CSU-Chef Seehofer: Plötzlich schüchtern

Unionspolitiker Seehofer, Merkel: Differenzen? I wo! Zur Großansicht
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Unionspolitiker Seehofer, Merkel: Differenzen? I wo!

In den nächsten zwei Monaten will er ein anderer sein: Horst Seehofer gelobt bis zur Bundestagswahl Zurückhaltung im Verhältnis zur Schwesterpartei CDU. Man müsse mit einem "schüchternen Seehofer" rechnen, sagte der CSU-Chef bei einem Auftritt mit Kanzlerin Merkel.

Berlin/Banz - CSU-Chef Horst Seehofer verspricht der Union Selbstdisziplinierung im Bundestagswahlkampf: Bis zum 22. September wolle er keine schlagzeilenträchtige Aufregung mehr verursachen. "Sie müssen einfach mit dem schüchternen Seehofer die nächsten acht Wochen rechnen", sagte der bayerische Ministerpräsident am Dienstag zum Auftakt der CSU-Klausur im oberfränkischen Kloster Banz.

Seehofer hatte in der Vergangenheit immer mal wieder mit scharfen Attacken gegen Politiker aus den eigenen Reihen für Schlagzeilen gesorgt - insbesondere gegen Vertreter der Schwesterpartei CDU. Schüchternheit bedeute für ihn, dass man "keinen Stoff für Unterhaltung" bieten wolle, sagte Seehofer bei einem gemeinsamen Auftritt mit Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Darauf entgegnete die Kanzlerin: "Die Interpretation des Wortes machst du mal lieber."

Bayern steht in diesem Wahljahr besonders im Fokus, weil am 15. September und damit eine Woche vor der Bundestagswahl ein neuer Landtag gewählt wird. Die CSU liegt zwar in Umfragen in Bayern weit vor allen anderen Parteien. Weil ein mögliches Dreierbündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern zusammen aber nur wenige Prozentpunkte hinter den Christsozialen liegt, fürchten diese um die seit Jahrzehnten bestehende Regierung. Seehofer sagte zur Bedeutung der Urnengänge im Bund und in Bayern, "beide Wahlen sind eine Schlüsselwahl".

Merkel zur Spähaffäre: Weiter Aufklärungsbedarf

Merkel betonte bei dem Auftritt, sie sehe weiterhin Aufklärungsbedarf wegen der Spähvorwürfe gegen den US-Geheimdienst NSA. "Es gibt einige Fragen zu klären", sagte die Kanzlerin in Banz. Zusammen mit Seehofer betonte Merkel die Gemeinsamkeiten der beiden Parteien. CDU und CSU würden sich durch "Geschlossenheit und Eintracht" auszeichnen, sagte Seehofer.

Zuletzt hatte Seehofer darauf gedrungen, dass sich die Union komplett von der bisher anvisierten Vorratsdatenspeicherung verabschiedet. Das hatte in der CDU, aber auch in den Reihen der CSU für große Verwirrung gesorgt. In einem Interview erneuerte Seehofer nun seinen Vorstoß.

Auf die Journalistenfrage zu Differenzen beider Parteien in der Verkehrspolitik - die CSU macht sich im Unterschied zur CDU für eine Pkw-Maut für ausländische Autofahrer stark - sagte Merkel ansatzweise philosophisch: "Damit es Unterschiede gibt, muss es ja auch Unterschiede geben." Ihre Haltung zur Pkw-Maut habe sich jedenfalls nicht geändert, so die Kanzlerin.

flo/hen/dpa/AFP

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insgesamt 51 Beiträge
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1.
antonwitt 09.07.2013
Jetzt steigen die Kreidepreise in Bayern. Seehofer das Seelchen
2. Seehofer...
lövgren 09.07.2013
...hat's geschafft. Er kann seinen Wählern ganz offen sagen, die nächsten Wochen spiele ich euch was vor, was ich nicht bin, aber die die mich wählen sollen sind so dumm, dass sie es nicht merken oder es ihnen schlichtweg egal ist.
3. Propaganda läuft immer gleich ab
tulius-rex 09.07.2013
Montag: Merkel tingelt mit ausführlicher Berichterstattung durch die Provinz. Dienstag: Seehofer und Merkel vertragen sich öffentlich. Mittwoch: Merkel erhält Zustimmung von 60% (nach FORSA). Donnerstag: FDP sorgt sich angeblich um Bürgerrechte. Freitag: CSU in Bayern gewinnt die absolute Mehrheit. Samstag: Steinbrück taugt nichts und ist unsympathisch. Die Wahltage 15.09. und 22.09. werden es weisen. Ihr werdet euch noch wundern, Freunde.
4. Soso...
Dengar 09.07.2013
"Damit es Unterschiede gibt, muss ja auch Unterschiede geben"...das nenne ich nicht "philosophisch" sondern allenfalls sinnentleert, wie eigentlich alles, was die Merkelsche so absondert...Ihr Euphemisten, Ihr;-)
5. Sich verstecken, sich rar machen, nicht auffallen
hidra 09.07.2013
Wenn man dies , wie die jetzige Regierung und speziell die Kanzlerin samt Fuehrungspersonal praktiziert, kann man nicht anleiten. Es geht doch hier um reinen Machterhalt um jeden Preis. Eine Gesellschaft braucht Ideen und klare Aussagen und die Menschen sollten mit Achtung und Respekt behandelt werden. Arroganz und Hochmut bringen nichts, dies hat zum Verfall von Reichen wie Rom und Aegypten unter Ramses gefuehrt und das kann auch in der Gegenwart und Zukunft passieren .
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