Seehofers CSU-Personal Männersache

CSU-Chef Seehofer präsentiert sein Team für die künftige Bundesregierung und einen neuen Generalsekretär für die Partei. Bei der ausgelobten Erneuerung ist für Frauen kaum Platz.

Von , München


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Viele Auftritte musste Horst Seehofer in den vergangenen Wochen in der Kantine der CSU-Landesleitung in München absolvieren. Es waren bisweilen quälende Veranstaltungen, meistens stand der CSU-Chef dabei allein auf der Bühne und mühte sich, mit windungsreichen Sätzen die neuesten Volten im parteiinternen Machtkampf zu erklären.

An diesem Montag ist alles anders. Seehofer wirkt gelöst, alles geht schnell, keine halbe Stunde, dafür drängen sich umso mehr Politiker mit dem Vorsitzenden auf der kleinen Bühne:

  • der bisherige CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer als künftiger Verkehrsminister
  • der alte und neue Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller
  • die neue Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt, Dorothee Bär
  • die beiden designierten Parlamentarischen Staatssekretäre Stephan Mayer (Innen) und Thomas Silberhorn (Verteidigung)
  • dazu der neue Generalsekretär, Markus Blume, und seine Stellvertreterin, die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig
  • und natürlich der künftige Super-Minister Seehofer selbst, demnächst zuständig für Inneres, Bauen und Heimat

"Das ist unsere neue Mannschaft", sagt Seehofer. "Das ist für uns als CSU eine Zäsur." Er lobt das junge Alter seiner Truppe, vor allem die 39 Lebensjahre von Dorothee Bär. Er preist das Gardemaß seiner Mitstreiter, Scheuer habe ja mal Basketball gespielt. Blume galt einst als großes Talent im Eiskunstlauf. "Lauter schlanke Kerlchen," sagt der Parteivorsitzende. Dann stellt er sich für die Fotografen in die Mitte der Reihe.

Nur landmannschaftlich austariert

Schon die Witzeleien über äußere Erscheinungsmerkmale zeigen: Es geht ziemlich männlich zu in der künftigen Führungsriege der CSU. Die Personalien sind zwar landsmannschaftlich austariert, die Repräsentation der Landesteile wiegt in der CSU schwer: Seehofer kommt aus Oberbayern, Scheuer aus Niederbayern, Bär repräsentiert Franken im Kabinett, der alte und neue Entwicklungsminister Gerd Müller stammt aus Schwaben.

Weniger ausgewogen ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern auf der Bühne: sechs Männer und zwei Frauen. Keines der drei zu vergebenden klassischen Bundesministerien geht an eine Frau, kein Staatssekretärsposten.

Stattdessen gibt sich Seehofer große Mühe, die Bedeutung der künftigen Digital-Staatsministerin Bär zu betonen. Neben ihr muss noch eine stellvertretende Generalsekretärin für ein bisschen Quote sorgen - ein Posten, den sich keine andere der großen Parteien leistet.

Der Männerüberhang der CSU fällt besonders auf, weil die CDU für die Hälfte ihrer Ministerposten Frauen nominiert hat. Die SPD hat es genauso angekündigt, auch wenn die Namen noch nicht feststehen.

Seehofer bleibt bis zum letzten Tag

Seehofer kümmert das an diesem Montag wenig. Die Präsentation verdeutlicht einmal mehr, für wie unentbehrlich er sich selbst in seinen Ämtern hält: Das des Ministerpräsidenten wird er bis zum 13. März ausüben; am Tag seines Rückzugs will er sogar noch eine Kabinettssitzung leiten. Es ist das letzte mögliche Datum für den Abschied, denn am 14. März soll Seehofer als neues Mitglied des Bundeskabinetts seinen Eid leisten. Beide Ämter parallel darf er nicht. "Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich die wenigen Tage, die ich noch habe, nutze", sagt Seehofer.

Fotostrecke

10  Bilder
Große Koalition: Das ist das CSU-Personal

Ganz offenkundig sind ihm tiefe Verletzungen aus dem Machtkampf mit seinem Kontrahenten Markus Söder geblieben. Bei einem anderen Auftritt einige Tage zuvor zeigte sich Seehofer eingeschnappt. Es habe "eine ganz erhebliche Demontage meiner Person" gegeben, sagte Seehofer da. Die Schuld für die Eskalation gab er dabei seinen Gegnern: "Ich habe mich für den Konsens entschieden und nicht für den Konflikt."

