Ilse Aigner im CSU-Machtkampf Ich will auch!

Im Machtkampf um das Erbe von CSU-Chef Seehofer hat sich Ilse Aigner lange zurückgehalten. Jetzt bringt sie sich immer lauter ins Gespräch. Der Zeitpunkt ihrer Offensive ist ungünstig gewählt.

Von , München

CSU-Politikerin Ilse Aigner
DPA

CSU-Politikerin Ilse Aigner


Es war einer der Momente, in denen Ilse Aigner zuletzt so richtig herzlich lachen konnte: Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg. Angela Ascher mimte Aigner, stand im biederen Dirndl auf der Bühne und beklagte sich, in der CSU kaum beachtet zu werden. Plötzlich ließ die Schauspielerin ihr Dirndl fallen, stand in hautengem Glitzerkleid da und legte einen Tanz hin, dass es nur so fetzte: "Ihr habt die Ilse vergessen, ihr Lumpenpack, genauso wie den Anstand, den ihr nie besessen habt."

Neben Aigner im Publikum saß Markus Söder, ihr Erzrivale im Kampf um die Nachfolge von CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer. Aigner war sichtlich vergnügt, als es ihr Double auf der Bühne krachen ließ. Und Söder? Der lächelte gequält.

Derzeit wirkt es ganz so, als habe sich Aigner ein wenig von ihrem Double Ascher abgeschaut: Sie will nicht mehr still und brav sein, sondern auch mal sagen, was Sache ist. Deutlich wie nie zuvor hat sich die 51-Jährige jetzt ins Gespräch gebracht und ihre Ambitionen in Sachen Seehofer-Nachfolge klar formuliert: "Ich glaube, dass ich es könnte, ich glaube, dass es Bayern guttun würde", sagte Aigner der "Augsburger Allgemeinen".

Geht da noch was im Machtkampf bei den Christsozialen? Derzeit scheint in der Partei vieles möglich, sogar die Variante, dass Seehofer allen Ankündigungen zum Trotz noch einmal für den Chefposten kandidiert. Der 66-Jährige ist mit neuem Elan unterwegs, seit er in der Union die Rolle als schärfster Kritiker von Angela Merkels Flüchtlingspolitik angenommen hat.

Mit einer Variante wurde allerdings bis heute kaum noch gerechnet, auch parteiintern nicht: dass Aigner das Rennen machen könnte. Seit ihrem Wechsel von der Bundes- in die bayerische Landespolitik vor rund zweieinhalb Jahren ist sie hinter den Erwartungen vieler Parteifreunde zurückgeblieben. Ihr Neustart in München verlief holprig, auch heute noch gelingt es ihr selten zu glänzen. In Umfragen liegt sie weit hinter Söder, der weiß zudem in der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag deutlich mehr Befürworter hinter sich als sie.

Zwar wird Seehofer nachgesagt, den Franken mit allen Mitteln als künftigen starken Mann in der CSU verhindern zu wollen. Auf Aigner scheint er dabei aber immer weniger zu setzen: Auffällig selten lobt er sie in der Öffentlichkeit. Zudem macht er ihr mit Vorgaben gegen Windräder, Stromtrassen und Pumpspeicherwerke die Mammutaufgabe Energiewende zusätzlich schwer.

Planspiele für Exitstrategie

In CSU-Kreisen ist zu hören, dass Parteistrategen bereits über eine Art Exitstrategie für Aigner nachdenken: Aigner als Spitzenkandidatin der CSU für die nächste Bundestagswahl 2017, lautet demnach eine Idee. So könnte sie einen respektablen Posten vorweisen, auch wenn sie im Rennen um die Seehofer-Nachfolge leer ausgeht.

Umso überraschender ist Aigners Vehemenz, mit der sie jetzt auftritt und die man von ihr bisher nicht kannte: "Ich schlucke relativ lang relativ viel runter, aber irgendwann ist das Haferl voll", sagte sie. Die Worte galten vor allem Söder. Er war zuletzt mit einem Vorstoß zu Mindestabständen für oberirdische Hochspannungsleitungen in Ortschaften aufgefallen - die Energiepolitik fällt in Aigners Zuständigkeit, abgesprochen hatte Söder seine Idee mit ihr aber nicht.

Es gebe "keinen, der ein Universalgenie ist", frotzelte Aigner seinerzeit mit Blick auf Söder. Wenige Tage später meldete sie sich mahnend zu Wort, als der SPIEGEL berichtete, Seehofer wolle Söder verhindern, indem er sich in diesem Jahr außerplanmäßig als Parteichef bestätigen lassen wolle: "Nach außen wirkt das wie ein Konflikt zwischen zwei Machtmenschen."

"Das Amt kommt zum Mann und nicht umgekehrt"

Auf diese Seehofer-Söder-Schelte folgte also nun der unmissverständliche Hinweis auf die eigenen Ambitionen, garniert mit dem Hinweis, dass ihr Gesundheit, Freunde und Grundsätze weiterhin wichtiger seien als eine steile Karriere.

Ein geschickter Schachzug?

Wohl kaum. Wer sich selbst für höhere Ämter ins Spiel bringt, tut sich selten einen Gefallen - das gilt umso mehr, wenn die persönlichen Umfragewerte eher dürftig sind. Aigner verstößt mit ihren Äußerungen noch dazu gegen Absprachen des CSU-Vorstandes. Erst vergangenen Montag hatte man sich geeinigt, von Personaldebatten Abstand zu nehmen. Aigner sollte es besser wissen: Seehofer sind all jene Personaldebatten ein Graus, die er nicht selbst befeuert.

Die stellvertretende bayerische Regierungschefin hätte bei Söder nachlesen sollen. Auf die Frage der "Wirtschaftswoche", was in seiner Karriereplanung noch schiefgehen könne, sagte er: "Manchmal ist es cleverer, die Dinge laufen zu lassen, statt sie erzwingen zu wollen. Das Amt kommt zum Mann und nicht umgekehrt."



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
NeueTugend 18.03.2016
1. Ich drücke es mal so aus:
Mit dem Namen verbinde ich nichts Gutes.
Ontologix II 18.03.2016
2. Ilse for Candidate!
Dann verliert nämlich die CSU wieder ihre absolute Mehrheit in Bayern.
heindeburk 18.03.2016
3. Wer sonst?
Wen gibt's sonst noch in der CSU? Haben die keine sympathischen Politiker, die für Spitzenämter geeignet sind?
newline 18.03.2016
4. Wenn ich mir
die Kandidaten für die Nachfolge so ansehe bin ich geneigt Herrn Seehofer, trotz allem, noch viel Kraft und Gesundheit zu wünschen. Es kann nur schlimmer werden.
mikechumberlain 18.03.2016
5.
Die Ilse? War die nicht mal Landwirtschaftsministerin und gegen die Lebensmittelampel? Unsympatische Frau-
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.