CSU-Politikerin Haderthauer Viel Ego, wenig Demut

Christine Haderthauer legte in der CSU einen rasanten Aufstieg hin. Jetzt muss die Chefin der bayerischen Staatskanzlei um ihre Karriere bangen. Die Geschichte einer Politikerin, die vor allem für eines bekannt ist: ihr Ego.

CSU-Politikerin Haderthauer (Archivbild): "Gerüchte und Verleumdungen"
DPA

CSU-Politikerin Haderthauer (Archivbild): "Gerüchte und Verleumdungen"

Von , München


Die Münchner Kindertafel Glockenbach sah in Christine Haderthauer zuletzt eine Belastung. Deshalb hat der kleine Verein mit 130 Mitgliedern die Chefin der bayerischen Staatskanzlei von ihrer Aufgabe als Schirmherrin entbunden. Die Kindertafel verdiene "eine moralisch integre Persönlichkeit an der Spitze des Vereins", heißt es auf der Homepage des Hilfsprojekts mit Verweis auf Haderthauers Verwicklung in die sogenannte Modellbau-Affäre.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 34/2014
Wie die IS-Terroristen ihr Kalifat errichten

Nimmt Christine Haderthauer ein solches Signal ernst? Oder fällt es für die CSU-Politikerin in die Rubrik "Sommertheater", in die sie die Rücktrittsforderungen der Opposition gesteckt hat?

Es gibt derzeit keine öffentlichen Termine der Staatsministerin, sie macht Urlaub, aber die Affäre ruht nicht: Den Pressespiegel der bayerischen Landtagspresse füllen seit Tagen regelmäßig Berichte über die fragwürdigen früheren Geschäfte des Ehepaares Haderthauer mit psychisch kranken Straftätern, die zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führten. Der Verdacht: Steuerhinterziehung und Betrug. Nach SPIEGEL-Informationen will der Freistaat Bayern Hubert Haderthauer zudem wegen angeblich zu Unrecht kassierter Honorare als Landgerichtsarzt verklagen.

Als der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer zuletzt öffentlich Haderthauers Krisenmanagement kritisiert hatte, dürfte der 51-Jährigen endgültig klar geworden sein, dass es eng für sie werden könnte. Bislang gibt es aber kein Signal, dass sie dem wachsenden öffentlichen Druck nachgeben will. Im Gegenteil, die Staatskanzleichefin wirkt kämpferisch: Die gegen sie erhobenen Vorwürfe wertete sie zuletzt als "Gerüchte und Verleumdungen".

Manch einer wundert sich vielleicht über dieses forsche Auftreten angesichts staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen - erst recht, da die CSU-Politikerin das umstrittene und für sie und ihren Mann offenbar sehr einträgliche Geschäft mit psychisch kranken Straftätern als "ein von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art" bezeichnet hatte. Menschen, die die CSU-Politikerin seit Jahren kennen, wundern sich nicht: "Die Christine ist eben so, wie sie ist", lautet etwa ein Satz eines früheren Wegbegleiters.

Schnelle Karriere

Offensiv, selbstbewusst, zupackend: So tritt die gebürtige Norddeutsche normalerweise auf. Für Selbstkritik bleibt da wenig Raum, eigene Fehler gibt es in der Welt von Christine Haderthauer praktisch nicht. Warum auch? Ihr bisheriger Werdegang in der CSU scheint ihr in allem recht zu geben: Ihre Parteikarriere verlief viel schneller als bei anderen. Während etwa Markus Söder und Ilse Aigner jahrelang Netzwerke geknüpft und die Junge Union als Aufstiegskanal genutzt hatten, war Haderthauer 2003 ganz plötzlich da: Landtagsabgeordnete, nachdem sie erst ein Jahr zuvor ihr erstes Mandat als Ingolstädter Stadträtin errungen hatte. Ihre zwei Kinder waren da bereits großgezogen, die eigene Rechtsanwaltskanzlei gegründet. Seiteneinstieg statt Ochsentour.