Der Antagonismus Seehofer-Söder stand auch im Zentrum des traditionellen Singspiels zum Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg vergangene Woche. Jedes Mal, wenn sich die Darsteller der beiden Politiker umarmten, glich es einem Ringen. Zum Höhepunkt stimmte "El Marco" alias Söder das Lied mit dem Titel an: "Sieh es ein, alter Horst, du musst jetzt gehen." Doch der alte Patron kehrte nach jedem Abgang umgehend zurück.

Sondersitzung zur Söder-Wahl

Nun aber steht auch der Fahrplan für den Machtübergang innerhalb Bayerns fest. Nach dem Willen der CSU-Landtagsfraktion soll Söder am 16. März zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden. An diesem Tag soll es eine Sondersitzung des Landtags geben, berichten die Nachrichtenagentur dpa und der Bayerische Rundfunk. Dann kann Söder noch vor Ostern sein Kabinett vorstellen. Der künftige Ministerpräsident sagte nur: "Jetzt ist der Weg frei für den geordneten Übergang in Bayern, auf den wir schon eine längere Zeit warten."

Neben Seehofer und Söder wird nun ein weiterer Mann in den Blickpunkt treten, der vermitteln soll: Markus Blume wird den Landtagswahlkampf der CSU organisieren und nach Seehofers Worten für "eine gute Verbindung" zwischen München und Berlin sorgen.

"Jeder Generalsekretär hat seinen eigenen Stil", sagt Blume. Der Verfasser des jüngsten CSU-Grundsatzprogramms gilt als besonnener Stratege und nicht als Lautsprecher - "nachdenklich, strategisch, argumentierend", wie Seehofer sagt. Blume bewege sich auf Augenhöhe mit seiner CDU-Kollegin Annegret Kramp-Karrenbauer, lobt der CSU-Chef - und würdigt damit indirekt auch die Qualitäten der neuen mächtigen Frau in der Schwesterpartei.

Wenn er schon in den eigenen Reihen keine findet.


Zusammengefasst: Horst Seehofer hat das CSU-Personal für die künftige Große Koalition in Berlin vorgestellt. Als Bundesminister sollen neben Seehofer selbst (Innen, Bauen, Heimat), Andreas Scheuer (Verkehr) und Gerd Müller (Entwicklungshilfe) ins Kabinett, einzige Frau - auch die Staatssekretärsposten gehen an Männer - ist Dorothee Bär, die als Staatsministerin im Kanzleramt für Digitales zuständig sein wird. Sein Amt als Ministerpräsident will Seehofer erst unmittelbar vor seinem Wechsel nach Berlin abgeben - am 13. März.



insgesamt 84 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
manbleibtman 05.03.2018
1. Die Mitglieder der CSU
bestehen zu 80 % aus Männern und 20 % aus Frauen ( lt bpb.de ) daher ist die Zusammensetzung völlig in Ordnung. Es kann doch nicht sein das 20% der Mitglieder 50 % der Posten bekommen sollen.
JungUndFrei 05.03.2018
2.
Die CSU achtet eben nicht auf das Geschlecht und macht keinen Unterschied zwischen Mann und Frau.
bernstein9 05.03.2018
3. Die PResse ist selbst schuld....
wenn sie einerseits mangelnde Fachkompetenz der Minister in den Raum stellt, aber nur nach Quoten geht. Was hilft es denn der Sache der Frauen, wenn jeder Frau das Etikett der Quote anhängt, und damit sofort eine Disqualifikation in der Sachkompetenz einher geht. So gesehen sind Medien, die das so thematisieren, im Grunde frauenfeindlicher als die Parteien
topsykrett 05.03.2018
4. Wie wäre es denn..
Ich mag ja altmodisch klingen, aber wie wäre es denn, wenn wir die Kandidaten nach Kompetenz beurteilen und nicht nach Geschlecht. Dasselbe gilt für das Bundeskabinett: Beurteilung nach Fähigkeit und nicht nach Mann/Frau und Ost/West. Es gab mal Zeiten, da wurde tatsächlich sachlich beurteilt.
mairhanss 05.03.2018
5.
Was erwartet ihr von einem CSU-Typen. Die sind so archaisch, das einem graut…
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.