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Manfred Weber als Parteivize: Die CSU macht auf Europa

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CSU: Seehofers Personalpläne Fotos
DPA

Schluss mit dem Anti-Brüssel-Kurs: Mit Manfred Weber holt CSU-Chef Horst Seehofer einen erfahrenen Europapolitiker in die Parteispitze. Doch die Personalie hat noch einen anderen Hintergrund.

Horst Seehofer ist ein Spezialist für maliziöse Witze. Einer davon geht so: Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und dem Stellvertreter des CSU-Chefs? Die Antwort: Die Hundehütte ist für den Hund. Und der Stellvertreterposten für die Katz.

Doch das soll sich jetzt ändern: Während bislang mit dem geschassten Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem Parteirebellen Peter Gauweiler zwei europakritische Stellvertreter an Seehofers Seite Politik machten, kommt jetzt die Wende. So europafreundlich, so international waren die Christsozialen noch nie aufgestellt - "Made in Bavaria", wenn man so will.

Wochenlang grübelte Seehofer über sein neues Spitzentableau (Parteisprech: "Kompetenzteam"). Heute oder spätestens morgen soll es offiziell verkündet werden. Es deutet sich manche Überraschung an:

Seehofers neuem Team werden gleich zwei Europaabgeordnete angehören. Angelika Niebler, 52, Chefin der CSU-Abgeordneten in Brüssel, war erwartet worden. Die zweite Personalie aber ist ein Coup: Manfred Weber 42, Chef der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, soll an die Parteispitze aufrücken.

Mit der neuen Aufstellung reagiert Seehofer auch auf die Blamage bei der Europawahl 2014. Dort kassierten die Christsozialen mit ihrem europakritischen Kurs eine Pleite. Gauweiler hatte vor wenigen Wochen seinen Posten entnervt hingeschmissen, nachdem Seehofer in Sachen Griechenland und Euro nicht von Merkels Rettungskurs abweichen wollte. Die Wahl der Stellvertreter findet auf dem CSU-Parteitag im Herbst statt.

Um Parteivize zu werden, muss Weber seinen Posten als Bezirkschef von Niederbayern aufgeben, so will es die Satzung. In der parteiinternen Hierarchie galten die Bezirksvorsitzenden bislang eigentlich mehr als der Vizeposten, weil sich so Gefolgschaften absichern ließen. Zudem rangierten die Parlamentarier der Brüsseler Bürokratiemaschine aus Sicht der CSU-Landesleitung in München bisher weit hinter den Abgeordneten eines Kreistags in Oberfranken.

Jetzt wird offenbar alles anders: Seehofer hat genug von der Deutschtümelei an seiner Parteispitze. Die CSU soll wie zu Zeiten von Franz Josef Strauß Weltgeltung erhalten, mindestens. So wie beim G7-Gipfel in Elmau stellt der Ministerpräsident sich das wohl vor: tolle Bilder - jetzt in der Wiederholungsschleife.

Der kennt sogar den Cameron

Seehofer imponiert, wie Weber als EVP-Fraktionschef im Europäischen Parlament bei den Mächtigen der Welt ein- und ausgeht. "Der Weber wird von David Cameron sogar nach Hause eingeladen", soll Seehofer jüngst im kleinen Kreis erfreut berichtet haben. Cameron hatte Weber Ende Mai in seinem Wahlkreis bei London empfangen.

Seehofer imponiert das schon deshalb, weil er bei seinen hochrangigen Terminen, wie etwa nach der Europawahl beim kurzen Treff mit Frankreichs Staatspräsident Hollande, immer ein bisschen Schützenhilfe der Kanzlerin braucht. Die Bedeutung des Bayern-Premiers erschloss sich im Élysée-Palast nicht jedem sofort.

Doch Seehofer wäre nicht Seehofer, wenn er nicht noch andere Interessen mit der Personalie verfolgen würde. Denn auch taktisch ist die Berufung Webers interessant: Der Mann richtete zuletzt mit dem gestrauchelten Parteiliebling Karl-Theodor zu Guttenberg eine kleine Konferenz aus, bei der es selbstverständlich nur um die großen außenpolitischen Linien ging.

Bremse für Söder

In Wahrheit gehört Weber zu denen in der CSU, die den Favoriten für die Seehofer-Nachfolge, Markus Söder, noch lange nicht auf dem Bayern-Thron sehen. Angelika Niebler aus Oberbayern ist ohnehin eine enge Freundin von Söder-Rivalin Ilse Aigner. Die neue Spitzenmannschaft ist also auch dazu da, Söder auszubremsen.

Neben Niebler und Weber soll Christian Schmidt Parteivize bleiben. Er ist zwar Bundesagrarminister, das aber bestenfalls im Nebenberuf. Eigentlich ist Schmidt, 57, der lange Jahre Staatssekretär im Verteidigungsministerium war, noch immer der Mr. Außenpolitik der CSU.

Die Runde vervollständigt Barbara Stamm, 70. Auch das wurde SPIEGEL ONLINE aus mehreren Quellen an der CSU-Spitze bestätigt. Die beliebte Landtagspräsidentin gehört seit jeher zur Parteispitze.

Von der Fränkin sind außenpolitische Bestrebungen zwar nicht bekannt. Doch Söder hat ihr zuletzt einen Spitznamen verpasst, der sich international durchaus sehen lassen kann: "Queen Mum von Bayern."

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