Ungewöhnliches Lob Seehofer schwärmt von Nahles

So überschwänglich preist Horst Seehofer nicht mal seine Parteifreunde: Der bayerische Ministerpräsident nennt Sozialdemokratin Nahles "eine sehr gute Ministerin". Er sieht sie zu Höherem berufen.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und CSU-Chef Horst Seehofer
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Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und CSU-Chef Horst Seehofer


CSU-Chef Horst Seehofer ist nicht unbedingt dafür bekannt, überschwängliches Lob in Richtung SPD zu verteilen - weder inhaltlich noch personell. An den Rentenplänen von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) etwa übte Seehofer noch vor zwei Wochen scharfe Kritik. Eine mögliche Beitragserhöhung wäre "Gift für den Arbeitsmarkt", schimpfte der bayerische Ministerpräsident.

Nun aber hat Seehofer die Sozialdemokratin in höchsten Tönen gelobt. "Sie ist eine sehr gute Ministerin und bei Verhandlungen optimal vorbereitet. Dabei vertritt sie in der Darstellung klare Standpunkte. Sie ist bei den Fakten sattelfest - auch wenn ich oft dazu eine andere Meinung habe. Ich bin mir sicher, dass sie die letzte Stufe ihrer Karriere noch vor sich hat", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag". Er habe Nahles am Rande von Koalitionsgesprächen in Berlin sogar angeboten, Mitglied der CSU in Ingolstadt zu werden. Die SPD-Politikerin habe jedoch dankend abgelehnt. Sie wolle lieber in ihrer Heimat, der Eifel, und in der SPD bleiben.

Mit seiner Meinung ist Seehofer in der Union nicht allein: Nahles gilt als "Musterschülerin" der SPD. Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte der Zeitung: "Für eine linke Sozialdemokratin betreibt sie eine erstaunlich pragmatische Politik. Sie stimmt ihre Projekte rechtzeitig mit uns ab."

Nahles hingegen ging CDU und CSU beim Landesparteitag der bayerischen SPD scharf an. Angela Merkel, Kanzlerin und CDU-Chefin, ist nach Meinung der Arbeitsministerin angezählt. "Ich rieche ihre Schwäche", sagte Nahles über Merkel in Nürnberg. Die SPD brauche nur abzuwarten, wie sich die CDU zerlege. Der Essener Parteitag habe gezeigt, dass die CDU, sobald Merkel den Raum verlasse, tief gespalten sei: "Dann lässt sie die Sau raus, dann zeigt sie ihr wahres Gesicht beim Doppelpass, beim Burka-Verbot, dann tritt sie ihrer Kanzlerin in den Hintern", so Nahles.

Über das von der CSU vorgelegte und vom bayerischen Landtag beschlossene Integrationsgesetz sagte die SPD-Ministerin: "Diese CSU in diesem Land hat mit dem Integrationsgesetz eine Mauer gebaut, wie es wohl kaum schlimmer hätte kommen können. Nämlich nicht eine Mauer aus Stein, sondern eine Mauer in den Köpfen. Eine Mauer, die die Menschen in ihrem tiefsten Inneren spaltet."

anr/dpa



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