Keine neuen Jamaika-Gespräche Lindner widerspricht eigener Generalsekretärin

FDP-Generalsekretärin Beer schließt neue Sondierungen mit Union und Grünen nicht völlig aus. Doch Parteichef Lindner stellt klar: Er will keine Wiederaufnahme der Jamaika-Gespräche.

Christian Lindner und Nicola Beer
BILAN /EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Christian Lindner und Nicola Beer

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Geben die Liberalen Jamaika womöglich doch noch eine Chance? So ließen sich die Äußerungen der FDP-Generalsekretärin Nicola Beer verstehen. Die Hürden seien hoch, betonte Beer im Nachrichtensender n-tv, "es müsste ein komplett anderes Paket auf den Tisch". Wenn es aber möglich sei, "eine moderne Republik zu bauen in den nächsten Jahren, sind wir die Letzten, die sich Gesprächen verweigern", sagte sie.

Das Dementi folgte prompt und von höchster Stelle. FDP-Chef Christian Lindner widersprach am Mittwoch umgehend allen Mutmaßungen über neue Sondierungen, die sich nach Beers Äußerungen rasch verbreiteten. "Die Gespräche zu einer Jamaika-Konstellation haben wir aufgrund widersprüchlicher Inhalte beendet", sagte Lindner dem SPIEGEL. "Danach haben die Grünen mit Verschwörungstheorien und Anfeindungen bestätigt, dass es nie das notwendige Vertrauensverhältnis gab."

Und der FDP-Partei- und Fraktionschef fügte ausdrücklich hinzu: "Auf absehbare Zeit ist daher eine Zusammenarbeit mit den Grünen auf Bundesebene für die FDP nicht vorstellbar. Eine Wiederaufnahme der Gespräche schließe ich aus."

Grünen-Attacken gegen Lindner von Trittin und Bütikofer

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin hatte Lindner zuvor unterstellt, er habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stürzen wollen, da sie in den Gesprächen zu große Eingeständnisse gegenüber den Grünen gemacht habe.

"Herr Lindner hatte, sicher zusammen mit anderen, darunter auch solchen in der Union, den Plan, Frau Merkel dabei zu stoppen und zu stürzen", sagte Trittin in einem Interview mit der "Welt". Entgegen Lindners Intention habe die Flucht der FDP aus der Verantwortung die Position der Kanzlerin aber eher gestärkt, so der Grüne.

Der Grünen-Europapolitiker Reinhard Bütokofer hatte Lindner ebenfalls gereizt. Die FDP habe sich verantwortungslos verhalten, beklagte Bütikofer. "Die neue FDP ist die alte." Es gebe nur einen Punkt, bei dem das nicht zutreffe. "Von Genscher bis einschließlich Westerwelle war die FDP sehr proeuropäisch. Das ist die neue FDP nicht."

Bütikofer sagte, er glaube, dass das "die rechteste FDP seit 1968 ist". Lindner pflege die Attitüde: "Wir sind anders, wir sind, neben der AfD, die einzigen, die nicht zum Klub gehören. Und er will mit der AfD um deutschnationale Wähler konkurrieren. Darum hat er das Hasenpanier ergriffen."

Lesen Sie am Donnerstag das gesamte Interview mit FDP-Chef Christian Lindner auf SPIEGEL ONLINE.

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