Vor FDP-Dreikönigstreffen Lindner nimmt Kramp-Karrenbauer in Schutz

FDP-Chef Lindner sendet im SPIEGEL versöhnliche Signale an die neue CDU-Vorsitzende aus. Kramp-Karrenbauer sei von vielen zur "Mini-Merkel deklassiert" worden, dabei habe sie ein klares inhaltliches Profil.

Christian Lindner
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FDP-Chef Christian Lindner hat die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gegen Kritiker in Schutz genommen. "Ich empfinde es als eine machohafte Allüre, wie sie von vielen zur Mini-Merkel deklassiert wurde", sagte Lindner dem SPIEGEL vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP am Sonntag in Stuttgart. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch bei SPIEGEL+)

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Heft 2/2019
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"Annegret Kramp-Karrenbauer hat ein klares inhaltliches Profil", sagte Lindner. Sie habe als Ministerpräsidentin im Saarland in der Flüchtlingskrise einen rechtsstaatlichen, aber auch klar ordnenden Kurs gefahren. "Das war gut." Kramp-Karrenbauers wirtschaftspolitischen Kurs kritisierte der FDP-Vorsitzende allerdings als "staatsorientiert", ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen nannte er "restaurativ".

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, Kramp-Karrenbauer zur Kanzlerin zu wählen, sagte Lindner: "Wir können uns jede Persönlichkeit als Kanzler vorstellen, die bereit ist, in Deutschland einen Aufbruch zu wagen." Es brauche Führung und die Bereitschaft zur fairen Zusammenarbeit. "Jede Person, die dies gewährleistet, können wir uns als Kanzler vorstellen, egal ob sie Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Olaf Scholz heißt."

Ein Jahr nach dem Scheitern von Jamaika zeigte sich der FDP-Vorsitzende offen für neue Gespräche, auch ohne Neuwahlen. "Würde man uns fragen, würden wir sprechen", sagte Lindner. Ohne Merkel sei es einfacher. "Das ist nicht böse gemeint. Aber nach zwölf Jahren fehlte schlicht der Mut zu Neuem und die Bereitschaft zur Korrektur alter Fehlentscheidungen."

Die Beendigung der Jamaika-Gespräche im November 2017 bezeichnete der FDP-Chef im Rückblick als "eine Entscheidung unter höchster Unsicherheit und mit höchstem Risiko". Die FDP hätte, so Lindner, in einen ähnlich heftigen Streit geraten können wie 1982, als die Partei die sozialliberale Koalition mit der SPD verließ. "Und ich habe mich auch gefragt, was es für meine Autorität als Vorsitzender bedeutet hätte, wäre die Partei im Streit versunken und in den Umfragen Richtung Fünfprozenthürde getaumelt."

Umso mehr wisse er es zu schätzen, dass die FDP stabil liege und bei Landtagswahlen gewinne, sagte Lindner. "Das ist für mich bereits ein Fortschritt gegenüber den vergangenen Jahrzehnten." Allerdings müsse sich die Partei personell breiter aufstellen. "Wenn man medial nur wenige Vertreter einer Partei wahrnimmt, hat man auch nur wenige Bilder im Kopf, in welcher Lebensrealität wir Liberalen zu Hause sind."

