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Christa Nickels zum neuen Papst: "Ich stehe etwas unter Spannung"

Die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen, Christa Nickels, schätzt Joseph Ratzinger als Intellektuellen - wegen seiner konservativen Ansichten stehe sie nun aber auch unter Spannung, bekennt sie. Nun hofft die Katholikin, dass Benedikt XVI. über sich hinauswächst.

Kirchenpolitikerin Nickels:"Ein brillanter Denker"
AP

Kirchenpolitikerin Nickels:"Ein brillanter Denker"

SPIEGEL ONLINE:

Die Wahl Joseph Ratzingers hat gerade uns Deutsche überrascht. Sie auch?

Christa Nickels: Benedikt XVI. ist mit dieser Wahl unser Papst, den ich selbstverständlich akzeptiere. Ich bin sehr gespannt, wie sich das Pontifikat entwickeln wird. Als deutsche Katholikin stehe ich aber ehrlich gesagt auch etwas unter Spannung.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Nickels: Der neue Papst muss in einen innerkatholischen Dialog mit allen Gläubigen - auch den Reformern - eintreten. Das ist längst überfällig und ich bin nicht ganz sicher ob Benedikt XVI. das leisten will.

SPIEGEL ONLINE: Ratzinger ist als konservativer Dogmatiker bekannt. Wird das nächste Pontifikat eine reaktionäre Amtszeit?

Nickels: Sein hartes Agieren als Vorsitzender der Glaubenskongregation habe ich immer eher als Ausdruck von Angst um die Kirche begriffen. In jedem Papst steckt freilich die Möglichkeit über sich hinauszuwachsen. Ratzinger ist ein brillanter Denker und er hat als Wegbegleiter Johannes Paul II. die Möglichkeit direkt an das vorherige Pontifikat anzuknüpfen.

SPIEGEL ONLINE: Inhaltlich vertraten Ratzinger und Johannes Paul II. innerkirchlich eine konservative Linie. Gerade das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dessen Mitglied Sie sind, hat einige Dinge manchmal anders bewertet als Rom.

Benedikt XVI: "Er sollte nun auch ein Meister des Dialogs werden"
AP

Benedikt XVI: "Er sollte nun auch ein Meister des Dialogs werden"

Nickels: Konservatismus hat zwei Seiten: Man kann entweder an überkommenen Strukturen festhalten - oder an Werten. Jeder Papst muss im guten Sinne wertkonservativ sein. Allerdings kann man solche Werte nicht mir harter Hand aufzwingen. Werte für die Zukunft zu erhalten, heißt auch die notwendigen Reformen anzupacken.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland wurde Ratzinger immer wieder kritisiert, zum Beispiel im Streit um die Schwangerenberatung und die Ökumene. Können die deutschen Katholiken mit dem neuen Papst leben?

Nickels: Gerade in Deutschland hatte die Kirche unter dem Vorgehen Ratzingers Einiges zu ertragen. Deswegen wird das Pontifikat wohl auch mit besonders gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Papst gilt als Meister des Wortes, er sollte nun auch ein Meister des Dialogs werden, mit allen Strömungen, dann wird er auch in Deutschland Anerkennung finden.

Die Fragen stellte Antonia Götsch

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