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Kommentar zur Deutschpflicht für Migranten: #Yalla Deutschland

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Angriff der Populisten: AfD, Pegida und andere dubiose Gruppierungen machen Stimmung gegen die etablierte Politik. Statt Anbiederung nach CSU-Art wäre jetzt Gegenwehr nötig.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: Verrückte Idee gegen Spinner Zur Großansicht
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CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: Verrückte Idee gegen Spinner

Haben Sie auch laut gelacht am Wochenende? Oder haben Sie sich geärgert? Über die CSU und ihre beknackte Idee, Migranten sollten dazu "angehalten" werden, zu Hause deutsch zu sprechen.

Das Vorhaben ist lächerlich, ärgerlich, beides stimmt. Der ironisch-arabische Twitter-Hashtag #YallaCSU passt gut zu dieser Idee. Die Prognose lautet aber leider: Wir werden bald noch mehr solche seltsamen Debatten erleben.

Sie sind Symptome eines tieferliegenden Problems. Die professionelle Politik ist zunehmend verunsichert; die Parteien suchen Wege, wie sie mit neuen Gruppen wie der Anti-Islam-Bewegung Pegida in Dresden oder mit der AfD umgehen sollen. Sie sehen, die Wählerschaft gerät in Bewegung. Menschen, die sonst vielleicht SPD, Linke oder die Union wählen würden, gehen plötzlich andere Wege, Initiativen entstehen aus dem Nichts.

Die neuen Bewegungen bestehen aus einer seltsamen Melange: Da ist Wut auf die herrschenden Verhältnisse, Angst vor Veränderung, Verklärung der Vergangenheit und eine ordentliche Prise Politikerverdrossenheit.

Spinner muss man Spinner nennen

Es ist, als ginge ein neuer Riss durch das Land: Auf der einen Seite ist Deutschland in den vergangenen Jahren weltoffener, moderner, globalisierter geworden. Berlin wird regelmäßig in Rankings zu einer der besten Städte der Welt ernannt, Deutschland ist im Ausland beliebt wie nie; Besucher kommen gerne hierher und werden gut aufgenommen. Auf der anderen Seite finden sich aber zugleich etliche Menschen, denen diese Entwicklung Angst macht. Jede Veränderung wird als Bedrohung empfunden. Euro, Flüchtlinge, Islam, mit diesen Stichworten werden Ängste geschürt.

Alle etablierten Parteien sind von diesem Trend betroffen, aber jede hat einen anderen Weg, damit umzugehen.

Die CSU glaubt, ihr Rezept gefunden zu haben: Sie übertönt die Spinner einfach mit ähnlich verrückten Ideen. Sie biedert sich an. SPD, Grüne und Linke tun so, als sei das alles ein Problem von CDU und CSU, dabei machen auch etliche Ex-Genossen zum Beispiel bei der AfD ihr Kreuz. Und Angela Merkel? Sie sitzt das Problem einfach aus und schweigt. Wieder einmal, man kennt das schon.

So richtig überzeugt keine dieser Strategien. Anbiederung oder Wegducken, führen ins Unglück. In Frankreich kann das jedermann besichtigen; dort ließen sich die etablierten Parteien jahrelang von der Familie Le Pen und ihren rechten Parolen treiben. Nun könnten die Ausländerfeinde bald feist grinsend den ganzen Laden übernehmen.

In Deutschland ist es längst noch nicht so weit. Hier wäre es eigentlich an der Zeit, in die Offensive zu gehen. Spinner muss man Spinner nennen, Ausländerfeinde Ausländerfeinde. Und Europafeinde Europafeinde. Denn auch in der Politik gilt: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Yalla, yalla.

