Ernährungstipps von Politikern Saufen, Schlemmen, salzlos Grillen

Nun will uns also Agrarminister Schmidt zum Apfel-Futtern animieren. Er ist nicht der Erste, der das Volk zu belehren versucht, was auf den deutschen Teller gehört. Zehn Tipps - von deftig bis geschmacklos.

CSU-Politikerin Aigner: Ernährungstipps fürs Volk
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CSU-Politikerin Aigner: Ernährungstipps fürs Volk


Berlin - "Sie sollten essen, ich sollte essen, wir sollten essen" - mit diesen Worten möchte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt die Deutschen zum Verzehr vitaminreicher Kost bewegen. Der Satz fiel im Zusammenhang mit der Debatte um russische Lebensmittel-Importstopps. Der Minister verknüpfte seine politische Botschaft mit einem grundsätzlichen Appell an die Bürger: Obst könne man "zu Beginn am frühen Morgen" und "fünfmal am Tag" essen, so der CSU-Politiker.

Bei einem Verbraucherminister wie Schmidt liegt es nahe, dass er sich zum Thema Ernährung äußert. Doch regelmäßig versorgen auch Politiker anderer Fachrichtungen die Öffentlichkeit mit Ratschlägen für den richtigen Umgang mit Essen und Trinken. Mal sind sie scherzhaft, mal mahnend, manchmal bewegen sie sich am Rande des guten Geschmacks.

Vom radikalen Salzverzicht über den Veggie-Day bis zum Billigfleisch-Boykott: Hier finden Sie zehn Vorschläge von Politikern, die sich als Ernährungsberater versuchten.


1. Christian Schmidt: Kein Grillfest ohne Gemüse

CSU-Politiker Schmidt: "Überraschung auf dem Teller"
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CSU-Politiker Schmidt: "Überraschung auf dem Teller"

Schmidt ist, was Teller-Appelle angeht, ein Wiederholungstäter: Im Sommer rief er die Bürger dazu auf, während der Fußball-WM auf eine gesunde Ernährung zu achten. "Meine Empfehlung ist, neben Steak und Würstchen auch mal Gemüse oder Fisch auf den Rost zu legen", sagte er in einem Interview. "So gibt es nicht nur auf dem Rasen die ein oder andere Überraschung, sondern auch auf dem Teller".

2. Ilse Aigner: Weniger ist mehr

CSU-Politikerin Aigner: Kinderteller besser als Essen wegschmeißen
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CSU-Politikerin Aigner: Kinderteller besser als Essen wegschmeißen

Schmidts Vorgängerin, Ilse Aigner (CSU), gab qua Amt ebenfalls regelmäßig Ernährungstipps. "Kleine Portionen sind gut für Figur und Geldbeutel", riet sie und forderte ein Ende der Lebensmittelverschwendung in Supermärkten und Gastronomie. Kritik übte sie an Schlemmertellern und unnötigen Großpackungen. "Wir sind alle gefordert, jeder kann mehr gegen die Verschwendung tun."

3. Horst Seehofer: In Maßen essen

  CSU-Mann Seehofer: Apfel und Brot
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CSU-Mann Seehofer: Apfel und Brot

Auch CSU-Chef Horst Seehofer war einmal Verbraucherminister. Auf die Frage, was gesunde Ernährung ausmache, riet er: "Wichtig ist, dass man sich abwechslungsreich und in Maßen ernährt und ausreichend bewegt". Sein persönlicher Tipp: "Kaufen Sie niemals hungrig ein!" Überhaupt scheint der CSU-Mann eine besondere Beziehung zu zünftig-bodenständiger Nahrung zu haben. In seinem letzten Wahlwerbespot posierte Seehofer mit einem Apfel und einem Laib Brot.

4. Ursula von der Leyen: Bildschirme machen dick

  CDU-Politikerin von der Leyen: "Dick, dumm und traurig"
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CDU-Politikerin von der Leyen: "Dick, dumm und traurig"

Einen Zusammenhang zwischen Ernährung und TV-Konsum diagnostizierte die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU): "Wir wissen alle, dass Fernsehen dick, dumm, traurig und gewalttätig macht", sagte sie 2006. "Das mit dem dick, dumm und traurig gilt natürlich auch für Computer, wenn Kinder zu lange davor hocken", ergänzte sie später.

5. Renate Künast: Fleischlos durch den Tag

Grünen-Politikerin Künast: Plötzlich gab es eine Kantinen-Debatte
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Grünen-Politikerin Künast: Plötzlich gab es eine Kantinen-Debatte

Um den sogenannten Veggie-Day gab es im Bundestagswahlkampf 2013 einige Aufregung: Die politische Konkurrenz warf den Grünen vor, sie würden zur Verbotspartei verkommen. Die Grünen hielten dagegen, sie wollten niemanden dem Fleischkonsum abspenstig machen, sondern mehr Abwechslung auf der Speisekarte öffentlicher Kantinen anregen. Die damalige Fraktionschefin Renate Künast erklärte: "Ein Veggie-Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren."

