Vergangenheit der Grünen: Roth entschuldigt sich für Nähe zu Pädophilen

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Grünen-Vorsitzende Claudia Roth: "In keinster Weise akzeptabel und unsäglich"

"Es sind eindeutig und objektiv Fehler passiert": Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth bedauert die politische Nähe ihrer Partei zu pädophilen Gruppierungen in den achtziger Jahren. Sie bekräftigte, dass die Partei dieses Kapitel aufarbeiten will.

Berlin - In der Pädophilie-Debatte hat die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, eine Entschuldigung angekündigt. "Für Fehler, die passiert sind, entschuldigen wir uns natürlich, deshalb will ich jetzt auch alles systematisch aufgearbeitet haben", sagte Roth der "Bild am Sonntag". Es seien "eindeutig und objektiv Fehler passiert".

In den Anfangszeiten der Grünen habe es "Personen und Gruppen gegeben, die versucht haben, die Grünen als Plattform für inakzeptable Positionen zu nutzen", sagte Roth. "Straffreiheit für sexuelle Beziehungen mit Kindern zu fordern, ist in keinster Weise akzeptabel und unsäglich."

Ihre Partei werde die Fragen beantworten müssen, wie stark diese Gruppierungen waren, ob sie es geschafft hätten, Positionen durchzusetzen, wann damit definitiv Schluss gewesen sei und wie das gesellschaftliche Umfeld in den achtziger Jahren gewesen sei, sagte Roth.

Ergebnisse der Aufarbeitung bis Ende 2014?

Sie bekräftigte, dass die Partei dies "unabhängig und umfassend aufarbeiten" will. Das beauftragte Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen unter der Leitung von Franz Walter wolle einen Zwischenbericht möglicherweise bis Ende des Jahres vorlegen und die endgültigen Ergebnisse bis Ende 2014.

Die Debatte entzündete sich an früheren Äußerungen des grünen Europapolitikers Daniel Cohn-Bendit über Intimitäten mit Kindern. Bei den Grünen gab es in den achtziger Jahren einen Ausschuss "Schwule, Päderasten und Transsexuelle" (SchwuP). Die Pädophilen bei den Grünen nannten sich damals "Stadtindianer".

Cohn-Bendit distanzierte sich inzwischen von diesen Äußerungen. Bei der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises Mitte April hatte er sie als "unerträgliche Provokation" bezeichnet, die so nicht hätten "geschrieben werden dürfen". Er selbst sowie Kinder und Eltern von damals betonten, es habe keinen Missbrauch gegeben.

Die Debatte schadet der Partei in der Wählergunst aber offensichtlich nicht. Nach einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" verbesserten sich die Grünen gegenüber der Vorwoche um einen Punkt auf 14 Prozent. Emnid befragte vom 23. bis 28. Mai insgesamt 1866 Menschen.

wit/dpa/AFP

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