Countdown für die Afghanistan-Konferenz Allianz am Abgrund

Eine Analyse von

4. Teil: Die deutsche Strategie - Einschwenken auf die Linie der USA


Guttenberg/Westerwelle: Als die rot-grüne Regierung in den Krieg gegen Serbien zog, bemühten Schröder, Fischer und Scharping geschichtliche Vergleiche, um ihr Tun zu begründen: Eine Art Auschwitz zeichne sich im Kosovo ab. Ein Genozid. Im nachhinein klingt das noch weniger angemessen als damals schon.

Das andere Extrem wählte die Regierung für die kriegsähnlichen Zustände in Afghanistan: großes Understatement. Händeringen. Schweigen. Verlegenheit. Der neue Verteidigungsminister Guttenberg hat ein paar Dinge zurechtgerückt, und dafür kann man ihm dankbar sein. Schöner wäre es allerdings, wenn er konsequent bliebe: Die Soldaten der Bundeswehr sollen jetzt mit den Afghanen "in die Fläche gehen" - in die Dörfer und kleinen Städte, statt sich selbst in ihrer Wagenburg zu bewachen. Ausrücken bedeutet aber zwangsläufig eine größere Gefahr für Leib und Leben. Könnte der Verteidigungsminister auch sagen, sagt er aber nicht.

Wenn der Außenminister Westerwelle darüber spricht, dass die weniger bösen Taliban auf die Seite der Guten gezogen werden sollen, klingt das so, als rede er über Neonazis oder die RAF-Terroristen, die zu Kronzeugen werden könnten. Das ist unangemessen.

Seit mehr als acht Jahren stehen deutsche Soldaten in Afghanistan. Seltsamerweise gibt es keine Vorschläge eines deutschen Generals, was dort zu tun wäre und über die das Kabinett dann beraten würde. Es gibt keine Instanz innerhalb der Regierung, die für politische und militärische Strategien zuständig wäre. Es gibt immer nur die Initiativen der Amerikaner und das deutsche Einschwenken, vorsichtig und gewunden.

Ziemlich schwach für eine gehobene Mittelmacht.

Auf nach London: Für die Londoner Konferenz gibt es zwei Haltungen: Man kann sagen, Amerika hat längst Beschlüsse gefasst, und der Rest des Westens muss sie befolgen - dann wäre die Konferenz nutzlos. Man kann aber auch sagen, der Westen verständigt sich darüber, was in Afghanistan und Pakistan auf dem Spiel steht und was getan werden muss - das ist wirklich eine Konferenz wert.

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akolyth2 23.01.2010
1. Zusammenarbeit
Dies ist vollkommen undenkbar. Eine Erhöhung der Militärpräsenz und eine Ausweitung der militärischen Maßnahmen in Zahl, Intensität und Härte sind die einzigen angezeigten Mittel.
Panslawist 23.01.2010
2.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Gestern Russlands Mahnung zur Bekämpfung der Finanzierung des Terrorismus und heute die Frage nach einer Zusammenarbeit mit den Taliban. Der geneigte Forist mag sich an meine Voraussage bezüglich des kommenden Konflikts zwischen der Nato auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite erinnern. Ein möglicher Konflikt zwischen Pakistan und Indien wird der beginn für den grossen Kriegt sein.
Peter Uhlemann 23.01.2010
3.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Eindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" zu vernichten wird nicht gelingen, nicht heute, nicht morgen, nicht in 100 Jahren.
natterngesicht 23.01.2010
4.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Ja was denn sonst? Schließlich gibt es genug gemäßigte Taliban. Der Westen kann nichts von oben bestimmen, die einheimischen Politiker und Eliten sind zuständig. Und dazu gehören nun mal die Taliban (übersetzt heißt Taliban: Theologe, jemand der sich in Glaubensdingen anstrengt bzw bemüht. Quasi ein Theologiestudent. "Freedom & democracy" ist nur eine andere Theologie. Der Islam hat natürlich bessere Karten bei den Einheimischen.)
natterngesicht 23.01.2010
5.
Zitat von Peter UhlemannEindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" zu vernichten wird nicht gelingen, nicht heute, nicht morgen, nicht in 100 Jahren.
Wer die Taliban vernichten will, der will die meisten Afghanen vernichten. Warum sollte das jemand wollen, außer vielleicht Bush, der wußte, wer oder was böse ist.
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