Chronologie: Die Plagiatsaffäre von Annette Schavan

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Bildungsministerin Schavan: Rücktritt nach Entzug des Doktortitels

Sofort nach dem Entzug ihres Doktortitels kündigte Annette Schavan (CDU) ihre Klage an - und erklärte wenig später ihren Rücktritt als Bildungsministerin. Eine Chronologie der Plagiatsaffäre.

September 1980: Schavan reicht im Alter von 24 Jahren ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation "Person und Gewissen" an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ein. Die Arbeit wird mit "sehr gut" benotet.

29. April 2012: Auf dner Internetplattform schavanplag wird anonym der Vorwurf des Plagiats gegen Schavan erhoben.

2. Mai 2012: Die Universität Düsseldorf beauftragt die zuständige Promotionskommission, die Vorwürfe zu prüfen.

10./11. Mai 2012: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Schavan ihr Vertrauen aus.

27. September 2012: Der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Professor Stefan Rohrbacher, legt intern einen Sachstandsbericht vor. Das Ergebnis: An zahlreichen Stellen der Arbeit sei plagiiert worden. Es liege eine systematische Vorgehensweise und damit eine Täuschungsabsicht vor.

14. Oktober 2012: Der SPIEGEL zitiert aus dem vertraulichen Bericht Rohrbachers. Schavan weist eine Täuschungsabsicht zurück.

15./16. Oktober 2012: Merkel spricht Schavan erneut das Vertrauen aus. Rückendeckung bekommt sie auch von ihrem Doktorvater Gerhard Wehle. Auf der Suche nach der undichten Stelle erstattet die Universität Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen.

17. Oktober 2012: Die Prüfungskommission berät über den internen Bericht Rohrbachers.

10. November 2012: Schavan reicht nach Informationen der "Rheinischen Post" bei der Uni Düsseldorf eine schriftliche Stellungnahme ein, in der sie den Vorwurf des Plagiats bestreitet.

18. Dezember 2012: Die Promotionskommission empfiehlt nach Prüfung der Arbeit und Anhörung Schavans, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Befinden muss darüber der Rat der Philosophischen Fakultät.

22. Januar 2013: Der Fakultätsrat stimmt mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung für die Einleitung des Hauptverfahrens zur möglichen Aberkennung des Doktortitels.

31. Januar 2013: Schavan räumt Flüchtigkeitsfehler in ihrer Doktorarbeit ein, weist den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber erneut zurück.

5. Februar 2013: Der zuständige Fakultätsrat der Universität Düsseldorf stimmt im Plagiatsverfahren für die Aberkennung des Doktortitels. Schavan hält sich zu politischen Gesprächen in Südafrika auf und kündigt an, gegen die Entscheidung der Hochschule zu klagen.

6. Februar 2013: Kanzlerin Merkel spricht ihr erneut "volles Vertrauen" aus. Der Druck aus Politik und Wissenschaft nimmt zu.

9. Februar 2013: Merkel teilt nach einer Unterredung mit Schavan im Kanzleramt den Rücktritt der Ministerin mit. Nachfolgerin wird die bisherige niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU).

19. Februar 2013: Schavan reicht beim Verwaltungsgericht Düsseldorf Klage gegen den Entzug des Doktortitels ein. Sie darf ihren Titel bis zur Entscheidung weiterführen.

3. Februar 2014: Es wird bekannt, dass Schavan deutsche Botschafterin im Vatikan werden soll.

20. März 2014: Das Gericht verhandelt den Fall Schavan und entscheidet gegen die Ex-Ministerin. Die Richter weisen ihre Klage gegen den Doktorentzug ab und stellen klar: Bei den Fehlern in der Dissertation der Ex-Ministerin handelt es sich nicht um Versehen.

