FDP-Chef gegen Schülerdemos fürs Klima "Eine Sache für Profis"

Christian Lindner dozierte bereits als Oberklässler über "dornige Chancen". Dass heutige Schüler für Klimaschutz demonstrieren, hält der FDP-Chef für keine gute Idee.

Christian Lindner
ARMANDO BABANI/ EPA-EFE/ REX

Christian Lindner


In Deutschland gehen Schüler seit Wochen auf die Straße und demonstrieren für Klimaschutz. Während Kanzlerin Angela Merkel den Protest lobt, sieht FDP-Chef Christian Lindner die Aktionen der Schüler kritisch. Aus seiner Sicht geht wertvolle Unterrichtszeit verloren.

"Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis", sagte Lindner der "Bild am Sonntag" (BamS).

Statt zu demonstrieren und Stunden zu verpassen, sollten die Schüler lieber in den Unterricht gehen und sich "über physikalische und naturwissenschaftliche sowie technische und wirtschaftliche Zusammenhänge informieren", sagte Lindner weiter.

In einem alten Video aus Schulzeiten Lindners, das vor anderthalb Jahren aufgetaucht war, hatte sich der damals 18-Jährige noch ganz anders über Schule geäußert: Darin sagt er, dass er die Schulzeit nur abgesessen habe.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat laut "BamS" eine andere Meinung zu den Schüler-Demos:" Ich finde es gut, dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht." Der Weckruf der Schüler käme gerade noch rechtzeitig, noch ließe sich der Schalter umlegen. "Ich bin dafür dankbar."

"Schlimmer als in der DDR"

Die Ministerin hatte im Februar gegen den Willen der Union einen ersten Entwurf für ein Klimaschutzgesetz vorgelegt, das Lindner jetzt scharf kritisiert: "Svenja Schulze versucht sich an ihrem Schreibtisch mit weltfremden Ein-Jahres-Plänen für den Klimaschutz. Das ist schlimmer als in der DDR", sagte er. "Wenn wir die Menschen bei diesem Thema nicht mitnehmen, werden viele Autofahrer ihre Gelbwesten in Zukunft nicht nur bei Pannen anziehen, sondern auch zum Demonstrieren."

"Die Klima-Profis sind klar auf Seiten der Schüler!", twitterte Klima-Forscher Stefan Rahmstorf zu den Aussagen von FDP-Chef Lindner. "Die Schüler gehen auf die Straße, weil die Politiker trotz schöner Worte die Klimaziele verfehlen. Greta Thunberg versteht mehr vom knappen Emissionsbudget und den Kipppunkten des Klimas als Herr Lindner."



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mho



insgesamt 445 Beiträge
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dieterjablonski1 10.03.2019
1. ach Herrje
Ist das wirklich alles was Hr Lindner dazu einfällt? a) Gut, dass sich Schüler politisch engagieren b) Profis überlassen: das hat uns dahin gebracht, wo wir heute stehen. Offensichtlich führt das in die falsche Richtung. c) wenn die Kinder / Jugend es jetzt auslässt zu demonstrieren - in 10-20 Jahren können sie es zu dem Thema lassen - dann ist der Zug abgefahren. d) die Schüler sollte lieber lernen gehen - die Schüler lernen gerade eine wichtige Lektion fürs Leben - für ihren Standpunkt einstehen und so die Politik zum Handeln bewegen.
abudhabicfo 10.03.2019
2. "Schlimmer als in der DDR" geht gar nicht. Wer sind denn die Profis?
Mit seiner Aussage hat er es bei den Jungwählern verspielt. Die sehen doch, was die Profis erreichen: Nichts. Wenn sich die Jungen nicht engagieren dürfen, für etwas was ihre Zukunft betrifft, dann ist dies verachtenswert.
peppi59 10.03.2019
3. Nachsitzen und Nachdenken
Was tun, wenn die Profis untätig bleiben? Wenn die Politik nicht darauf hört, was die Wissenschaft seit Jahrzehnten voraus berechnet. Herr Lindner, ihr geistiger Erguss ist einem guten Schüler nicht zuzumuten.
ihawk 10.03.2019
4. Kurzsichtig und dumm
FDP-Chef Christian Lindner erklärt Schüler für inkompetent. Das halte ich nicht nur für dumm, sondern das wird sich hoffentlich auch auf die nächsten Wahlergebnisse auswirken.
strategist_123 10.03.2019
5. Anmaßend und Belehrend...
Herr Lindner, großen Worten sollten Taten folgen. Wo sind Ihre Taten, nach immer wieder "grossen Worten". Etwas verändern zu wollen bedeutet, Bestehendes aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und neu zu denken. Und dann umzusetzen. Wann hat die FDP zum letzten mal etwas für die Mehrheit der Menschen in Deutschland umgesetzt? Auch stimmt ja Sie fühlen sich ja lediglich für Ihre 8 % Wählerschaft verantwortlich. Hiffentlich bleiben Sie mit dieser Einstellung und Denkweise weiterhin in der Opposition.
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