6. Sigmar Gabriel: Gutes Essen muss nicht viel kosten

SPD-Politiker Gabriel: Eierpfannkuchen in der Ikea-Küche
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SPD-Politiker Gabriel: Eierpfannkuchen in der Ikea-Küche

SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte, dass gute Lebensmittel nicht zwangsläufig viel kosten müssten: "Es kann nicht sein, dass in der Designerküche des gutverdienenden Singles der gedünstete Fenchel und das teure Kobe-Rind gesünder und sicherer sind als die Eierpfannkuchen oder die Spaghetti Bolognese in der Ikea-Küche der Normalverdienerfamilie", sagte er 2011 auf der Grünen Woche in Berlin.

7. Robert Habeck: Kein Billigfleisch!

Grünen-Minister Habeck: Glückliche Kühe gibt es "nicht im Sonderangebot"
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Grünen-Minister Habeck: Glückliche Kühe gibt es "nicht im Sonderangebot"

Zu einem Boykott von Billigfleisch rief im Frühjahr dieses Jahres der Grünen-Umweltminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck auf. Er forderte die Bürger auf, zu günstiges Fleisch am besten zu verschmähen. "Wenn man will, dass auf Schlachthöfen gute Bedingungen herrschen und Tiere nicht über Gebühr leiden, dann muss man sich klar darüber sein, dass es dies alles nicht im Sonderangebot gibt", so Habeck.

8. Dirk Niebel: "Saufen Sie wie ein Loch"

FDP-Mann Niebel: Gab als Generalsekretär Trinktipps
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FDP-Mann Niebel: Gab als Generalsekretär Trinktipps

Dirk Niebel, damaliger FDP-Generalsekretär, hatte bei einer Wahlkampfrede 2009 einen seltsamen - und wohl auch scherzhaft gemeinten - Tipp parat: "Wenn Sie nach Amerika reisen, dann rate ich Ihnen: Essen Sie Schweinefleisch und saufen Sie wie ein Loch. Es minimiert die Gefahr, als ein Taliban angesehen zu werden."

9. Peer Steinbrück: Nicht irgendein Wein

SPD-Politiker Steinbrück: Günstiger Wein kommt nicht in die Tüte
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SPD-Politiker Steinbrück: Günstiger Wein kommt nicht in die Tüte

Zwar wollte der frühere Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) wohl niemandem direkt vorschreiben, welchen Wein die Menschen zu trinken haben. Doch diese Äußerung brachte ihm einigen Ärger ein: Im Wahlkampf 2013 machte er auf offener Bühne klar, dass er billigen Wein ablehne. "Eine Flasche Pinot Grigio, die nur fünf Euro kostet, würde ich nicht kaufen."

10. Karl Lauterbach: Salzlos durchs Leben

SPD-Mann Lauterbach: Radikal salzfrei
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SPD-Mann Lauterbach: Radikal salzfrei

Offensiver ist Steinbrücks Parteigenosse Karl Lauterbach unterwegs: Er wirbt seit Jahren für einen bewussten Umgang mit Salz und lebt selbst radikal salzlos. "Wenn man darauf verzichtet, lernt man den Geschmacksreichtum von Gewürzen wie Chili, Pfeffer oder Kurkuma erst zu schätzen", sagte Lauterbach im SPIEGEL. Auch warnte er einst vor den gesundheitlichen Gefahren des Grillens - wenn es denn schon sein müsse, dann bitte mit Magerfleisch und salzfreier Marinade. Zuweilen zieht der SPD-Gesundheitspolitiker den Zorn von Fans eines bestimmten lokalen Gebräus auf sich: "Ich trinke kein Kölsch, nur richtiges Bier", bekannte er im vergangenen Jahr.


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vogelsteller 02.09.2014
1. Parallelen
Aufgrund ihrer Sanktionspolitik gegen Russland, soll sich jetzt das Volk mit Äpfel den Ranzen vollhauen. Da gabs schon mal eine, die dem Volk das Kuchenessen doktrinierte, es aber nicht überlebte.
siejerlänner 02.09.2014
2. Diese Bevormundung...
... nach Gutsherrenart durch unsere Politiker geht mir so langsam ganz gewaltig auf den Sack!!!
oneworldnow 02.09.2014
3. Seltsamerweise
gibt es immer diesen Aufschrei "Wir lassen uns nicht bevormunden "selbst wenn so mache Politiker im Grunde Recht haben bezüglich der aktuellen Eßgewohnheiten,aber von dummer Werbung lassen sie sich gerne verführen(veräppeln)
Achmuth_I 02.09.2014
4. Nicht verwunderlich...
...die weiß-blaue Einstellung... "Ihr sollt in Maßen essen!" Ist doch schon von altersher die eigene Einstellung: "Wir trinken in Maßen - drei, fünf oder zwölf Maß oder so..."
zila 02.09.2014
5. Selten so was doofes gelesen
"Es kann nicht sein, dass in der Designerküche des gutverdienenden Singles der gedünstete Fenchel und das teure Kobe-Rind gesünder und sicherer sind als die Eierpfannkuchen oder die Spaghetti Bolognese in der Ikea-Küche der Normalverdienerfamilie" Gabriel vergleicht allen Ernstes extrem hochwertige Lebensmittel gegen billigen high-carb Industriefrass. Und wird noch so getan, als ob die Art der Kueche irgendeinen Effekt auf den Naehrwert hat. Wobei IKEA durchaus schmucke Kuechen im Angebot hat. Mal abgesehen, dass einsame Singles sich wohl eher selten mal eben ein Kobe-Rind braten. Was bekleidet der Mann nochmal fuer ein Amt?
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