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Comeback: Guttenberg plant Auftritt beim Karneval

Das Interesse am Interview-Buch des gefallen Polit-Stars Karl-Theodor zu Guttenberg ist enorm, ein Comeback des Adligen scheint sich anzubahnen. Er selbst will Ende Januar erstmals wieder vor großem Publikum in Deutschland auftreten: Ausgerechnet beim Karneval.

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dapd

Karl-Theodor zu Guttenberg: Laudatio vor den Jecken

Berlin/Aachen - Wer die Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg in die Öffentlichkeit in den vergangenen Tagen aufmerksam verfolgt hat, mag es als befremdlich empfinden, mit welcher Uneinsichtigkeit der gefallene Polit-Star eigene Fehler entschuldigt und schön redet. Doch mit einem Comeback könnte es der frühere Verteidigungsminister durchaus ernst meinen.

Inzwischen ist bekannt, wann er sich erstmals seit seinem Rücktritt wieder in Deutschland vor großem Publikum zeigen wird: spätestens Ende Januar. In dem Interview-Buch "Vorerst gescheitert" kündigt er an, bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst des Aachener Karnevalvereins wie versprochen die Laudatio auf den Kabarettisten Ottfried Fischer zu halten. Geschickt gewählt: Die Karnevalssitzung wird in der Regel im Fernsehen übertragen - ein Millionenpublikum schaut zu. "Wenn ich nicht-politische Versprechen gebe, dann halte ich die", sagte er zur Begründung. Politische Versprechen gebe er erst gar keine ab, weil er die selbst nie habe hören können.

Guttenberg hatte den Orden im vergangenen Jahr zugesprochen bekommen, ihn aber bei der Verleihung im Februar 2011 nicht selbst entgegengenommen. Seine Absage Ende Januar hatte er mit der "Lage in Afghanistan" begründet. Für ihn sprang am 19. Februar Bruder Philipp ein und hielt eine viel gelobte Rede. Kurz darauf trat Guttenberg als Verteidigungsminister zurück.

Startauflage fast vergriffen

Ab Dienstag ist Guttenbergs Buch "Vorerst gescheitert" im Handel. Das Interesse ist enorm: Ein Großteil der 80.000 Exemplare umfassenden Startauflage sei bereits durch Buchhändler und Käufer vorbestellt, sagte ein Sprecher des Herder Verlages in Freiburg am Montag. Auf dem Bestseller-Rang des Internethändlers "Amazon" belegte der Gesprächsband des früheren CSU-Hoffnungsträgers am Montag Rang 13.

In dem mehr als 200-seitigen Interview in Buchform attackiert Karl-Theodor zu Guttenberg die Universität Bayreuth und politische Weggefährten. Seiner Uni wirft er vor, in der Plagiatsaffäre "leider nicht unabhängig, wie etwa die Staatsanwaltschaft, sondern immer Partei" gewesen zu sein.

Den CDU-Politikern Annette Schavan, Norbert Lammert und Wolfgang Böhmer wirft Guttenberg vor, ihm in der Affäre ohne Vorwarnung in den Rücken gefallen zu sein. Vor allem Lammert gelten scharfe Worte, der im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre von einem Sargnagel für das Vertrauen in die Demokratie gesprochen haben soll. "Ein Sargnagel braucht immer jemanden, der den Hammer hält und den Sargnagel einschlägt", sagt Guttenberg. "Diese Rolle würde ich dem Autor des Satzes zugestehen. Das war wirklich unglaublich."

Guttenberg war Anfang März zurückgetreten, nachdem in seiner Doktorarbeit zahlreiche ungekennzeichnete Zitate entdeckt worden waren. In dem Interview, das "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo im Oktober in einem Londoner Hotel mit Guttenberg geführt hatte, meldet er sich jetzt erstmals wieder ausführlich zu Wort.

Sein politisches Erbe verteidigt er in dem Buch vehement. Der Ex-Verteidigungsminister wiederholt die These aus seiner Rücktrittserklärung, dass er das Verteidigungsministerium als "bestelltes Haus" hinterlassen habe. Sein Nachfolger Thomas de Maizière habe seine Pläne für die Bundeswehrreform zu 95 Prozent übernommen. Allerdings räumt er beim Krisenmanagement rund um die Plagiatsaffäre auch Fehler ein. Zu Jahresbeginn von den Vorwürfen überrascht, habe er teilweise "völlig falsch reagiert". Er betonte: "Eigentlich habe ich in diesen Tagen immer die falsche Option gewählt." Doch sei er kein Blender, wie Kritiker oft behaupten. "Das ist einfach ein Attribut, das meinem bisherigen Leben nicht gerecht wird." Dieser Begriff werde offenbar "aus blanker Bosheit" genutzt und es werde bis heute nachgetreten.

Ziemlich genau vor einem Jahr war Guttenberg auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Er wurde schon als Kanzlerkandidat gehandelt und in allen Meinungsumfragen war er der beliebteste Politiker Deutschlands.

ler/dpa/dapd

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