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Watschn 04.01.2019
1. Nun muss man mal sehen wie AKK die CDU einbindet u. führt...
Die bisherigen Leistungen waren eher zweifelhaft. Im Saarland hat sie die Wahlen für die CDU mangels Oppositions-Alternativen gewonnen, aber nichts Grosses gerissen. Merkels Politik hat sie bisher immer vehement verteidigt. Und ob sie heute -im Gegensatz zu Kohls Zeiten- stark divergierende CDU-Flügel (Merz/Schäuble ...vs. Merkel/AKK) u. mitunter auch gesellschaftspolitisch recht unterschiedlichen Ansichten (von Stetten, Spahn, Bellmann ...vs. Laschet, Altmaier, v.d. Layen) in der CDU überhaupt zusammenbringen u. vereinigen kann oder überhaupt noch zusammenbringen lässt, das steht in den Sternen u. lässt sich erst viele Monate später sagen...
christoph_schlobies 04.01.2019
2.
Leider kann man sich des Eindrucks nicht erwehren,dass die Hauptqualifikation von AKK ist,dass sie eine Frau ist-so wie offenbar die vorherige und die jetzige Forschungsministerin allein deshalb ernannt wurde,weil beide Frauen sind.Beide muss man eigentlich als Totalversagerin bezeichnen .Und Merkel wünschte Hillary Clinton als US-Presidentin,weil es Zeit für eine Frau ist - und von der Leyen ist ja nicht nur eine Frau-auch die hatte anscheinend vor allem ein Ziel-nachzuweisen,dass Frauen alles besser können – so wurde denn gleich eine Frau Suder mit Unsummen bedacht,um alles besser zu machen- wir wissen,wie es geendet ist,So wie wir es bei Merkel doch eigentlich auch wissen sollten - ich will jetzt nicht sagen,wie ich das finde – vomitieren?
heimatminister 04.01.2019
3. Ernsthaft?
Zitat aus dem Artikel: "...sagte Lindner: "Wir können uns jede Persönlichkeit als Kanzler vorstellen, die bereit ist, in Deutschland einen Aufbruch zu wagen."" Unsere Jugend nutzt die Redewendung "jemand lindnert" nicht Ohne Grund, da stellt sich doch eine Frage: Meinte Herr Lindner diese Äußerung ernst, oder war es eine Satire - mit der Hoffnung, dass 'der Wähler' sich nicht an das Jahr 2017 erinnern kann?
Freedom of Seech 04.01.2019
4. Lindner sollte sich statt auf Personen auf die Sache konzentrieren
Dieses ständige Betonen der Kolationsbereitschaft von Lindner in den letzten Wochen ist: uncool! Was will Lindner damit beweisen? Er sollte die Zeit bis zu dne nächsten Koaltiknsverhandlungen besser dazu nutzen das Profil der FDP zu schärfen und auszuarbeiten. Hier gibt es unter den FDP-Wählern eine große Unzufriedenheit. Wie schärft man das Profil einer Partei? Antwort: durch Polarisierung! Wie polarisiert man, wenn man, wie die überwiegende Mehrheit der FDP-Anhänger, eine abgewogene Diskussion mehr schätzt als eine Schwarz-Weiß Malerei? Antwort: Indem man Vertretern der Schwarz-Weiß Fraktion einen ausgewogenen und fundierten Standpunkt entgegen hält der die Schwarz-Weißmaler zur Weißglut bringt und diese damit am Ende als Verlierer dastehen lässt (vor Beginn der nächsten Koaltionsverhandlungen). Wie kriegt man das hin? BeispieL: Die Energiewende wurde ursprünglich auf Betreiben der Grünen in die deutsche Pollitik eingeführt und von anderen Parteien aufgegriffen und weiter entwickelt. Die Energiewende ist mittlerweile nicht vollständig aber in wesentlichen Teilen laut Bundesrechnungshof (Stand 2018) gescheitert (und hat in den letzten 15 Jahren ca. 250 Milliarden gekostet). Das Scheitern wurde a) durch eine volkswirtschaftlich Subventionspolitik und b) durch eine einseitige (in Teilen ideologische) Festlegung auf bestimmte Technologien (Wind/Sonne) und damit fehlende Technologieoffenheit herbeigeführt. Soweit zu den bekannten FDP Positionen. Sinnvoll wäre es nun, wenn die FDP (die die Ziele der Grünen zu Klimaschutz ausdrücklich teilt) eine unideologische Lösung aus diesem Dilemma anbietet die strikt auf dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft beruht. Der Stand der Wissenschaft wurde kürzlich vom Weltklimarat IPCC zusammengefasst (beteiligt waren insgesamt 100 Wissenschaftler weltweit). Danach ist das Klimaproblem in allen relevanten Szenarien nur zu lösen wenn die Lösungskonzepte u.a. neben dem Ausbau der Erneuerbaren zwei Komponenten enthalten: 1) 50-100% Ausbau der Kernkraft in den kommenden 15 Jahren weltweit. 2) drastischer Ausbau der grünen Gentechnologie (zur Reduktion des Flächenverbrauchs durch Effzienzsteigerung). Natürlich soll dies mit moderner Nuklear- und Gentechnologie erfolgen (Generation III/IV Kernkraft, Crispr), nicht mit alter Kernkraft- und Gentechnologie wie von den Grünen vor 30-40 Jahren kritisiert wurde (ohne bis heute den Stand der technologischen Entwicklung ausreichend berücksichtigt zu haben). Die Attacke auf die Grünen: ihr lügt euch in die Tasche und seid damit nicht besser als Klimaleugner. Damit würde die FDP auch für diejenigen attraktiv, die die Ziele der Grünen grundsätzlich teilen (z.B. Klimaschutz) aber skeptisch sind was deren Lösungskompetenz der Grünen betrifft da technologisch einseitig, Grenzwert-Fetischisten, ökosozialistische Träumer ohne ausreichende ökonomische Kompetenz. Quelle u.a.: Hierzu gibt es im aktuellen SPON (Bezahlmodus) auch einen informativen Artikel: http://www.spiegel.de/plus/erderwaermung-die-atomare-lebensluege-der-deutschen-a-00000000-0002-0001-0000-000161577228
dirkcoe 04.01.2019
5. Sorry Herr Lindner - sie ist nicht mal eine Mini Merkel
AKK wäre sicher froh, wenn sie nur ein Wenig an Profil einer Merkel hätte. Sie schafft es nicht einmal die Partei zu einen. Erwiesener Massen sind ihre Erfolge beim wirtschaftlichen des Saarlandes - nicht vorhanden. Und das Saarland zu verwalten dürfte kaum schwieriger sein, als die Stadt Köln zu verwalten. Nach meiner Meinung ist die Dame für genau gar nichts qualifiziert.
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