Cottbus Angriff auf Flüchtlinge - Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwerer Körperverletzung

In Cottbus sollen Flüchtlinge bis in ihre Unterkunft verfolgt und schwer verletzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Sie prüft auch Vorwürfe gegen das Sicherheitspersonal.


Die Staatsanwaltschaft Cottbus hat die Ermittlung im Fall eines Angriffs auf Flüchtlinge aufgenommen. Das bestätigte Oberstaatsanwältin Petra Hertwig dem RBB. Mehrere Personen sollen eine kleine Gruppe von Flüchtlingen gemeinschaftlich angegriffen haben. Ein afghanischer Mann soll mit einem Gegenstand, vermutlich mit einer Flasche, niedergeschlagen worden sein. Deshalb gehe es nun um schwere Körperverletzung, sagte Hertwig dem RBB.

Der Vorfall hat sich bereits in der Nacht zum 1. Januar ereignet. Drei afghanische Flüchtlinge waren im südlichen Stadtteil Cottbus nach eigenen Angaben zunächst von mindestens sechs Personen beleidigt, geschlagen und bis zu ihrer Unterkunft verfolgt worden, heißt es in dem Bericht des RBB. Einer der Flüchtlinge sei demnach mit einem gebrochenen Kiefer liegengeblieben und musste offenbar mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden.

Die Schlägerei sei auch in der Unterkunft weitergegangen. Zusammen mit den beiden verbliebenen Flüchtlingen sei nach Angaben eines Betroffenen einer der Angreifer in die Unterkunft gelangt. Die Bürgerinitiative "Cottbus schaut hin", die den Vorfall öffentlich gemacht hatte, erhebt nun schwere Vorwürfe gegen das Wachpersonal.

Blieb das Sicherheitspersonal untätig?

In einer Mitteilung der Initiative heißt es unter Berufung auf Betroffene, der Sicherheitsdienst habe erst verspätet die Polizei gerufen und bei der Schlägerei nur zugesehen. Auch dem RBB bestätigten zwei Betroffene diesen Ablauf.

Die ersten polizeilichen Ermittlungen haben laut RBB eine leicht unterschiedliche Version ergeben: Demnach hätten mehrere Deutsche an der Tür geklingelt, woraufhin die Mitarbeiter diese geöffnet hätten. Am Ende seien vier Männer und zwei Frauen in das Gebäude gerannt und hätten dann die Flüchtlinge angegriffen.

Aktuell werden noch weitere Zeugen vernommen und Videomaterial aus der Überwachungskamera der Unterkunft geprüft. Die Staatsanwaltschaft erwägt offenbar auch eine öffentliche Fahndung. Laut RBB untersucht die Stadtverwaltung derzeit, ob die Wachleute Fehler gemacht hätten. Die Sicherheitskräfte unterstehen der Stadt Cottbus. Aktuell habe die Staatsanwaltschaft aber noch keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des Sicherheitspersonals.

aev

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