Von Marie Preuß
Duisburg - Im blinkenden Diskolicht wirbelt das Karussell "Take Off" kreischende Mädchen durch den Duisburger Nachthimmel. Es ist Hafenfest am größten Binnenschifffahrtshafen Europas. Im Hintergrund schiebt sich gemächlich ein Schiff vorbei. Tief liegt es unter der Last der schweren Container im Wasser. Es ist eines der 20.000 Binnenschiffe, die Jahr für Jahr in den Ruhrhafen einlaufen. Ein bärtiger Herr mit leicht geröteten Wangen steht am Pier, seine Prinz-Heinrich-Mütze tief in der Stirn. "Dat iss ne Kapitänsmütze!" Er ist stolz auf seinen Duisport. "Heut feiern wir unseren Hafen. Sogar der Bürgermeister mit seiner Frau ist da."
Tag und Nacht schwenken Kräne über die Hafenbecken, über Stahl-, Kohle- und Schrottinseln. Sie verfrachten Ware auf LKWs, die Bahn oder weitere Schiffe. Über 100 Millionen Tonnen werden jährlich im Duisport umgeschlagen, mehr als 36.000 Arbeitsplätze hängen daran.

Die Ruhr nach 30 Kilometern - wo ist denn hier das Ruhrgebiet?
Doch das ist nur ein Gesicht der Ruhr. 221 Kilometer östlich im Unterholz des Rothaargebirges. Hochsauerland. Die Blätter auf der Erde sind matschig, der Boden abschüssig. Ein handtellergroßes Loch in der Erde. Das Wasser, das heraus sickert, ist klar. Ein Vater spaziert mit seinem Sohn an der Hand den schmalen Sandweg entlang. "Guck mal, das ist die erste Brücke über die Ruhr." Er zeigt auf ein paar Holzbretter, die über das Rinnsal führen.
Nachdem sie in dem Gebüsch aus dem Boden getreten ist, schlängelt sie sich kilometerlang durch grüne Wälder und Auen, vorbei an romanischen Kirchen und mit Schiefer gedeckten Häusern. In Velmede bei Föckinghausen fließt die Ruhr an einer alten Mühle vorbei. Dahinter türmen sich lange Baumstämme zu großen Haufen. Aus einer Sprenkleranlage werden die Holzberge Stunde um Stunde mit Wasser bespritzt. Ruhrwasser.
Das Holz werde hier "gesund bewässert", erzählt der Bauer, der in der nebenstehenden Garage seinen Vollernter wartet. Der Orkan "Kyrill" hat im Frühling 16 Millionen Festmeter Wald zerstört. "Die Stämme können die nächsten drei Jahre so liegen bleiben, bis wir das Holz verkaufen". Die Ruhr vor der Mühle ist höchstens fünf Meter breit. Gelbe Blumen wachsen am Ufer, klar und kalt zieht das Wasser vorbei. Ein paar weiße Kühe käuen in der Nähe wieder.
30 Kilometer weiter in Arnsberg lehnt ein weißhaariger Herr aus dem Fenster. Paul Wälter kann das Rauschen der Ruhr hören, die fast an seinem Haus vorbeifließt. Sicher, Zechen gab es hier auch in der Gegend, erzählt er. Und ein Sägewerk. In der Werkstatt unten im Haus hat er sein Leben lang als Schreinermeister gearbeitet. Dort hat er seinen Daumen verloren. Sein Glasauge aber stammt "aus dem Weltkriegseinsatz bei Kursk".
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