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26. November 2011, 19:13 Uhr

Comeback des Plagiators

Guttenberg konnte Termin der Verfahrenseinstellung steuern

Der Verdacht lag auf der Hand, jetzt scheint es Belege zu geben: Der Termin der Einstellung des Strafverfahrens gegen Ex-Verteidigungsminister Guttenberg (CSU) war wohl kein Zufall. Der CSU-Mann konnte den Zeitpunkt kurz vor der Veröffentlichung seines Interview-Buchs mitbestimmen.

Frankfurt/Berlin - Der ehemalige Verteidigungsminister und Ex-Doktor der Rechtswissenschaften Karl-Theodor zu Guttenberg hatte die Möglichkeit, das Bekanntwerden der Einstellung des Strafverfahrens gegen ihn wegen seiner Plagiate zu steuern. Dies meldet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Hof, die für das Verfahren zuständig war, habe diese Guttenbergs Anwalt frühzeitig davon informiert, dass sie nach Beendigung des Plagiatsverfahrens eine Pressemitteilung veröffentlichen werde. Das Verfahren habe jedoch erst beendet werden können, nachdem Guttenberg das Bußgeld von 20.000 Euro eingezahlt habe. Auf diese Weise habe der Ex-Minister mitbestimmen können, wann die Einstellung öffentlich wird - indem er die ihm auferlegte Überweisung an die Kinderkrebshilfe auf einen ihm genehmen Zeitpunkt legte.

So ließe sich der zeitliche Zusammenhang zwischen Einstellung des Verfahrens und Veröffentlichung seines ersten Interviews nach Guttenbergs Abtauchen erklären. Die Strategie scheint insofern aufzugehen, als die möglicherweise gesteuerte PR-Unterstützung der Staatsanwaltschaft dem Interviewbuch Guttenbergs einen gehörigen Anschub verpasst hat: Große Teile der Startauflage von 80.000 Exemplaren des am Montag erscheinenden Buches seien bereits von Buchhändlern eingekauft oder von Kunden vorbestellt worden, sagte ein Verlagssprecher am Samstag.

Wie der "Focus" erfahren haben will, arbeitet Guttenberg bereits stärker und länger an einem politischen Comeback als bisher bekannt. Einer Gruppe von CSU-Leuten, die ihn in den USA besucht hätten, habe Guttenberg angedeutet, dass er zeitnah in die Politik zurückkehren wolle. Seither habe er seine Kontakte in die Partei erheblich intensiviert. Im Gespräch mit "Zeit"-Chef Giovanni di Lorenzo hatte Guttenberg wortreich den Eindruck zu zerstreuen versucht, er sei ein Betrüger - und so getan, als sei er gänzlich unentschieden, was seine politischen Ambitionen betreffe.

Ob Guttenbergs Pläne in der CSU auf Gegenliebe stoßen, erscheint zumindest fraglich: Der Parteichef Horst Seehofer ist nach Informationen der "Mitteldeutschen Zeitung" offenbar so nachhaltig verärgert über Guttenbergs abschätzige Äußerungen zur CSU, dass er eine Rückkehr des 39-Jährigen in eine führende politische Funktion mit Mandat der CSU ausschließe.

Auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hat seine Kritik an Guttenberg bekräftigt. Guttenberg habe in einer schwierigen Situation von "seiner politischen Heimat, der CSU", Unterstützung und Solidarität erfahren, sagte Dobrindt der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ich hätte mir schon gewünscht, dass er das jetzt in seinen ersten Erklärungen etwas mehr berücksichtigt. Wer von seiner politischen Familie solche Solidarität erfährt, der sollte davon auch wieder etwas zurückgeben."

kuz/dapd/dpa

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