FDP-Chef über mögliche GroKo Lindner gibt den Politikberater

Für die FDP brach er die Gespräche über eine Regierungsbeteiligung ab, nun hat Christian Lindner einen Ratschlag für die Union. Auch zum künftigen Umgang mit der AfD äußerte sich der Chef der Liberalen.

Christian Lindner (FDP, r.), Alexander Dobrindt (CSU)
DPA

Christian Lindner (FDP, r.), Alexander Dobrindt (CSU)


Christian Lindner galt bislang nicht als großer Anhänger einer Großen Koalition. Doch nun hat sich der FDP-Chef positiv zu einer Neuauflage des Bündnisses von Union und SPD geäußert. Dies wäre "in jedem Fall stabiler und günstiger als Jamaika", sagte der FDP-Chef der "Rheinischen Post". Lindners Begründung: Die Union habe den Grünen in den Sondierungsgesprächen viele Zugeständnisse gemacht, die teuer und gefährlich gewesen seien.

Die FDP hatte die Sondierungen mit CDU, CSU und Grünen am vorletzten Sonntag abgebrochen. Lindner verteidigte diese Entscheidung nun erneut damit, eine Jamaikakoalition wäre "von Anfang an bestimmt gewesen von inneren Fliehkräften und Streit". Es sei unverantwortlich, "eine von vornherein instabile Regierung zu bilden".

Bislang sind noch nicht einmal Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD in Sicht, der Vizechef der Sozialdemokraten, Olaf Scholz, kündigte an, seine Partei werde sich "viel Zeit lassen". Lindner warnte nun, die SPD verlange "hohe Preise" für eine erneute Regierungsbeteiligung. Sein Ratschlag für CDU und CSU: "Die Union darf sich nicht erpressen lassen, sondern sollte notfalls eine Minderheitsregierung in Erwägung ziehen."

FDP-Chef schließt Zusammenarbeit mit AfD aus

Auch zum künftigen Umgang mit der AfD äußerte sich Lindner in dem Interview. "Mit der AfD ergreifen wir keine Initiativen. Wir werden auch keine Initiativen in den Bundestag einbringen, die nur dann umgesetzt werden können, wenn die AfD den Ausschlag geben sollte", sagte der FDP-Chef der "Rheinischen Post". Die AfD kultiviere "völkische Reinheits- und Gleichheitsfantasien, die nicht zu unserem liberalen Land passen", so der FDP-Vorsitzende.

Die Bundestagsfraktionen von AfD und FDP bereiten derzeit unabhängig voneinander Gesetzesinitiativen vor, um den umstrittenen Familiennachzug zu Flüchtlingen zu unterbinden. Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hatte in der vergangenen Woche CDU, CSU und FDP aufgerufen, einen entsprechenden Vorstoß seiner Partei zu unterstützen.

cte/Reuters/dpa



insgesamt 111 Beiträge
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eunegin 01.12.2017
1. Kein Wunschkollege
Nach allem, was man so sieht und hört von Herrn Lindner: mit ihm möchte ich nicht in irgendeiner Weise zusammenarbeiten müssen. Ich war lange "Personaler" in einem Großunternehmen und bei einem solchen Bewerber wären einige Warnleuchten angegangen. Eine Regierung ohne seine FDP (mit dem anderen schwierigen Kandidaten Kubicki) ist zumindest für das Umfeld besser.
hello_again 01.12.2017
2. Jamaika kosten
Den Forderungen der Grünen nicht nachzukommen wird viel mehr kosten und zeigt die mangelnde Weitsicht Lindners...
schorri 01.12.2017
3. Von wem man keine Ratschläge braucht
Herr Lindner leidet offensichtlich unter einer Realitätsverschiebung. Die Union ist zwar bei der Bundestagswahl eingegangen, aber sie ist i Vergleich zu Lindners "FDP" immer noch ein Riese. Die Maus meint also, der Katze Ratschläge geben zu sollen (können)! Da sieht man wieder, wie berauschend auch kleine Dosen (hier Wählerstimmen - und auch die sind zum Großteil nur geliehen, weil taktierende Unionsanhänger eine schwarz-gelbe Koalition wollten) wirken können.
wotanswildejagd 01.12.2017
4. Der Erklärbär!
Meine Vermutung war die ganze Zeit, das Lindner nicht ernsthaft eine Regierungsbeteiligung in Erwägung gezogen hat. Er möchte den „Erklärbär“ im Hintergrund machen und den Regierenden dann die Welt erklären. Verantwortung ist nicht seins. Das hat man schon in NRW gesehen. Er wird der populistische Mahner und Verbesserer in der Opposition sein, denn darauf Ziele alles Handeln seit Monaten ab. Dumm nur, das die SPD den schönen Plan mit ihrer Absage an die Groko, einen solchen Dämpfer verpasst hat. Herr Lindner hat nicht das Wohl unseres Staates im Blick, sondern nur seine eigene Aussendarstellung und sein Ego! Weniger wir, mehr ich.
Entsetzen 01.12.2017
5. Wer zum Teufel war nochmal Herr Lindner?
Halt mal, war das der, der nicht regieren wollte, weil er sein Wahlprogramm nicht zu 100 Prozent umsetzen konnte. Weil das ja auch überhaupt nicht zu erwarten gewesen war? Weil die FDP erwartungsgemäß ja nie Koalitionspartner benötigt? Ach der! Die aus der Wirtschaft stammenden Spender sollen ziemlich sauer auf ihn sein, weil es diesmal nach der Wahl keine spenderbezogenen Steuergeschenke geben wird.
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