Übergriffe in Bautzen und Clausnitz Tillich sorgt sich um Sachsens Image

Ministerpräsident Tillich stellt nach den fremdenfeindlichen Übergriffen in seinem Bundesland fest: "Der Ruf Sachsens leidet." Es werde Zeit und Kraft kosten, das Image des Freistaats wieder zu verbessern.

Der sächsische Ministerpräsident Tillich (CDU): "Wir wollen den Verfolgungsdruck nun noch weiter erhöhen"
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Der sächsische Ministerpräsident Tillich (CDU): "Wir wollen den Verfolgungsdruck nun noch weiter erhöhen"


Wegen der fremdenfeindlichen Übergriffe sei das Image seines Bundeslandes nachhaltig beschädigt, beklagt Sachsens Ministerpräsident. "Der Ruf Sachsens leidet", sagte der CDU-Politiker der "Saarbrücker Zeitung" eine Woche nach den ausländerfeindlichen Protesten im erzgebirgischen Clausnitz und dem von Gaffern bejubelten Brand einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen am vergangenen Wochenende.

"Es wird uns Kraft und Zeit kosten, den guten Ruf als weltoffenes und inspirierendes Land wieder komplett herzustellen", sagte Tillich. Dabei sei die überwiegende Mehrheit der Sachsen anständig und "genauso wütend wie ich über Anfeindungen und Gewalt gegen Flüchtlinge und Asylbewerber".

Tillich betonte, dass zahlreiche Anschläge auf Asylunterkünfte in den vergangenen Tagen und Wochen aufgeklärt worden seien. Mehrere mutmaßliche Täter säßen in Untersuchungshaft, sagte Tillich dem Blatt. "Wir wollen den Verfolgungsdruck nun noch weiter erhöhen."

Innenausschuss in Dresden debattiert über Polizeieinsatz

Die Vorfälle in Clausnitz beschäftigen am Freitag den sächsischen Landtag. Auf Antrag der Linken wird sich der Innenausschuss in einer Sondersitzung mit dem umstrittenen Polizeieinsatz beschäftigen. Polizisten hatten die Proteste bei der Ankunft von Asylbewerbern nicht unterbunden, brachten aber Flüchtlinge teils unter körperlichem Zwang aus ihrem Bus in die Unterkunft.

Auch Touristen werden mittlerweile von einer Reise nach Sachsen abgeschreckt. Erstmals nach sechs Jahren Wachstum sind die Besucherzahlen für Dresden rückläufig. "Menschen haben sich in dem Zeitraum bewusst gegen einen Dresden-Besuch entschieden und ihre Privat- oder Geschäftsreise abgesagt, wie wir von Veranstaltern und Branchenvertretern wissen", sagte die Geschäftsführerin Dresden Marketing GmbH (DMG), Bettina Bunge. Sie sprach von einem "Pegida-Effekt" und einem Imageverlust für Dresden.

Eine für Freitagabend in Dresden geplante Dankesfeier Tillichs für Flüchtlingshelfer wird von den Übergriffen und dem Umgang der Staatsregierung mit Rechtsextremismus überschattet. Auf Initiative des Netzwerks "Dresden für Alle" soll dem Regierungschef dabei ein offener Brief übergeben werden, in dem er zum Handeln aufgefordert wird. Darin heißt es: "Treten Sie politischen Hetzern wie der AfD oder Politikern aus ihrer eigenen Partei entschieden entgegen."

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syd/AFP/dpa

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