Planspiele der CSU für 2013: Die Guttenberg-Hoffnung

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Kommt er schon im nächsten Jahr zurück? Die Ankündigung von CSU-Chef Seehofer, Karl-Theodor zu Guttenberg nach der Wahl 2013 zu reaktivieren, elektrisiert die Union. Doch die Guttenberg-Kritiker melden sich auch wieder zu Wort - sie glauben nicht an ein Comeback.

CSU-Chef Seehofer (vorne) und CSU-Politiker Guttenberg: Werben für eine Rückkehr Zur Großansicht
dapd

CSU-Chef Seehofer (vorne) und CSU-Politiker Guttenberg: Werben für eine Rückkehr

Berlin - Er ist eine der schillerndsten Figuren im deutschen Politikgeschäft: Karl-Theodor zu Guttenberg. Vielen in der Union galt er als kommender Kanzlerkandidat, kaum ein Politiker wurde in jüngerer Zeit so von den Medien beachtet, der Glamourfaktor an der Seite seiner Frau Stephanie war hoch. Doch dann stürzte der Verteidigungsminister über die Plagiatsaffäre, zog sich aus der Politik zurück und lebt heute mit seiner Familie im US-Bundesstaat Connecticut.

Nun sorgt die Ankündigung eines möglichen Guttenberg-Comebacks für Wirbel. CSU-Parteichef Horst Seehofer hatte auf dem CSU-Parteitag angekündigt, sich um eine Rückkehr Guttenbergs nach den Wahlen zum Bundestag und in Bayern 2013 zu bemühen. Die Union ist elektrisiert, viele stellen sich die Frage: Wird der Adelige sich darauf einlassen? Wird er wieder mitspielen in der Arena der CSU? Und: Wird er in der sich argwöhnisch beäugenden CSU-Truppe überhaupt einen prominenten Platz finden? Manche unken, er könnte 2014 auf der CSU-Liste für das Europaparlament kandieren. Darüber, sagt Seehofer in München, habe er noch nicht nachgedacht.

Guttenberg-Unterstützer aus der CSU

Seehofers wärmende Worte haben eines auf jeden Fall erreicht - die Debatte um Guttenberg ist eröffnet. Eine, die vehement für Guttenberg Partei ergreift, ist die Tochter des früheren CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß, Monika Hohlmeier. "Ich persönlich halte Karl-Theodor nach wie vor für einen der begabtesten Politiker Deutschlands und würde mich darüber freuen, wenn er sich dafür entscheiden würde, politisch wieder in den Ring zu steigen. Ob wiederkommt, muss er mit seiner Familie selbst entscheiden", sagt sie am Sonntag SPIEGEL ONLINE. Er habe politisch schwere Zeiten hinter sich, habe "alle Anspruchsberechtigungen" auf eine zweite Chance.

"Wer ihn näher kennt, der weiß, mit welch hohem Engagement er sich politisch eingebracht hat", sagt die frühere bayerische Kultusministerin, die heute für die CSU im Europaparlament sitzt. Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis ist für Guttenberg. "Ich halte eine Rückkehr Guttenbergs für richtig, wenn er das will. Ich unterstütze deshalb das Bemühen Seehofers und werbe auch dafür", sagt er.

Und Guttenberg selbst? Er nimmt bislang keine Stellung. In Deutschland ist er selten, manchmal taucht er in seiner Heimat auf, viel Aufhebens macht er darum nicht. In Berlin wurde er schon mal bei einem Besuch einer hippen Bar von Polit-Aktivisten mit einer Sahnetorte bedacht, er nahm die Attacke mit Humor. Mit öffentlichen Äußerungen hält er sich zurück, seitdem sein Buch "Vorerst gescheitert", das wenige Monate nach seinem Rücktritt erschien, harsch kritisiert wurde. Viele fanden ihn selbstgerecht. Jüngst überraschte er die Öffentlichkeit, als er das Scheitern der Fusion von EADS und BAE zu einem der größten Rüstungsschmieden beklagte. In der CSU-Bundestagsfraktion kam die Schelte weniger gut an - jüngere Kollegen, die sich intensiv in die Materie eingearbeitet hatten, hätten sich düpiert gefühlt, heißt es.

