Vortrag in Heidelberg: Christian Wulff meldet sich zurück

Es war seine erste öffentliche Rede nach dem Rücktritt als Bundespräsident: Christian Wulff hat einen Vortrag in Heidelberg gehalten. Er nutzte den Auftritt für Kritik an den Ermittlungsbehörden im Fall der NSU-Morde. Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen sagte er nichts.

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Ex-Bundespräsident Wulff: "Staatspolitisch verantwortlich agieren"

Heidelberg - Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat sich mit einem Vortrag an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg erstmals wieder öffentlich zu Wort gemeldet. Gut neun Monate nach seinem Rücktritt sprach er fernab des politischen Trubels der Hauptstadt zum Thema "Gesellschaft im Wandel". Es ging um sein Lieblingsthema Integration und auch um die Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). "Ich hätte eine solche gezielte und brutale Tötung von Menschen ausländischer Herkunft nicht für möglich gehalten, auch nicht das Versagen der Ermittlungsbehörden in unserem Land", sagte Wulff.

Er war im Februar als Staatschef zurückgetreten. Anlass waren Ermittlungen der niedersächsischen Staatsanwaltschaft wegen Bestechungsvorwürfen aus seiner Zeit als Ministerpräsident in Hannover. Noch immer läuft die Untersuchung. Wulff hatte sich in den vergangenen Monaten rar gemacht.

Die Vorwürfe gegen ihn sprach Wulff nicht an, Interviews waren bereits im Vorfeld ausgeschlossen worden. Auch zur Tagespolitik wollte sich der Christdemokrat nicht äußern. Als Alt-Präsident wolle er "staatspolitisch verantwortlich agieren", begründete er dies.

Mitgefühl haben die wenigsten Deutschen mit dem gestürzten Ex-Bundespräsidenten, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. 86 Prozent aller Bürger und auch 81 Prozent der Unionswähler haben nach einer Forsa-Erhebung kein Mitleid mit dem 53-Jährigen. Nur elf Prozent der Befragten gaben an, mit dem Gescheiterten mitzufühlen.

Die Hochschule für Jüdische Studien hatte Wulff nach eigenen Angaben eingeladen, weil er sich gesellschaftlichen Veränderungen während seiner Amtszeit sehr engagiert gewidmet habe. Als Beispiel dafür nannte die Einrichtung Wulffs Bekenntnis zur "bunten Republik Deutschland", die durch Zuwanderer unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen bereichert werde. Wulff habe als Bundespräsident unermüdlich betont, dass Integration ein Aufeinander-Zugehen von beiden Seiten bedeute.

heb/dpa/dapd

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insgesamt 40 Beiträge
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1.
verpiler 21.11.2012
Wenn ich das lese, bin ich froh, dass das Kapitel Wulff Vergangenheit ist. Er ist nicht das Sprachrohr des deutschen Volkes. Ganz im Gegenteil. Einen Ehrensold von 200.000 Euro pro Jahr erhält Christian Wullf ja noch von uns. Zuzuglich eines Wagens mit Fahrer, und weiteren Angestellten.
2. optional
frederic075 21.11.2012
Der soll sich zurückziehen und sich schämen. Das ist eine Frecheit, dass dieser Politiker sich überhaupt traut wieder an das Rednerpult zu gehen.
3. Bunte Republik Deutschland?
to5824bo 21.11.2012
Zitat von sysopEs war seine erste öffentliche Rede nach dem Rücktritt als Bundespräsident: Christian Wulff hat einen Vortrag in Heidelberg gehalten. Er nutzte den Auftritt für Kritik an den Ermittlungsbehörden im Fall der NSU-Morde. Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen sagte er nichts. Christian Wulff meldet sich in Heidelberg zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/christian-wulff-meldet-sich-in-heidelberg-zurueck-a-868589.html)
Die Ehre der Erfindung bzw. Popularisierung des Begriffs "Bunte Republik Deutschland" gehört immer noch Udo Lindenberg und seinem gleichnamigen Album von 1989(!). Da hat sich ein Herr Wulff sicher noch in seine JU-Windeln geschissen. Bitte, bitte keine weiteren Peinlichkeiten dieses Mannes und seiner Frau. Die beiden haben dem Ansehen unseres Landes schon genug geschadet.
4. Ohne Worte
renicarine 21.11.2012
Sehr geehrter Herr Wulff, wir hätten eine solche gezielte brutale Täuschung der Bürger in Deutschland auch nicht für möglich gehalten. Sie besitzen die Verfrorenheit und prangern Mißstände in diesem Land an, obwohl Sie das Ihnen übertragene Amt mit Lügen und Drohungen aufgebaut haben. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Sie wegen Meineides, wie viel Ehre besitzen Sie eigentlich, dass Sie sich noch in die Öffentlichkeit wagen. Sie sind an Peinlichkeit nicht zu überbieten.
5. optional
misscecily 21.11.2012
Niemand möchte von diesem Herrn mehr etwas hören. Wenn er privat Reden hält um seine Kasse aufzubessern - fein. Aber weshalb darüber berichten?
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