Claudia Roth gegen Alexander Dobrindt "Das war eine richtige Sauerei"

Claudia Roth ist sauer auf Alexander Dobrindt, weil er ihren Zwischenruf zur Stimmungsmache verdreht. Welche Folgen das hat, hat die Grünen-Politikerin dem CSU-Kollegen nach SPIEGEL-Informationen in einem Brief erklärt.

Claudia Roth
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Die Grünen-Politikerin Claudia Roth hat sich schriftlich über CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt beschwert. Dobrindt hatte im Bundestag behauptet, Roth wolle alle 70 Millionen Menschen, die laut Experten weltweit auf der Flucht sind, in Deutschland aufnehmen.

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Roth bekam seither massenweise Hasspost und Morddrohungen. "Vielleicht interessiert es Sie, welche Konsequenzen Ihre gezielte Wiederholung und bewusste Fehlinterpretation meines ironischen Zwischenrufs hat", schreibt Roth nun in einem Brief an Dobrindt, der dem SPIEGEL vorliegt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

"Zur Veranschaulichung" fügte sie dem Schreiben eine der Hassmails bei. "Sie wissen sicher, was Sie tun. Bedauerlich", heißt es in dem Brief weiter, den Roth in Kopie auch an Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Unionsfraktionschef Volker Kauder (beide CDU) schickte.

Der Ärger geht zurück auf einen Wortwechsel im Bundestag Ende Juni. Dobrindt hatte während einer Bundestagsrede die Grünen gefragt, wie viele der 70 Millionen Menschen, die laut Experten weltweit auf der Flucht sind, sie in Deutschland aufnehmen wollten: "5 Millionen oder 10 Millionen?"

In der folgenden aufgeputschten Stimmung meldete sich Roth laut Bundestagsprotokoll mit einem Zwischenruf zu Wort: "Nein! Alle, Herr Dobrindt!" Roth sagt, das sei erkennbar Ironie gewesen. Dobrindt aber stellte die Äußerung in einer Bundestagsrede eine Woche später als Tatsache hin.

"Das war eine richtige Sauerei von ihm", sagte Roth dem SPIEGEL. Sollte Dobrindt nicht auf ihren Brief antworten, werde sie sich noch etwas anderes überlegen.

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akm



insgesamt 385 Beiträge
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nickleby 28.07.2018
1. Das war keine Ironie
Frau Roth hat durch ihren Zwischenruf deutlich gemacht, dass Ihr das Schicksal der Einheimischen, der Deutschen ziemlich egal ist. Wer in solch einer Situation so etwas sagt, meint das ernst und kann sich nicht später mit "Ironie" herausreden.
derauf 28.07.2018
2. dobrindt hat recht
Es heisst doch seit jahren bei den linken Gutmenschen "kein!Mensch ist illegal"!! ergo kann ja jeder der 70 Mio hier her . Das hört man auch als Forderung in den entsprechenden Zirkel. gaga
kajoter 28.07.2018
3. Typisch
Wenn man hier von Schuld sprechen kann, dann liegt sie bei beiden. Frau Roth sollte endlich begreifen, dass man im Bundestag durchaus auf jedes Wort achten sollte, das man von sich gibt. Und ihr "Alle" ist nicht nur ein Fingerzeig auf eine unbegrenzte Zuwanderung, es richtet zugleich eine Extremposition an die anderen Grünen und deren Anhänger, die nicht wenige wörtlich nehmen werden. Oder man könnte auch sagen, dass Ironie immer im Ohr des Zuhörenden liegt und daher ein sehr fragiles Stilmittel ist, mit dem man sehr vorsichtig umgehen muss, zumal in einer Bundestagsdebatte. Dass sich Dobrindt in seiner unnachahmlich kleingeistigen Art darauf beruft, nein - was sag ich - es förmlich hinausposaunt, das verwundert doch wohl niemanden. Dieser Mensch gehört neben Seehofer wegen intellektueller Verhaltensauffälligkeit aus dem Bundestag ausgeschlossen.
jan07 28.07.2018
4. Keine Fähigkeit zur Selbstreflexion
Wahrscheinlich hat sie das in dem Zusammenhang sogar ironisch gemeint. Trotzdem würde sich jeder noch halbwegs selbstkritische Mensch daraufhin fragen, wie es wohl kommt, dass so viele Menschen diese Aussage von ihr Ernst nehmen. Aber Selbstreflexion gehört sicherlich nicht zu den Kernkompetenzen unserer Bundesempörungsbeauftragten.
timvie 28.07.2018
5. Es tut mir wirklich leid
Die einen singen Pipi-Langstrumpf im BT, die anderen meinen Ihre persönliche Ironie muss jeder verstehen. Da muss erlaubt sein zu sagen: Ich seh nur noch Kasperltheater.
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