Scherbenhaufen Bundeswehr-Reform

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Karl-Theodor zu Guttenberg: Vom Rücktritt zum Comeback?
Dass Seehofer -nicht zum ersten Mal - Hoffnungen auf eine Rückkehr Guttenbergs nährt, stößt bei manchen in der Partei übel auf. "Seehofer würde doch alles tun, um die kommenden Landtagswahlen zu gewinnen, seine Ankündigung ist taktisch motiviert, um die verbliebenen Guttenberg-Fans für die CSU zu gewinnen", analysiert ein Christsozialer den Schachzug des Parteichefs und bayerischen Ministerpräsidenten.

Seehofers Ankündigung hat manche in der Union erfreut, andere stößt sie ab - sie erkennen nicht, dass Guttenberg aus der Plagiatsaffäre wirklich gelernt hat. Sie verübeln ihm auch, es als Verteidigungsminister bei der Bundeswehrreform bei Ankündigungen belassen zu haben. "Wir sind", sagt ein Unionsmann, "doch immer noch dabei, die Scherben seiner Amtszeit aufzukehren."

Nicht nur in der Union, auch beim Koalitionspartner FDP schütteln sie mit dem Kopf, wenn die Rede auf Guttenberg kommt. "Für Seehofer scheint der Mann so etwas wie ein Vexierbild zu sein, das man gern wieder anschaut. Da der einst verborgene Betrug aufgedeckt ist, überwiegt jetzt wieder die vordergründige Schönheit", ätzt ein führender Liberaler. Die Opposition in Bayern sieht eine mögliche Rückkehr des Gefallenen mit einer Mischung aus Gelassenheit und Sarkasmus. Bayerns SPD-Landeschef Florian Pronold erklärt: "Das sagt viel über die dünne Personaldecke der CSU, wenn sie jetzt schon verzweifelt einen verbrauchten und längst entzauberten Politikblender aus dem Exil zurückholen will."

Guttenberg an einer herausragenden Stelle, gar als Minister in Bayern, das ist kaum noch vorstellbar. Die Konkurrenz unter den Jungen in der CSU, auch unter seinen früheren Gefolgsleuten, sei hart, heißt es in der Union. Auf dem CSU-Parteitag war eines der Hauptthemen, wer dem 63-jährigen Seehofer folgen könnte - der Name Guttenbergs fiel nicht. Auch für die Opposition hat der einstige Hoffnungsträger der CSU seinen Schrecken längst verloren. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bringt es kurz und bündig auf einen Satz: "Guttenberg ist keine Bedrohung mehr, weil er auch in Zukunft das Image eines Blenders haben wird."

