FDP-Chef Christian Lindner "Nach vorne, nach vorne, wir wollen nach vorne"

FDP-Chef Christian Lindner hat das Dreikönigstreffen der Partei für eine Abrechnung mit seinen Kritikern genutzt: Vor allem die Grünen nahm er ins Visier.

Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender
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Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender


FDP-Chef Christian Lindner hat auf dem Dreikönigstreffen seiner Partei den Ausstieg aus den Jamaika-Verhandlungen mit Union und Grünen verteidigt. "Wir haben aus staatspolitischer Verantwortung die Oppositionsrolle gewählt", sagte Lindner im Stuttgarter Opernhaus. Jamaika sei "zu einem politischen Sehnsuchtsort verklärt worden".

Wenig Zweifel ließ der Parteichef daran, wen er als seinen wichtigsten Gegner sieht: die Grünen. Mit Blick auf Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron sagte Linder: "Mit Macron könnten wir leichter Koalitionsverhandlungen abschließen als mit Jürgen Trittin".

Lindner wies Vorwürfe zurück, mit dem Gang in die Opposition verfolge er die Strategie, mit populistischen Parolen beim Wähler zu punkten. Die FDP habe "schattige Jahre" außerhalb des Bundestags hinter sich, in dieser Zeit sei sie allerdings nie der Versuchung rechter Parolen erlegen: "Wir sind den Eurohassern nicht hinterhergerannt".

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Die zukünftige politische Ausrichtung der FDP sieht Lindner jenseits des klassischen Links-Rechts-Schemas. Unter dem Applaus der Zuhörer rief er: "Nach vorne, nach vorne, wir wollen nach vorne, wir wollen nach vorne."

Der Parteichef betonte zugleich allerdings auch sein Mantra, nicht um jeden Preis regieren zu wollen. "Wenn wir eines gewiss nicht mehr sind, dann ist es ein Steigbügelhalter für andere", sagte der Parteichef. Der Gang in die Opposition sei als "eine Kampfansage an Politikverdrossenheit" zu verstehen. Die FDP hatte, nachdem sie 2009 eine Koalition mit der Union eingegangen war, einen beispiellosen Absturz erlitten und war 2013 aus dem Bundestag geflogen.

beb/dpa



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doomsday_device 06.01.2018
1. Wie der Herr Kurz
Wäre Herr Lindner gern der neue Führer. Und wie Herr Kurz braucht er dafür keine Inhalte, sondern nur Parolen und Marketing. Traurig das so ein Vogel überhaupt eine Stimme bekommt. Aber was soll passieren bei marktkonformer Demokratie und entsprechend reduktionistischer Bildungspolitik
lathea 06.01.2018
2. Wer sich vor Regierungsverantwortung.....
........drückt, bringt zum Ausdruck, dass er nur auf die Abgeordnetendiäten scharf ist und für das hohe Gehalt nicht in Vollzeit arbeiten, sondern nur negativ schwätzen will. Das tut Lindner ja auch. Lieber gar kein Abgeordneter als ein falscher Abgeordneter. Der Bundestag sollte schnellstens verkleinert werden, damit der Staat nicht mit Steuergeldern unnütze Schwätzer finanzieren muss, für die dann später auch noch Beamtenpensionen finanziert werden müssen. Das sollte sich jeder AfD-, FDP- und Linken-Wähler klar machen. Wir sollten als Wähler von unseren aus Steuergeldern teuer bezahlten Abgeordneten Qualität und Leistung erwarten können.
dieter.wessel 06.01.2018
3. Klasse, diese Rede...
ich würde ihm eher die Kanzlerschaft zutrauen, als irgendeinem Bewerber der Union.
Augustusrex 06.01.2018
4. Immer wieder
Immer wieder zeigt dieser Herr, was für ein hohler Schwätzer er ist. Die zukünftige Ausrichtung außerhalb des Links-Rechts-Schemas? Klar, wo er das meiste absahnen kann, dort wird er hin hopsen.
Profdoc1 06.01.2018
5. Nun ja, ....
Einige Facetten dazu: Es ist rühmlich, nicht um jeden Preis regieren zu wollen. Das ist jedoch die Sicht aus der partei-politischen Sicht heraus. Eine zweite Sicht ist aber die, die aus der Verantwortung für ein Land mit immerhin einer Bevölkerungsanzahl von 82 Mio. Menschen heraus erwächst. Deshalb springt Herr Lindner hier zu kurz, wenn er ausschließlich die parteipolitische Brille aufsetzt. Es ist immer wieder interessant zu beobachten, dass Parteien ständig den Blick nach innen haben, anstatt auf das Land und seine nationale und internationale Strategie zu schauen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass im Miitel immer mehr Menschen aus Parteien austreten bzw. sich nicht mehr gebunden fühlen. Lindner irrt noch an einer weiteren Stelle; sehr wohl hätte 'Jamaika' Deutschland als Regierungsoption gutgetan, um aus der nicht mehr existenten klassischen Koalitionsmelanche herauszukommen - Stichwort: Ruck. Dass sich die Führungsriegen bei FDP und Grünen nicht sonderlich wohlgesonnen sind, sei akzeptiert, aber auch hier muss gelten: Erst das Land, dann das persönlich. Das erwarte ich von Profis.
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