CSU Aigner wird offenbar doch nicht Fraktionschefin in Bayern

Es ist die spannendste Personalentscheidung in Bayern: Lange galt als sicher, dass Ilse Aigner den Fraktionsvorsitz als Sprungbrett für die Seehofer-Nachfolge anstrebt, doch nun will sie sich offenbar mit einem Landesministerium begnügen. Es wäre ein Sieg für ihren Rivalen Markus Söder.

CSU-Hoffnungsträgerin Aigner: Eine Art Superministerium
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CSU-Hoffnungsträgerin Aigner: Eine Art Superministerium

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Berlin/München - CSU-Hoffnungsträgerin Ilse Aigner will offenbar darauf verzichten, Fraktionschefin der CSU im bayerischen Landtag zu werden. Nach Informationen des SPIEGEL will sich die Bundeslandwirtschaftsministerin, die nach Bayern wechselt, mit einem Ministeramt in München zufriedengeben. Diese Lösung deutete sich nach mehreren Gesprächen an, die CSU-Chef Horst Seehofer in den vergangenen Tagen mit den Bezirksvorsitzenden seiner Partei geführt hatte.

Damit hätte Aigner im parteiinternen Machtkampf gegen Finanzminister Markus Söder eine Niederlage erlitten. Söder wollte Aigner als Fraktionschefin verhindern, weil dieser Posten als ideales Sprungbrett für die Nachfolge von Seehofer als Ministerpräsident und Parteichef gilt.

Söder hat bei seinem Gespräch mit Seehofer offenbar darauf gedrängt, dass Aigner und er sich in der künftigen Regierung "auf Augenhöhe" begegnen sollten. Für den Fall, dass Aigner der Regierung angehöre, verzichte er, Söder, darauf, seinen Anspruch auf die Fraktionsführung anzumelden. In Bayern gilt der Fraktionsvorsitz als ein einflussreicheres Amt als ein Ministerposten.

Aigner ließ sich in ihrem Gespräch mit Seehofer darauf ein, in der künftigen Staatsregierung eine Art Superministerium zu übernehmen. Dies berichten mit den Verhandlungen vertraute Personen. Auch wenn der genaue Zuschnitt noch offen ist, könnte dies das Wirtschaftsministerium sein, das um die Kompetenzen Energie und Medien erweitert wird.

Ein Sprecher Seehofers wollte die Informationen des SPIEGEL weder bestätigen noch dementieren. "Es sind noch keine Personalentscheidungen gefallen", sagte er lediglich. Ein Vertrauter Seehofers sagte dem SPIEGEL jedoch: "Es stimmt." Offiziell kommt die Landtagsfraktion am Mittwoch erstmals nach der bayerischen Landtagswahl zusammen.

Söder ist zwar nicht besonders beliebt, aber gut vernetzt

Mit Aigners Verzicht käme das monatelange Ringen um den Fraktionsvorsitz zu einem Ende. Weder Aigner noch Söder haben in der Vergangenheit einen Hehl daraus gemacht, dass sie Seehofer in einigen Jahren als Ministerpräsident nachfolgen wollen. Dabei sind die Ausgangslagen unterschiedlich. Söder ist in Bayern zwar nicht übermäßig beliebt, in der CSU aber gut vernetzt. Sein Gewicht ist zudem gestiegen, seit ihn Seehofer bei einer Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr öffentlich runtergeputzt hat. Viele haben sich damals mit Söder solidarisiert. Aigner dagegen ist zwar Chefin des mächtigen Bezirksverbandes Oberbayern. Sie kommt jedoch aus Berlin und muss sich in der bayerischen Landespolitik erst noch bewähren. Der mächtige Posten als Fraktionsvorsitzende wäre dafür ideal gewesen.

Allerdings gibt es in München auch eine andere Interpretation von Aigners Bereitschaft, ein Ministeramt zu übernehmen. Nach dieser Lesart wäre Aigners Verzicht auf den Fraktionsvorsitz sinnvoll, weil ihre Ernennung zur Fraktionschefin als eine Vorentscheidung für die Seehofer-Nachfolge angesehen worden wäre. Jede ihrer Reden im Landtag, jeder Auftritt wäre darauf abgeklopft worden, ob sie dem Amt des Ministerpräsidenten auch wirklich gewachsen ist. Als freundliche Ministerin, die noch dazu Geld im Land verteilen darf, könne sich Aigner nun besser als Landesmutter positionieren, heißt es.

Profitieren würde von Aigners Verzicht ein Dritter: Möglicherweise schlägt Seehofer nun Thomas Kreuzer als Fraktionschef vor. Bislang ist Kreuzer Seehofers Staatskanzleichef, das Verhältnis zwischen beiden gilt als vertrauensvoll. Zudem war Kreuzer schon lange Jahre stellvertretender Fraktionschef.

Die Bayern-Soap Aigner gegen Söder neigt sich offenbar einem vorläufigen Ende zu. Fortsetzung folgt - spätestens, wenn die Frage nach Seehofers Nachfolge ansteht.

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insgesamt 31 Beiträge
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soppo50 25.09.2013
1. Horsti wirds schon richten
ob Aigner oder Söder....einer wird gewinnen...
westerwäller 25.09.2013
2. Wie bei jedem Artikel über die CSU ...
... das Spiel ist eröffnet! Wer bekommt am meisten "Amigos" in seinem Beitrag wieder?
cjbrummer 25.09.2013
3. Immer die Oberbayern ...
Ich bin dafür, dass die Oberbayern ohnehin zuviel Einfluss auf die Bayrischen Geschicke haben! Von daher hätte Frau Aigner ruhig in Berlin bleiben können! Lieber mal einen kernigen Söder aus dem Norden!
Freewolfgang 25.09.2013
4. Ilse als Landesmutter?
Ilse Aigner als politisches Schwergewicht bezeichnen zu wollen, entspricht nicht den Fakten - zumindest wenn man ihre Arbeit in Berlin näher beleuchtet. Im Rahmen der - während ihrer Amtszeit immer wieder vorkommenden - Lebensmittelskandale kündigte sie stets hartes Vorgehen an, nachdem sie öffentlichkeitswirksam zunächst Betroffenheit gezeigt hatte. In die Tat umgesetzt aber wurde wenig. Es bleibt abzuwarten was sie in Bayern anders - besser? - machen wird. Letztlich werden Menschen nach ihrer Leistung beurteilt, und diese muss sie in Bayern erst noch erbringen. Markus Söder mag nicht beliebt sein, hat jedoch als "Seehofers Allzweckwaffe" bewiesen, dass er Ämter ausfüllen und diesen seinen Stempel aufdrücken kann. Ob allerdings die CSU nochmal einen Franken an der Spitze der Partei oder des Landes sehen möchte, bleibt ebenso abzuwarten wie die Leistungsbilanz der Ilse Aigner in Bayern.
BettyB. 25.09.2013
5. Na toll
So etwas nennt man vertauensvolle Zusammenarbeit mit Seehofer. Fehlt nur noch, dass er ihr großzügig das Landwirtschaftsministerium anbietet. Erinnert stark an die Frau, die er schwangette, um dann reumütig in den Schoß der Familie zurückkehrte...
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