Colmnitz in Sachsen Mit Nazi-Symbolik zum Dorffest

Bei einem Heimatfest im sächsischen Colmnitz liefen Teilnehmer in Wehrmachtsuniformen beim Umzug mit. Gewehre und Hakenkreuze irritierten offenbar nur wenige der Schaulustigen.

Marcus Fischer

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Schon wieder Clausnitz? Der Ort, in dem Dorfbewohner im Februar einen ankommenden Reisebus mit Asylbewerbern angebrüllt haben, um deren Einzug in eine Unterkunft zu verhindern? Nein, diesmal ist es Colmnitz, hört sich ähnlich an, liegt auch ganz in der Nähe von Clausnitz - und pflegt offenbar ähnliche "Brauchtümer".

Im sächsischen Örtchen Colmnitz jedenfalls hat ein Festumzug am Sonntag einen merkwürdigen Anblick geboten. Vertreter von Militaria-Verbänden erschienen anlässlich des "Schul- und Heimatfestes 2016" zur Feier des Tages in Wehrmachtsuniformen mit Hakenkreuzen und Fahrzeugen, die in Tarnfarben besprüht waren. Auf den Fahrzeugen waren Maschinengewehre montiert.

Der sächsische Fotograf Marcus Fischer hat Bilder der irritierenden Szenerie gemacht. Laut seiner Aussagen schienen die umstehenden Besucher des Festzugs jedoch weniger irritiert. "Manche der Schaulustigen haben die Militaria-Fans eher bejubelt und beklatscht", sagte Fischer SPIEGEL ONLINE. Ihn als Fotografen hätten einige halb spöttisch, halb verächtlich als Vertreter der "Lügenpresse" beschimpft.

Nazi-Symbolik, obwohl das Zeigen des Hakenkreuzes im öffentlichen Raum in Deutschland verboten ist? Was hat sich der 22-köpfige Verein, der das Fest organisierte, dabei nur gedacht? Telefonisch war er am Sonntagabend nicht zu erreichen.

Eine Erklärung könnte vielleicht die einzige bekannte Persönlichkeit der rund 1400-Einwohner-Ortschaft sein: Horst Böhme. Er wurde 1909 in Colmnitz geboren und war Oberführer der Schutzstaffel im Dritten Reich sowie Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Prag - eine vorbildliche Karriere in der Nazizeit. Vielleicht wollte der Heimatverein mit seinem provokanten Aufzug an den SS-Mann erinnern? Allein das wäre abenteuerlich genug.

Solche Feste sind in Sachsen nicht untypisch

Doch wirft man einen Blick in das Veranstaltungsprogramm, wird das diesjährige "Colmnitzer Schul- und Heimatfest" nicht etwa gefeiert, weil der Ort ein Jubiläum hat und man die Nazi-Epoche hätte irgendwie darstellen wollen. Nein, gefeiert wurde anlässlich von 110 Jahren Rassegeflügelzuchtverein, 110 Jahren Rassekaninchenzüchterverein, 110 Jahren Freiwilliger Feuerwehr sowie 850 Jahre Kirche Colmnitz.

"So geht sächsische Heimatliebe", schreibt die "Leipziger Internetzeitung". "Ein bisschen Waffen spazieren fahren, Hakenkreuze zeigen und augenzwinkernd an die Nazizeit erinnern. Halt 'Überliefertes und Neues sinnvoll vereinen, pflegen und weiterentwickeln.'"

Letzteres ist ein Hinweis auf die Selbstdarstellung des Heimatvereins auf dessen Website . Dort schreiben die Mitglieder, ihr Ziel sei unter anderem, die "Heimatpflege, Heimatkunde und Heimatgeschichte sowie das heimatliche Brauchtum zu fördern und zu pflegen".

In Sachsen sind Feste dieser Art tatsächlich nicht untypisch. Und Colmnitz, das rund 20 Kilometer von dem mittlerweile zu großer Bekanntheit gelangten Ort Freital entfernt liegt, fällt mit seiner Zurschaustellung von Nazi-Symbolik keineswegs allein auf. 2012 hatte der "Tag der Sachsen" in Freiberg für Diskussionen gesorgt. Militariafreunde zeigten sich damals in Wehrmachtsuniformen und Kampfanzügen der Waffen-SS. Die Stadt Freiberg stellte Strafanzeige, die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen wieder ein.

Dennoch verbot das Festkuratorium der sächsischen Stadt Großenhain, das immerhin vom sächsischen Landtagspräsidenten Matthias Rößler geleitet wurde, zwei Jahre später, Soldaten und Kriegstechnik aus der Nazizeit und der DDR zu zeigen. Begründung: Nach der sächsischen Verfassung sei "eingedenk der leidvollen Erfahrungen der nationalsozialistischen und kommunistischen Gewaltherrschaft" alles zu unterlassen, was Krieg und Diktatur verherrlicht. Diese Festlegung sei im April 2014 nochmals bekräftigt worden.

In Colmnitz scherte sich der Heimatverein aber offenbar nicht um die Querelen zu diesem Thema aus den vergangenen Jahren. Wenigstens aber schien es keine weiteren Zwischenfälle bei dem fragwürdigen Umzug gegeben zu haben. Fotograf Fischer twitterte, dass das Fest ansonsten sehr schön war.



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