Seehofers CSU-Personal Drei Lederhosen und ein Dirndl

Der neue Superinnenminister Horst Seehofer hätte ein Stück bundesdeutsche Frauengeschichte mitschreiben können. Stattdessen zeigt der CSU-Politiker sich als einer, der die Zukunft nicht verstanden hat.

Zwei von diesen drei Menschen schickt die CSU als Bundesminister nach Berlin
DPA

Zwei von diesen drei Menschen schickt die CSU als Bundesminister nach Berlin

Ein Kommentar von


Es hätte nur eine Frau der CSU gebraucht, und dem vierten Kabinett der ersten Kanzlerin der Bundesrepublik würden ebenso viele Frauen wie Männer angehören. Doch ein gleichberechtigtes Kabinett scheitert an dem Patriarchen der CSU: Horst Seehofer. Er will offenbar nicht erkennen, dass die Zukunft, auch die seiner Partei, weiblicher wird. So verpasst er es, eine potentielle künftige Spitzenkandidatin aufzubauen und statt nur einer Option (in diesem Fall: Dorothee Bär) mehrere Anwärterinnen auf künftige Positionen im Bund vorzubereiten.

Selbst die CDU hat es inzwischen begriffen.

Angela Merkel hatte im Sommer des vergangenen Jahres angekündigt, im Falle einer Wiederwahl die Hälfte aller Ministerposten der CDU mit Frauen zu besetzen. Die Zukunft der CDU müsse jünger, weiblicher und bunter werden, mahnte der scheidende Generalsekretär Peter Tauber im Februar dieses Jahres. Merkel erfüllte ihr Versprechen - die Ministerämter der CDU sind paritätisch besetzt, jünger ist das Personal auch. Auch die SPD hat angekündigt, ihre sechs Ministerposten paritätisch zu besetzen.

Nun hätte Seehofer ein Stück Frauengeschichte der Bundesrepublik mitschreiben können. Doch offenbar wollte er nicht. Stattdessen holte er mit Andreas Scheuer einen Lautsprecher und mit Gerd Müller einen braven Fachpolitiker ins Kabinett.

Der Nochministerpräsident verkennt die Chance, die eine bayerische Bundesministerin der CSU gebracht hätte: Merkel, ihre neue Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zeigen, dass konservative Politik ohne Frauen in der CDU nicht mehr denkbar ist. Sie knüpfen Netzwerke, sie entscheiden mit, wie die Bundesrepublik der Zukunft aussieht. Annegret Kramp-Karrenbauer wird als Generalsekretärin der CDU das neue Grundsatzprogramm maßgeblich beeinflussen - und so zur Schirmherrin der Modernisierung der CDU werden.

Fotostrecke

10  Bilder
Große Koalition: Das ist das CSU-Personal

Seehofer und seine Männer setzen Frauen nicht an zentrale Schaltstellen der Macht. Für die CSU ist das ein Fehler, der sich später rächen könnte. Dem notorischen "Boys Club" in Berlin steht eine immer größer und mächtiger werdende Riege an Frauen in der Politik gegenüber. Für Jungpolitiker, die im Männerverein der CSU sozialisiert werden, könnte es schwierig werden, mit den Unionsfrauen der Zukunft zusammenzuarbeiten oder gar gegen sie anzukommen.

Statt eine Frau in ein Ministeramt zu berufen, bedient sich Seehofer der Politik des Feigenblatts. Er macht Dorothee Bär, bislang parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium, zur Staatssekretärin für Digitales im Kanzleramt. Weil die Stelle im Kanzleramt angesiedelt ist, ist Bär künftig nicht mehr Staatssekretärin, sondern Staatsministerin. Klingt viel besser und hat für Seehofer den angenehmen Nebeneffekt, dass in der bayerischen Landespolitik die echten Minister Staatsminister heißen. Zumindest daheim wird der Unterschied da nur Politik-Feinschmeckern auffallen.

Doch etwas hat Seehofer unterschätzt: In Berlin genießen die Minister aufgrund ihres Amtes eine höhere Aufmerksamkeit als zum Beispiel Staatssekretäre. Eine Frau aus Bayern hätte den Themen der CSU mehr Öffentlichkeit gebracht, allein, weil sie die einzige Bundesministerin der Christsozialen gewesen wäre. So wird die CSU wieder einmal hauptsächlich Aufmerksamkeit für möglichst protzig formulierte, querulatorische Rummosereien bekommen. Schade eigentlich.



insgesamt 114 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
norsail 05.03.2018
1. Seit wann...
müssen Posten nach der Geschlechter-Zugehörigkeit und nicht nach der Qualifikation vergeben werden?
MattKirby 05.03.2018
2. Ein absurder Beitrag
Hätte es einen Unterschied gemacht anstatt zwei inkompetenten Männern zwei inkompetente Frauen zu berufen? Aber vermutlich schließen sich nach Meinung der Autorin die Attribute weiblich und inkompetent eh aus. Ich zumindest möchte Politiker, die meine Interessen kompetent wahrnehmen. Das Geschlecht ist dabei nachrangig.
manbleibtman 05.03.2018
3. Seehofer
hat es genau richtig gemacht. Die Wählerstimmen der SPD müssten ja durch die Decke gehen wenn alle auf die 50/50 Aufteilung warten würden. Es geht nur nach Qualifikation. Wenn nicht, passiert es wie bei Frau von der Leyen. Keine Ahnung aber immer schön durch die Quote dabei.
andermann 05.03.2018
4. Qualtätsjournalismus ...
... outet sich mit erbärmlichem Titel. Toleranz, Respekt und aufgeklärte (politische) Auseinandersetzung geht anders.
geschneider 05.03.2018
5. Sehr geehrte Frau Höhne,
es ist genau dieser angewandte Genderschwachsinn, den Sie hier propagieren, der massiv zur Politikverdrossenheit beiträgt. Mir und mit Sicherheit allen meinen Bekannten und wahrscheinlich der großen Mehrheit aller Deutschen ist es wuppe ob Männlein oder Weiblein einenn Job erledigen solange das Resultat stimmt. Geistig stehengebliebene 60er Relikte sollten lieber in ihren verblichenen Emma Heftchen blättern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.