausbilden.

1977 erreichte die Terrorwelle ihren Höhepunkt: Palästinensische Terroristen kaperten die Lufthansa-Maschine "Landshut" und wollten die Freilassung inhaftierter RAF-Leute erpressen. Eine Sondereinheit der GSG 9 stürmte das Flugzeug. Alle Geiseln überlebten, drei der vier Entführer wurden erschossen.

Wenige Stunden nach Bekanntwerden der Befreiungsaktion begingen Baader, Ensslin und Raspe im Hochsicherheitsgefängnis von Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Einen Tag nach der Obduktion begann Bildhauer Georg Halbritter seine Arbeit an den Leichen und fertigte Totenmasken an.
Sie sind auf der Flucht
BKA
Friederike Krabbe: Bis zum Einmarsch der US-Truppen 2003 soll sie in Bagdad gelebt haben. 1977 soll sie an der Entführung von Hanns Martin Schleyer beteiligt gewesen sein. mehr...
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Till Meyer: Er gehörte zu den Entführern des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz, später war er als Inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi tätig. Heute arbeitet Meyer als Journalist. mehr...




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