lgr/cte/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Der Fall Schavan
eichekontakt 09.02.2013
ist natürlich auch ein Fall der Uni Düsseldorf, insbesondere ihres sog. Doktorvaters. Nicht dass ich Frau Sch. verteidigen will, aber irgendetwas läuft falsch, wenn sich Unis , wie auch "Doktorväter" mit der Anzahl ihrer Doktoranten brüsten und danach ihr Image bemessen. Es ist wie leider über all in diesem System: Quanitität geht vor Qualität. Und somit sind solche Unis auch nichts anderes, alls Massentierhaltung. Schade für Deutschland. Schade um Forschung & Bildung in diesem Land.
2. Bei Frau Schavan hat's gemerkelt
synoptiker 09.02.2013
Wieder zeigt sich, dass das volle Vertrauen der Frau Merkel nchts wert ist. Sie taktiert mit den Medien. Leider hat Merkel noch das volle Vertrauen des Volkes...
3.
vox veritas 09.02.2013
Zitat von sysopWenige Tage nach dem Entzug ihres Doktortitels hat Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ihren Rücktritt erklärt. Eine Chronologie der Plagiatsaffäre. Chronologie: Die Plagiatsaffäre von Annette Schavan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chronologie-die-plagiatsaffaere-von-annette-schavan-a-882397.html)
Die ganze Angelegenheit ist doch völlig nebensächlich! Genauso wie diese angeblichen Rassismus Vorwürfe in der Sache Hahn / Rössler. Viel wichtiger ist doch, daß beim Bau von Elb-Philharmonie, Stuttgart 21 und beim Berliner Flughafen Milliarden Summen nutzlos verbrannt werden. Das betrifft die Bürger doch unmittelbar, weil dort ihre Steuergelder wegen Prunkbauten verschwendet werden. Der ganze Rest lenkt doch nur von diesen echten Skandalen ab - Stichwort: Brot und Spiele. Schade, daß SPON dieses Spiel mitmacht.
4. Ich schließe mich
uschi.niemann 09.02.2013
Wer zieht eigentlich die Unis und insbesondere die Doktorväter/-mütter zur (Mit-)Verantwortung?
5. Mitschuld
tbms 09.02.2013
Zitat von uschi.niemannWer zieht eigentlich die Unis und insbesondere die Doktorväter/-mütter zur (Mit-)Verantwortung?
„Wissenschaft hat auch mit Vertrauen zu tun. Auf die Erklärung, eine Arbeit sei nach bestem Wissen und Gewissen verfasst worden, muss ein Doktorvater vertrauen können“, sagte Schavan. Raubkopien seien kein Kavaliersdelikt... „Ich schäme mich nicht nur heimlich“: Annette Schavan kritisierte einst Plagiator Guttenberg wegen Doktorarbeit - Deutschland - FOCUS Online - Nachrichten (http://www.focus.de/politik/deutschland/ich-schaeme-mich-nicht-nur-heimlich-annette-schavan-kritisierte-einst-plagiator-guttenberg-wegen-doktorarbeit-_aid_914032.html) Früher war es einfach nicht möglich die Dissertationen auf Plagiate zu überprüfen. Es gab keine Software, die Texte vergleichen kann. Gerade bei geschickteren Plagiaten wie im Fall Schavan hätte der Doktorvater schon jegliche Literatur zu dem Thema auswendig kennen müssen damit ihm auffällt, dass sie aus mehreren Werken abgeschrieben hat ohne diese Werke in ihrer Dissertation aufzulisten. Die Prüfung der Dissertation beschränkte sich also hauptsächlich auf den Inhalt und die Doktoranden mussten eine eidesstattliche Erklärung abgeben, das sie die Dissertation eigenständig geschrieben und alle Hilfsmittel aufgezählt haben. Heutzutage haben die Unis zunehmend mehr Verantwortung übernommen und überprüfen die Arbeiten und Dissertationen auch mit moderner Software. Im übrigen sollte man nicht außer acht lassen, das Schvan selbst als Bildungsministerin für solche Sachen zuständig war: sie hätte neue Verfahren (z.B. auch eine Verjährung der Täuschung bei Dissertationen) ins Rollen bringen können.
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