Kommentar zu Wulffs Buch Die Welt des Christian W.

Schuld? Die Anderen! Die Attacken von Expräsident Wulff gegen Medien und Justiz sind aus seiner Sicht verständlich. Das ändert aber nichts daran: Der Rücktritt war notwendig.

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Meine Güte, möchte man denken, wie viele Bücher und sonstige Erzählungen werden der Causa Wulff denn in diesem Leben noch gewidmet? Erst hielt es Expräsidentengattin Bettina für dringend erforderlich, sich in einem eigenen Büchlein ans Lesevolk zu wenden. Dann gab es Abhandlungen über die Medien, die sich in der Angelegenheit angeblich völlig daneben benommen hätten. Nun folgt er höchstselbst.

Es ist verständlich, dass Christian Wulff nach seinem Freispruch vor Gericht das Bedürfnis hat, noch einmal seine Sicht der Affäre in einem Buch (hier sind die wichtigsten Passagen zusammengefasst) darzustellen. Das ist menschlich. Er und seine Familie mussten viel aushalten. Auch über ein weiteres Thema, das er in seinem Buch anreißt, muss geredet werden: Wie gehen Medien, wie geht die Gesellschaft mit ihren Politikern um? Wo hört kritische Berichterstattung und Recherche auf, wo beginnen Häme und Verfolgung?

Doch im Kern zeigt Wulffs Werk vor allem: Er hat immer noch nicht verstanden, dass sein Rücktritt letztlich notwendig war. Alle Bücher und neuen "Abrechnungen" ändern nichts daran - Wulff hat ein politisches Spiel gespielt - und verloren. Deshalb musste er gehen. Christian Wulff hat an andere - nicht zuletzt an den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau - höchste moralische Maßstäbe angelegt - und diesen letztlich selbst nicht genügt.

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Buchveröffentlichung: Wulff zurück im Rampenlicht
Ein Mann, der sich in öffentlichen Ämtern derart häufig von reichen Freunden einladen lässt, der die ganze Wahrheit über den Hauskredit eines Unternehmers nur scheibchenweise preisgibt und dann einem Chefredakteur droht, höhlt mit diesem Verhalten die moralische Autorität aus, die das ausschließlich repräsentative Amt des Bundespräsidenten so dringend benötigt. Er kann nicht mehr mit der notwendigen Glaubwürdigkeit über Werte wie Ehrlichkeit und Unabhängigkeit sprechen.

Ein Zufall, aber ausgerechnet am Dienstag, als Wulff sein Buch präsentierte, hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die besondere Rolle des Präsidenten nochmals betont: "Autorität und Würde seines Amtes" kämen "gerade auch dadurch zum Ausdruck, dass es auf vor allem geistig-moralische Wirkung angelegt ist", urteilten die Richter.

Das bedeutet aber eben auch: Der Bundespräsident muss Maßstab sein für das, was für Amtsträger in einer Demokratie richtig und was falsch ist, auch jenseits der Buchstaben des Gesetzes. Sein Handeln sollte eindeutig am Interesse der Allgemeinheit orientiert sein - und an nichts anderem.

Das gilt im Fall Wulff. Und das wird auch für seine Nachfolger gelten.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 343 Beiträge
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poly.kerl 11.06.2014
1. Danke für den Artikel
Danke für den Artikel
pabuc 11.06.2014
2. Buechlein
Hallo "Spiegelein" auch wenn noch so oft gegen die Argumentation des Herrn Wulff gekontert wird - der Weg dort hin wo er heute ist war für die Mehrheit der Bevölkerung unerträglich und der Geschmack nach profitorientierter Presse wird im Nachgang immer bleiben.
volkerkraft88 11.06.2014
3. Eigentlich alles gesagt
Er hat nichts begriffen - und er wird es vermutlich nie begreifen. Schlimm bleibt, dass so ein Osnabrücker Würstchen die zeitweilige Nr. 1 von Deutschland werden konnte. Nun ja, er kam schliesslich aus der Partei des grossen Oggersheimers und seinem SED-Agitprop-Mädchen.
Sir_Batman 11.06.2014
4.
Und für den Spiegel und seine Journalisten muss es der Anspruch sein, die Wahrheit zu schreiben und Dinge ans Licht zu bringen. Als 4. Gewalt. Und wenn man Fehler macht, dann Muss man sich auch als Journalist und Teil der Medien entschuldigen. Macht Ihr das oder fühlt Ihr euch wohl in eurer Rolle und unantastbar? Wenn das Gesetz nicht reicht, um Fehler zu finden, dann muss es eben die Moral sein. Peinlich.
spmc-129372683232763 11.06.2014
5. Wie praktisch,
daß die 4. Gewalt immer das letzte Wort hat!
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