Trotz Rückzug als CSU-Chef Seehofer will Innenminister bleiben

Jetzt ist es offiziell: Horst Seehofer will als CSU-Chef zurücktreten. Das Amt des Bundesinnenministers will er jedoch behalten.

REUTERS

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat einen geplanten Rücktritt von seinem Ministerposten bestritten. Er werde zwar als CSU-Chef zurücktreten, bestätigte Seehofer am Montag im sächsischen Bautzen. "Das Amt des Bundesinnenministers ist von dieser Entscheidung in keiner Weise berührt", fügte er allerdings hinzu.

Am Sonntagabend war aus CSU-Kreisen durchgesickert, Seehofer habe in der engsten Parteiführung seinen Rückzug als Vorsitzender für Anfang 2019 angekündigt. Dann solle auf einem Sonderparteitag ein Nachfolger gewählt werden. Allerdings hatte es auch Spekulationen gegeben, dass Seehofer zugleich in absehbarer Zeit als Innenminister abtreten könnte. Das bestritt er nun.

Seehofer sagte, der Zeitpunkt seines Rücktritts als CSU-Chef stehe noch nicht fest. Eine Entscheidung solle in dieser Woche fallen. Am wahrscheinlichsten gilt, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder seinen parteiinternen Rivalen an der CSU-Spitze beerbt. Auch Partei-Vize Manfred Weber wurde in der Vergangenheit als möglicher Kandidat gehandelt. Weber will EU-Kommissionspräsident werden. Beide Ämter würden sich nicht grundsätzlich ausschließen, sagte er am Montag. "Große Weichenstellungen für unsere Gesellschaften heute werden in Brüssel auf europäischer Ebene entschieden", sagte er der "Bild"-Zeitung.

SPD beharrt auf Seehofers Rückzug aus dem Kabinett

Seehofer war in den vergangenen Monaten in der CSU stark unter Druck geraten. Parteifreunde gaben ihm eine wesentliche Schuld am Wahldebakel bei den Landtagswahlen, als die CSU ihre absolute Mehrheit klar verlor. Seehofer hatte mit seinem sturen Kurs in der Asylpolitik im Sommer eine ernste Regierungskrise der schwarz-roten Koalition in Berlin provoziert.

In der SPD will man sich jedoch offenbar nicht damit abfinden, dass Seehofer weiter im Kabinett bleibt. "Es ist nicht souverän, Zeit zu schinden und noch einige Monate im Amt zu bleiben", sagte Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) der "Rheinischen Post". Mit Seehofer im Amt könne eine Neustart der Koalition nicht gelingen.



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kev/AFP/dpa



insgesamt 140 Beiträge
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Seite 1
HH-17 12.11.2018
1. Bitte nicht!
Merkt denn keiner mehr etwas?
orca20095 12.11.2018
2. Das wäre der GAU für die Republik,
was die CSU und Bayern betrifft, ist mir ziemlich egal, aber Herrn Seehofer weiter als Innenminister ertragen zu müssen, grenzt an Nötigung.
AHF 12.11.2018
3. Umgekehrt
wäre mir lieber. So ein Rücktritt von beiden Ämtern wäre wohl so etwas wie ein kalter Entzug.
isi723 12.11.2018
4. Die Hoffnung sirbt zu letzt!
Vielleicht findet sich ja in der Regierungs - Mann - Frauschaft irgendjemand der Herrn Seehofer erklärt, dass es jetzt endlich Zeit ist zu gehen. Das muss man wohl ganz langsam und mit einfachen und kurzen Sätzen machen, damit er es versteht. Wir haben Ihn schon viel zu lange ertragen müssen und meiner Meinung nach ist Herr Seehofer als Innenminister ein Totalausfall!
telarien 12.11.2018
5. Schade für Deutschland
Bisher kam von Herrn Seehofer als Innenminister nur rechte Wahlwerbung für Bayern. Er könnte mal beginnen zu arbeiten. Wahrscheinlich schmückt er dann als Heimatminister einen Christbaum. Mich würde interessieren, warum wir immer wieder von schweren Verbrechen durch bereits polizeibekannte Asylsuchende hören, die dann doch nicht abgeschoben wurden. Lösungen bitte, Herr Seehofer!
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