Zum Autor
Christian Thiel
Roland Nelles ist Ressortleiter Politik und Leiter des Berliner Büros sowie Mitglied der Chefredaktion von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Roland_Nelles@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 308 Beiträge
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1. Es ist schon seltsam, ...
Pelao 08.12.2014
... daß sich eine Partei, die sich seit langem als DIE Heimat für Landsmannschaften stark macht, also für Gruppen, die über Jahrhundert als Migranten in der Famile ihre Muttersprache gesprochen haben ... jetzt verlangt, daß Migranten, wo auch immer, von heute auf morgen ihre Identität aufgeben sollen ... Ich selbst bin Migrant und ich spreche natürlich in meinem Gastland innerhalb meiner Familie meine Muttersprache ... nämlich Deutsch. Also ... her mit dem gestreckten Mittelfinger und dem CSU-Ansinnen in diesem Falle denselbigen entgegenhalten ... der deutschen Kultur zuliebe!!!
2. alle muessen
rmq8 08.12.2014
alle muessen ein beitrag leisten. Die gaeste muessen sich anpassen und die deutsche gesellschaft muss offener werden. Ich lebe und arbeite schon viele jahre in verschiedenen laendern- d.h. Ich muss mich den land es typischen gegebenheiten anpassen und die gesrlschaftlichen normen respektieren - egal ob in KSA, Kuwait, Nigeria, Albania oder india. Freundlichkeit und der wille teil der gesellschaft zu sein hilft - und man wird sehr nett aufgenommen.
3. holla
Fackus 08.12.2014
AfD eine 'dubiose Gruppierung'? Eine inzwischen etablierte Partei ? Nun wirds aber langsam sehr dubios, verehrtes Spon! Und vor lauter Begeisterung über den 'verbalen Hammer' habt Ihr sogar die Grammatik vergessen ... Gibts einen Chefredakteur bei Euch? Ach so ja - auch nimmer. Das kommt dann raus.
4.
klotsack 08.12.2014
Der CSU-Vorschlag ist vernünftig, bescheuert sind die Reaktionen darauf. Nix Sprache, nix Integration!
5.
großwolke 08.12.2014
Da kann ich nicht anders als mal ein paar Punkte geradezurücken: Zum ersten ist eine Deutschpflicht für Migrantenwohnungen natürlich Käse. Was nichts daran ändert, dass die Idee sachlich, also im Hinblick auf die Verbesserung von Deutschkenntnissen, gar nicht mal so blöd ist. Ich zähle selber auch Ausländerfamilien zu meinem Freundeskreis, und habe von dort schon den Standpunkt gehört, dass es das Vorwärtskommen in der deutschen Sprache nicht gerade erleichtert, wenn man nach getaner Arbeit wieder in die muttersprachliche Komfortzone zurückkehrt. Zum zweiten wäre ich vorsichtig damit, die aktuellen anti-islamisch motivierten Proteste mit der allgemeinen Fremdenfeindlichkeit bestimmter Gruppen zu assoziieren, nur weil die gleichen rasierten Hohlköpfe dabei mitmachen. Ich bin kein Fan von marodierenden Nazi-Hool-Horden, aber vielleicht sollte man sich fragen, wie es kommt, dass die gerade im großen Stil gemeinsam auflaufen. Für mich ist das ein Versagen der Politik, klare Kante zu zeigen. Freie Religionsausübung ist eine tolle Sache, keine Frage. Auf der anderen Seite muss man aber auch öffentlichkeitswirksam Verständnis dafür zeigen, wenn sich hierzulande die Leute sorgen, was ihnen möglicherweise aus den Moscheen in der Nachbarschaft zukünftig an Gefahr drohen könnte. Der Witz dabei: auf der Arbeitsebene (Verfassungsschutz und Polizei) werden unsere muslimischen Mitbürger längst sehr aufmerksam begutachtet, in der öffentlichen Debatte jedoch haben in den Medien die Toleranzverfechter und Islamversteher die Oberhand. Man braucht nicht viel Empathie um zu verstehen, wie das die Menschen irriteren kann angesichts täglicher Kriegsschlagzeilen aus dem Nahen Osten. Also, nennt mich ruhig einen Nazi-Versteher, aber ich finde, die konkreten Sorgen dieser Menschen sollten genau so ernst genommen werden wie die Religionsfreiheit.
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