Deutschpflicht für Migranten CSU-Generalsekretär unternimmt Versuch, Position seiner Partei klar auszudrücken

Wer als Migrant seine Sprachkenntnisse verbessern will, kann vom CSU-Generalsekretär viel lernen. Mit feinziselierter Rhetorik versucht Andreas Scheuer, die peinliche Forderung seiner Partei nach einer Deutschpflicht für Daheim umzudeuten.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: Keine Vorschrift, keine Pflicht, keine Kontrolle
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CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: Keine Vorschrift, keine Pflicht, keine Kontrolle


Hamburg - Es war, wie so oft in der Politik, der hundsgemeine Gegner, der mutwillig ein Missverständnis herbeigeredet, der boshaft einen konstruktiven Vorschlag bis zur Unkenntlichkeit verzerrt dargestellt hat. So muss man wohl CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer verstehen, der in einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse" jetzt Stellung zur Forderung seiner Partei nahm, Migranten mögen daheim doch gefälligst Deutsch sprechen.

Scheuer ließ wissen, dass in der Diskussion über einen entsprechenden Leitantragsentwurf für den CSU-Parteitag, den der Vorstand am Montag begutachten soll, vieles sehr verkürzt und falsch wiedergegeben werde. Man wolle gar "keine Vorschrift, keine Pflicht und keine Kontrolle. Die Kritik ist an den Haaren herbeigezogen", sie entbehre jeglicher Grundlage. Dass die CSU eine Art Sprachpolizei fordern könnte, wäre demnach ein verfehlter erster Eindruck, obwohl es in dem Entwurf offenbar heißt: "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie Deutsch zu sprechen".

"Sehr viel Zuspruch"

Jemanden anzuhalten - das sei Scheuer gemäß nun aber nicht als Pflicht oder staatlicher Eingriff misszuverstehen, sondern eher als Ansporn zu betrachten; es gehe "um Motivation und nicht um Gängelung, Verbote und Kontrolle". Und im Übrigen sei festzuhalten: "Die deutsche Sprache ist der Hauptschlüssel zur Integration. Da kann doch keiner was dagegen haben".

Über einzelne Formulierungen, das gesteht ein sprachsensibler CSU-Politiker wie er selbstredend ein, könne man streiten. "Auf unseren Veranstaltungen und in den Sozialen Netzwerken gibt es sehr viel Zuspruch", wusste der CSU-Generalsekretär jedenfalls ergänzend zu berichten.

Was zumindest insofern eine korrekte Beobachtung ist, wenn man bedenkt, dass die CSU-Idee ja wirklich für große Resonanz gesorgt hat. Zum Beispiel bei seinem Kollegen Peter Tauber von der Schwesterpartei CDU, der den CSU-Vorschlag ablehnt, aber die Debatte um einen hübschen Farbtupfer bereichert hat, indem er "Klingonisch" als mögliche Sprache für migrantisch geprägte Wohnzimmer ins Spiel brachte. Oder auch bei Twitter, wo unter dem Hashtag #YallaCSU eifrig darüber debattiert wird, ob künftig etwa auch auf dem Nockherberg oder in bayerischen Wohnzimmern hochdeutsch gesprochen werden müsse.

Schon jetzt also ein voller Erfolg, die CSU-Initiative; insbesondere da sie, wie Scheuer ebenfalls betonte, schon allein qua ihrer Existenz für den Umgang mit Sprache an sich sensibilisieren solle. "Wir wollen die deutsche Sprache wieder ins Zentrum der Diskussion rücken", drückte es der CSU-Generalsekretär aus. Mission accomplished.

tdo



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