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insgesamt 112 Beiträge
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1. Seehof fehlen die Leute,
Nabob 21.10.2012
Zitat von sysopdapdKommt er schon im nächsten Jahr zurück? Die Ankündigung von CSU-Chef Seehofer, Karl-Theodor zu Guttenberg, nach der Wahl 2013 zu reaktivieren, elektrisiert die Union. Doch die Guttenberg-Kritiker melden sich auch wieder zu Wort - sie glauben nicht an ein Comeback. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-debattiert-ueber-die-rueckkehr-von-guttenberg-a-862553.html
anderweitig würde er nicht, schon gar nicht so früh nach dem Herrn Rechtsreferendaren rufen. Und bitte bedenken: Die Nachfolger in Wirtschafts- und Verteidigungsministerium raufen sich ja immer noch die Haare. Da jedoch die Meinungen von Seehofer bekanntlich schneller wechseln, als das Wetter, kann es auch sein, daß er es nur erwähnt, um mal die aktuelle Resonanz auf zu Guttenberg in den Medien sowie in der Öffentlichkeit zu testen.
2. Ich stell mir immer wider die Frage
raumschautor 21.10.2012
Zitat von sysopdapdKommt er schon im nächsten Jahr zurück? Die Ankündigung von CSU-Chef Seehofer, Karl-Theodor zu Guttenberg, nach der Wahl 2013 zu reaktivieren, elektrisiert die Union. Doch die Guttenberg-Kritiker melden sich auch wieder zu Wort - sie glauben nicht an ein Comeback. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-debattiert-ueber-die-rueckkehr-von-guttenberg-a-862553.html
Warum der Spiegel sich eigentlich nicht darauf konzentriert die Leistungen der politischen Parteien und der Regierung kritisch zu hinterfragen. Beispielsweise: Was hat die Regierung in den letzten 12 Monaten für die Menschen getan? Wird Sie Ihrer Rolle als Regierung gerecht? Es wird immer nur noch über parteipolitische Mäzschen berichtet. Keine ernstzunehmende Berichterstattung, geschweige denn investigativer Journalismus.
3. ...
cato. 21.10.2012
Zitat von sysopdapdKommt er schon im nächsten Jahr zurück? Die Ankündigung von CSU-Chef Seehofer, Karl-Theodor zu Guttenberg, nach der Wahl 2013 zu reaktivieren, elektrisiert die Union. Doch die Guttenberg-Kritiker melden sich auch wieder zu Wort - sie glauben nicht an ein Comeback. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-debattiert-ueber-die-rueckkehr-von-guttenberg-a-862553.html
Na super jetzt will es die Union genauso machen wie die Grünen mit Cem Özdemir. Erstmal in die Staaten gehen um da zur Amerikafreundlichen "Führungskraft" ausgebildet zu werden, ne Zeitlang unterm Radar der Bevölkerung im EU Parlament wieder Kontakte knüpfen, um dann von aller Schuld reingewaschen sich wieder an die Spitze der Bundespolitik zu stellen...
4. Titel:Spiegel
kdshp 21.10.2012
Zitat von raumschautorWarum der Spiegel sich eigentlich nicht darauf konzentriert die Leistungen der politischen Parteien und der Regierung kritisch zu hinterfragen. Beispielsweise: Was hat die Regierung in den letzten 12 Monaten für die Menschen getan? Wird Sie Ihrer Rolle als Regierung gerecht? Es wird immer nur noch über parteipolitische Mäzschen berichtet. Keine ernstzunehmende Berichterstattung, geschweige denn investigativer Journalismus.
Hallo, ich denke weil es da NIX gibt weil diese bundesregierung doch nur chaos verursacht und mit sich selber zu kämpfen hat. Dazu kommt noch der MERKEL BONUS denn ist ihnen mal aufgefallen das über frau merkel so gut wie garnicht kritisch berichtet wird.
5. Begabung hin oder her …
Dr.pol.Emik 21.10.2012
… auch wenn die Hohlmeier ihn für begabt hält, so ist es wohl eine schlechtes Argument jemanden wieder in Positionen hieven zu wollen weil er beliebt ist. Erinnert ein wenig an Fußball und die teuren Einkäufe bei den Spielern. Zeigt eigentlich nurmehr wie verkommen die Politik ist. *Kaiser (in spe) Karl Theodor vuz Guttenberg greift nach der Krone* (http://qpress.de/2011/12/12/kaiser-in-spe-karl-theodor-vuz-guttenberg-greift-nach-der-krone/) … den Schmäh gab es schon Ende des letzten Jahres, dem gibt es kaum etwas hinzuzufügen, außer dass man eine Glamourerscheinung heute nicht unbedingt braucht. Intelligente eigene (nicht kopierte Ansätze) zum Fortkommen in dieser Gesellschaft könnten da helfen, gerne auch als Doktorarbeit … (°!°)
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