Und es ging rasant weiter. 2007 avancierte sie unter dem damaligen CSU-Vorsitzenden Erwin Huber völlig überraschend zur Generalsekretärin. Zwar vermurkste die CSU wenig später die Landtagswahl, auch Haderthauer war mit einem äußerst schwachen Wahlkampfslogan ("Sommer, Sonne, Bayern") für die Pleite mitverantwortlich - trotzdem fiel sie weich: Seehofer machte sie zu seiner Sozialministerin, als er 2008 antrat, um die CSU aus der Krise zu holen. Haderthauer passte damals bestens zu seinem radikalen Verjüngungskurs im Kabinett.

Eine Gehässigkeit in einem Halbsatz

Er hielt auch an ihr fest, als sich Haderthauer in dem Amt als Fehlbesetzung entpuppte. Ihre empathielosen Auftritte in der Asylpolitik hatten im Landtag mehrfach für heftige Diskussionen gesorgt. Nach Seehofers Wahlerfolg im vergangenen Jahr wechselte Haderthauer in die Staatskanzlei. Diejenigen in der Partei, die Haderthauer mögen, sagen, dass sich die Juristin trotz fehlender Netzwerke erfolgreich durchgebissen habe. Diejenigen, die ihren Aufstieg kritisch sehen, sagen, dass sie vor allem eine Lücke fülle: die der vergleichsweise jungen, großstädtischen und erfolgreichen Akademikerin, die verheiratet und noch dazu Mutter ist - ein Aspekt, der im katholischen Bayern viel zählt.

So dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass Haderthauer genau dies ansprach, als sie einst über ihr Verhältnis zu Ilse Aigner redete: "Wir ergänzen uns gut. Sie als Alleinstehende und kinderlos, ich als Frau mit Familie" - eine Gehässigkeit in einem Halbsatz.

"Augen zu und durch", so würde Haderthauer in der derzeitigen Krise agieren, sagen Leute, die die Politikerin kennen. Dass sie sich Rat bei Parteifreunden einholt, glauben die wenigsten. Dass sie die Affäre unbeschadet überstehen wird, gilt zunehmend als unwahrscheinlich.

Es gebe immer weniger Politiker, "die nicht im Graben liegen, wenn es hart wird", sagte Haderthauer einst, als es für sie als Sozialministerin nicht sonderlich gut lief. Der Graben, vor dem sie jetzt steht, ist schon ziemlich tief.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
a.b. 20.08.2014
1. -
Fr. Haderthauer schadet der CSU, schadet Bayern. Ein sofortiger Rücktritt wäre empfehlens- und wünschenswert.
vielflieger_1970 20.08.2014
2.
Sie ist weder jung noch fähig, eine Schande für Bayern!
a.b. 20.08.2014
3. -
Fr. Haderthauer schadet der CSU, schadet Bayern. Ein sofortiger Rücktritt wäre empfehlens- und wünschenswert.
pom_muc 20.08.2014
4.
Es ist schon auffällig wie der Hamburger Spiegel es vermeidet etwas von allgemeinem Interesse zu schreiben. Hamburg wurde 2013 zum Empfänger im Länderfinanzausgleich. Bayern zahlt über 50%. Darüber könnte man zum Beispiel schreiben. In Frankreich diskutiert man die europäische Arbeitslosenversicherung über die D zweistellige Milliardenbeträge in den Club Med schicken müsste. Darüber könnte man auch schreiben. Auffällig geringer Aufklärungswille erkennbar beim Abschuss eines Passagierflugzeuges. Kein Wort darüber warum es Wochen dauert einen Flugschreiber auszuwerten und die Aufzeichnung zu veröffentlichen? Es scheint nur noch um Ablenkung zu gehen. Was eine bayerische Politikerin vor 20 Jahren verdiente und ob ein weißer Polizist in den USA gegen einen Verdächtigen gerechtfertigt die Schusswaffe einsetzte.
makeup 20.08.2014
5. ....Frau Haderthauer, gehen sie endlich
...sofern sie noch einen Funken von Moral haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.