Flüchtlingsfeinde in Clausnitz Das Volk? Ihr nicht.

In Clausnitz habt Ihr gebrüllt, weil Ihr Euch stark fühlt gegen Schwache. Jetzt kennt Euch jeder. Der Heimat, die Ihr zu verteidigen wähnt, habt Ihr geschadet.

Ein Brief an die Flüchtlingsfeinde von Clausnitz von

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"Wir sind das Volk!", skandiert Ihr in Clausnitz. Ihr irrt Euch gewaltig.

Ihr seid nicht "das Volk". Ihr habt kein Recht, Euch mit diesem Satz zu schmücken. Er gehört den Menschen, die sich 1989 friedlich gegen die SED-Diktatur erhoben haben, mit Euch hat dieser Satz nichts zu tun.

Ihr meint, Eure Heimat zu verteidigen, indem Ihr alle fernhaltet, die nicht so aussehen wie Ihr, die nicht Eure Sprache sprechen, die nicht Eurer Kultur angehören.

Ihr fühlt Euch stark, wenn Ihr gemeinsam brüllt. Ihr seid erwachsene Männer, die Kinder zum Weinen bringen. Das ist nicht stark, das ist armselig. Ihr seid schwach. Ihr seid so schwach, dass Ihr vor Familien Angst habt, die nichts anderes wollen als ein sicheres Dach über dem Kopf.

Ihr habt Angst davor, von Fremden um Eure Kultur gebracht zu werden. Keine Sorge. Um Eure Kultur beneidet Euch keiner. Niemand will Euch etwas nehmen. Ihr habt nichts zu bieten.

Was also habt Ihr erreicht?

Euer Clausnitz ist jetzt berühmt, als weiteres Dorf in Sachsen, in dem Ausländerfeinde Parolen brüllen. Wer will dort leben, mit Leuten wie Euch? Wer will bei Euch seinen Urlaub verbringen? Bei Euch sein Unternehmen ansiedeln? Wer will mit Euch etwas zu tun haben? Niemand.

Ihr habt den Namen Eures Dorfes in den Dreck gezogen. Der Heimat, die Ihr zu verteidigen wähnt, habt Ihr geschadet. Ihr seid nicht Deutschland, nicht Sachsen, nicht Clausnitz. Ihr seid nur ein Haufen Feiglinge, die sich mächtig fühlen, wenn es gegen Schwache geht.

Ihr zeigt selbst dem besorgtesten Bürger, dass mit Euch kein Staat zu machen ist. Mit Euch wird sich niemand solidarisieren. Dafür seid Ihr zu hässlich und zu herzlos.

Schwenkt keine deutschen Fahnen. Schwarz, Rot und Gold sind nicht Eure Farben. Es sind die Farben der Demokratie, der Freiheit, der Brüderlichkeit. Sucht Euch andere.

Ihr seid nicht das Volk. Ihr seid nur hasserfüllte Krakeeler.

Und Ihr seid Menschen. Also verhaltet Euch gefälligst wie solche.

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Stefan Kuzmany leitet den Bereich Meinung und Debatte bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Stefan_Kuzmany@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 348 Beiträge
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Seite 1
wiealle 19.02.2016
1. Schön, dass das Forum offen ist!
Ich finde den Artikel großartig. Er bringt es auf den Punkt: Ich lebe und arbeit seit fast 20 Jahren in Sachsen. Bin zugewandert und fühle mich hier eigentlich wohl. Mittlerweile über 25 Jobs geschaffen, Kinder bekommen, Freunde gefunden. Aber die "Krakeeler" ziehen das Land in den Dreck. Ich kann nirgendwo von meinem Lebenszentrum erzählen, ohne dass alle sorgenvoll gucken und auch ein bisschen vorwurfsvoll. So ein Mist! Was soll ich nur machen?
prozesskostenhilfe 19.02.2016
2. Mannomann
was ist denn da los? Wo sind wir hingekommen? Ist das noch normal? Und dann die Polizei: klar, dass die Menschen Angst haben, danach in die zugewiesenen Unterkunft zu müssen. Sonst sind überall und sofort Psychologen und ähnliches unproduktives Gedöns in Rudeln bei Fuß - wo waren die denn da, um den Menschen die Angst zu nehmen?
j.w.pepper 19.02.2016
3. Recht so, Herr Kuzmany!
Denken wir daran: Selbst wenn man alle potenziellen AfD-Wähler mit diesem "Volk" gleichsetzen wollte, wäre es vielleicht jeder 15. in der Gesamtbevölkerung. Die anderen 85 Prozent wollen mit solchen Rassisten nichts zu tun haben. Dass sich diese Splittergruppe als "das Volk" bezeichnet, wäre lachhaft, wenn es nicht so traurig wäre.
Koana 19.02.2016
4. Heimatschaden
In diesem unserem Ameisenunmenschenhaufen läuft alles wie geschmiert! Die Schwachen hacken auf die Schwachen, die Intellektuellen kassieren ihre Gagen und reden blasiert, emotionslos, geistig gut rasiert, sprich glatt. Die Geschäftemacher kassieren ihre Beute und der gewöhnliche Nutzmensch tritt im Asylheim die Türe ein. Die einzigen die wirklich "stark" sind, das sind die, die mit jedem Tod, mit jedem Elend, mit jedem Leid, noch ein bisschen reicher werden! Die willigen Helfer gehen nun tagsüber zur Arbeit und Nachts wird gezündelt. Altbekannt und wenn die Konzerne und die Milliardäre noch ein klein wenig gieriger werden, die Politiker noch ein klein wenig mehr Umverteilung von Unten nach Oben organisieren, dann gibt's wohl bald wieder richtig primitive Schlachtrituale - auch hierzulande - andernorts ist das ja nie von der Agenda genommen worden. (Ja blöd, da gibt es Menschen, die dem entkommen wollen und es vielleicht gleich mitbringen, sie werden dem Morden nicht entkommen, da die Menschen hierzulande genauso gierig und blind sind, wie sie es überall auf Erden sind!)
paulaschwarz 19.02.2016
5. Anstand geht anders!
Hat sich da die gesamte sächsische 'Bildungsferne Elite' versammelt? Kein gebildeter Bürger benimmt sich so. Wenn man diese Menschen nicht begrüssen will, sollte man einfach fernbleiben. Aber sich so hässlich zeigen? Man kann sich für diesen Auftritt nur fremdschämen, und bei den Flüchtlingen und ihren Kindern um Entschuldigung bitten.
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