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Austritt: Berliner Landeschef Lauer verlässt Piratenpartei

Berliner Pirat Lauer: Trennt sich nach fünf Jahren von der Piratenpartei Zur Großansicht
DPA

Berliner Pirat Lauer: Trennt sich nach fünf Jahren von der Piratenpartei

Er war Bundesgeschäftsführer, Fraktionschef, zuletzt Berliner Landesvorsitzender: Der Pirat Christopher Lauer legt sein Amt nieder und tritt aus seiner Partei aus. Abgeordneter will er trotzdem bleiben.

Berlin - Die Liste der einstigen Piraten-Promis, die der Partei den Rücken kehren, wird immer länger. Am Donnerstag teilte der Berliner Landeschef Christopher Lauer seinen Rück- und Austritt mit - auf den Tag genau drei Jahre nach dem Überraschungserfolg der Partei in der Hauptstadt.

Lauer erklärte, er werde sein Amt als Vorsitzender des Landesverbandes niederlegen und die Piratenpartei verlassen. Sein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus wolle er aber behalten und sich weiter um die Themen Gesundheit und innere Sicherheit kümmern.

Über Lauers Entscheidung berichtete zunächst die "BZ". Demnach begründete er in einer E-Mail an seine Vorstandskollegen, er sehe "keine Mehrheit für meine bei meiner Wahl angekündigten Vorhaben zur Professionalisierung der Partei".

"Sonst knallt es ganz gewaltig"

Der 30-Jährige hatte in den vergangenen fünf Jahren mehrere Ämter in der Piratenpartei inne. Er war unter anderem Bundesgeschäftsführer und Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus. Zuletzt kam es zum Zerwürfnis zwischen den Berliner Piraten und der Bundesspitze, Teile des Landesverbands erwogen eine Abspaltung.

Lauer galt in der Piratenpartei lange als Redetalent mit Politiker-Qualitäten, aber auch als verbaler Brandstifter in den eigenen Reihen. Für Schlagzeilen sorgte zum Beispiel ein SMS-Wechsel zwischen Lauer und dem damaligen politischen Geschäftsführer Johannes Ponader ("Wenn du bis morgen nicht zurück getreten bist, knallt es ganz gewaltig"). Im vergangenen Jahr stritt die Fraktion erbittert, als Lauer unter Verdacht stand, eine Mitarbeiterin bevorzugt zu haben.

Sein Rücktritt dürfte den einst erfolgreichsten Piraten-Landesverband weiter zerbröseln lassen. Die bunt gemischte Berliner Piratenfraktion aus IT-Experten, Studenten und einer jungen Mutter hatte Ende 2011 mit ihrem Wahlsieg kurzzeitig eine Erfolgswelle der Piratenpartei eingeläutet, danach eroberte die Partei noch drei weitere Landesparlamente.

Mittlerweile haben unzählige Streits und Eklats dafür gesorgt, dass die Umfragewerte für die Piraten deutlich unter fünf Prozent eingefroren sind. Viele ehemals engagierte Piraten, die einen Frischekick für die Politik versprachen, sind mittlerweile entweder ausgetreten oder verstummt. Hatte die Partei vor zwei Jahren 35.000 Mitglieder, sind es inzwischen 28.000 registrierte Piraten.

Ob sich Christopher Lauer parteipolitisch anderweitig orientiert, ist noch unklar - mindestens ein Beitrittsangebot liegt jedoch schon vor: Die Grünen boten Lauer am Nachmittag auf Twitter die Neumitgliedschaft an.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Endlich
VerHartzter 18.09.2014
Das ist das Beste was der Piratenpartei passieren kann. Endlich ist der Weg frei für vernunftige solide Arbeit ohne Schreihälse die aus Profilgründen die Arbeit derjenigen zerstören, die im Hintergrund vernünftige Politik machen. Ich hoffe er bildet nur der Anfang. Langsam wird die Piratenpartei für den Normalbürger wieder wählbar. Als Pirat sage ich: Danke für deinen Rücktritt und viel Erfolg noch.
2. Wär ja auch blöd...
Gerüchtsvollzieher 18.09.2014
auf die sicheren Abgeordneten-Bezüge für den Rest der Legislaturperiode zu verzichten, nicht wahr Herr Lauer! ;-)
3. Eine linke Spaßpartei,
mitverlaub 18.09.2014
die nun wirklich niemand mehr braucht, davon haben wir reichlich. Ein Glück, daß es jetzt eine ernsthafte Alternative gibt, die wir dringend brauchten.
4. Karrieregeil...
schwaebischehausfrau 18.09.2014
wer ihn einmal erlebt hat - live oder in einer TV-Debatte - konnte sofort feststellen: Das ist jemand, der primär SICH SELBST promoten will, karrieregeil und geldgeil und dem die Piratenpartei gerade recht kam. Dass er an seinem Abgeordneten-Status und der damit verbundenen Kohle festhält, überrascht sicher niemanden. Wahrscheinlich checkt er jetzt schon, bei welcher Landtagswahl er sich irgendwo bei der AfD für einen aussichtsreichen Listenplatz einschleichen kann, damit die Versorgungsbezüge weiter rollen. Oder vielleicht ist bis dahin ja auch die FDP wieder chancen-reich.
5. @3
pecx 18.09.2014
genau!! Die AfD ist nämlich eine linke Spaßpartei!
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