AfD-Demo Polizisten wegen rechter Zeitschrift in Einsatzwagen versetzt

Sie steckten das rechte Verschwörungsmagazin "Compact" hinter die Windschutzscheibe, nun wurden sie versetzt: Gegen die zwei Polizeibeamten läuft außerdem ein Disziplinarverfahren.


Zwei Polizisten, die das rechte Verschwörungsmagazin "Compact" vor einer AfD-Demonstration in Jena gut sichtbar in ihr Einsatzfahrzeug legten, werden versetzt.

Die thüringische Landespolizeidirektion bestätigte einen Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), demzufolge die Beamten mit sofortiger Wirkung in eine andern Dienststelle in Thüringen versetzt worden sind.

Eine Sprecherin sagte SPIEGEL ONLINE, gegen die Beamten sei ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Mit beiden seien am Donnerstag "Gespräche geführt" worden.

Vor Beginn der AfD-Kundgebung, zu der sich Hunderte Gegendemonstranten angekündigt hatten, waren einige Teilnehmer verunsichert, wie es angesichts einer rechten Monatszeitschrift im Einsatzfahrzeug um die Neutralität der Polizei bestellt ist.

Die aktuelle Ausgabe der "Compact" zeigt AfD-Chefin Frauke Petry auf dem Cover. Das Blatt hetzte wiederholt gegen Flüchtlinge und bietet rechtspopulistischen, antiamerikanischen und verschwörungstheoretischen Positionen eine Plattform. Bereits am späten Mittwochabend hatte sich die Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter entschuldigt:

Auch der Leiter der Jenaer Landespolizeiinspektion, Thomas Quittenbaum, hat sich laut MDR von dem Vorfall distanziert. Die Polizei bleibe dem Neutralitätsprinzip treu und sei selbstverständlich unparteiisch.

An der AfD-Kundgebung nahmen nach Polizeiangaben etwa 550 Anhänger teil, 2500 Menschen demonstrierten dagegen. Mehrere Hundert Polizisten waren im gesamten Stadtgebiet im Einsatz.

cht/dpa



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