Günther Beckstein stellt sich gegen seinen CSU-Parteichef Horst Seehofer. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident spricht sich für eine Koalition der Union mit den Grünen aus. Die Öko-Partei könne sich dann "keine ideologischen Spinnereien mehr leisten".
München - Während seiner Zeit als langjähriger bayerischer Innenminister und Regierungschef galt Günther Beckstein als konservativer Hardliner. Gerne inszenierte sich der CSU-Politiker als "schwarzer Sheriff", der bei Terrorbekämpfung und Ausländerpolitik mit harter Hand durchgriff.
Umso ungewöhnlicher ist der jüngste Vorstoß des 69-Jährigen: In einem Interview mit dem Radiosender Antenne Bayern plädierte Beckstein für eine schwarz-grüne Bundesregierung. "Ich bin überzeugt, dass das ein Experiment wäre, das man versuchen sollte", sagte er.
Angesichts der riesigen Herausforderung bei der Energiewende wäre es seiner Ansicht nach gut, die Grünen mit im Boot zu haben. "Dann könnten sie sich keine ideologischen Spinnereien leisten, sondern müssen eine Politik machen, die an der Realität gemessen wird", sagte Beckstein.
Göring-Eckardt zweifelt an Einigung mit Union
Außerdem würde sich das gute Wahlergebnis der Union in einem Koalitionsvertrag mit den Grünen eher widerspiegeln als mit der SPD. "Die Union müsste weniger Kröten schlucken." Becksteins Nachfolger als bayerischer Ministerpräsident, Horst Seehofer, hat sich bislang vehement gegen Koalitionsverhandlungen mit der Öko-Partei ausgesprochen.
CDU-Vize Armin Laschet lobte das Auftreten der Grünen nach ihrer Wahlniederlage am 22. September. Diese analysierten "offen ihre Fehler und stellen sich neu auf", während die SPD lautstark die gleichen Dinge fordere wie im Wahlkampf, sagte Laschet der "Rheinischen Post".
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Grünen am Montag offiziell zu Sondierungsgesprächen über eine mögliche Koalition eingeladen. Die Gespräche sollen Ende kommender Woche stattfinden. Noch in dieser Woche will die CDU-Chefin mit der SPD reden. Rasmus Andresen, Parteiratsmitglied der Grünen, warf Merkel daher eine "infame Doppelstrategie" vor. Parallelsondierungen dürfe es nicht geben.
Katrin Göring-Eckhardt, Grünen-Spitzenkandidatin im Bundestagswahlkampf, hält einen Erfolg von Sondierungsgesprächen mit der Union für unwahrscheinlich. "Ich bin skeptisch", sagte die Politikerin im ZDF-"Morgenmagazin". Entscheidend für die Grünen sei die ökologische Modernisierung. Sie glaube nicht, dass sich ihre Partei mit CDU und CSU darauf einigen könne.
syd/dpa
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